Konzeptionsentwicklung Konfirmandenarbeit
D Wie wollen Sie den Lernprozess organisieren?
D 2 Verschiedene Organisationsformen und ihre Vor- und Nachteile
Die Einzelstunde
ist meistens eine Zeitstunde (aber es gibt auch 45-minütige "Schulstunden"!). Häufig bleiben - wegen der Ankommensverluste und der Unruhe vor dem Schluss - sogar nur 30 Minuten. Das kann durchaus Vorteile haben ... ist aber didaktisch gesehen schwierig.
Die Doppelstunde
ist der Klassiker, in der Regel ebenfalls dem Schulalltag entlehnt und 90 Minuten lang.
Sie eignet sich gut für wöchentlich stattfindende Phasen (z.B. zur Vorbereitung und Nachbesprechung von Gottesdiensten).
Lernprozesse, die einen längeren Spannungsbogen brauchen, sind aber kaum möglich.
Der Konfirmanden-(Halb-)Tag
findet in der Regel an einem Samstag statt. Er kann mit einem gemeinsamen Frühstück im Gemeindehaus beginnen und schließt entweder um ca. 13.00 Uhr (ohne Mittagessen) oder (mit einem gemeinsamen Mittagessen) um ca. 15 oder 16 Uhr.
Auf diese Weise können Themen kreativer erarbeitet werden. Die gemeinsamen Mahlzeiten (z.B. abwechselnd von den Eltern besorgt) können Vorstufen für Agapefeiern darstellen, stärken auf jeden Fall das Miteinander in der Gruppe.
Nachteile: Am Samstag konkurriert man mit den Sportvereinen und mit privaten Wochenend-Veranstaltungen der Eltern. Außerdem kann der Kontakt zu den Jugendlichen unter Umständen weniger intensiv sein, vor allem wenn eine/r an einem Samstag "ausfällt".
Das Wochenend-Seminar
beginnt z.B. bereits am Freitagnachmittag (ca. 16 Uhr) und endet am Samstag(nach)mittag. Die Konfis schlafen zu Hause, können aber alle Mahlzeiten in der Gruppe im Gemeindehaus einnehmen.
Diese Organisationsform bietet die gleichen Möglichkeiten für kreative Lernprozesse wie der Konfirmandentag. Für manche Inhalte kann es interessant sein, dass die Konfis "eine Nacht darüber schlafen".
Allerdings erhöht diese Form die Konkurrenz-Situation mit anderen Wochenend-Veranstaltungen, weil zwei Tage betroffen sind.
Das Konfirmanden-Wochenende
gehört - nicht zuletzt nach den Rahmenrichtlinien - beinahe zwingend zur Konfi-Zeit. Es ist das, woran sich die Jugendlichen meistens noch bei ihrer Silbernen Konfirmation erinnern. Um Missverständnissen vorzubeugen, sollte mit der Bezeichnung "Konfirmanden-Freizeit" vorsichtig umgegangen werden: Unter "Freizeit" verstehen Jugendliche heute etwas Anderes!
Ein Konfi-Wochenende erfordert - wie übrigens auch ein Konfi-Tag oder Wochenend-Seminar - unbedingt die Mitarbeit von (jugendlichen) Ehrenamtlichen. Das kann - wie auch die Finanzierung, die schlechten Nächte für die Verantwortlichen und diverse Terminkollisionen - ein Problem sein. Aber das ist nichts im Vergleich zu den vielfältigen Vorteilen!
Das Konfi-Camp
ist die XXL-Version eines Konfirmanden-Wochenendes und zur Zeit sehr stark im Gespräch (www.konficamps.de). Es wird meistens auf Dekanatsebene angeboten und erfordert verständlicherweise einen enormen Organisationsaufwand (zusammen mit dem Jugendwerk). Vor allem die längeren Camps über mehr als eine Woche erzielen laut EKD-Studie auch nachweislich sehr positive Lernergebnisse.
Das Gemeinde- bzw. Diakonie-Praktikum
liegt gewisserweise quer zu den bisher beschriebenen Organisationsformen: Es ist jeweils mit einem bestimmten Lerninhalt verbunden: der Erkundung der Gemeinde bzw. dem diakonischen Lernen. Es sollte nicht in erster Linie zum Zweck der späteren Mitarbeiter-Gewinnung, sondern als echte Lernanregung durchgeführt werden. Wichtig sind jeweils Vorbereitungs- und Nachbereitungseinheiten, bei denen die persönlichen Einstellungen bzw. Erfahrungen in der Gruppe besprochen werden können.
Vor allem beim ersten Mal erfordert ein Praktikum relativ viel Absprachen mit anderen Mitarbeitenden. Außerdem muss man natürlich überhaupt entsprechend viele Einsätze anbieten können. Dafür kann ein Praktikum, das sich über mehrere Wochen zieht, das eine oder andere Terminproblem (bei den Konfis wie bei den Unterrichtenden) lösen, weil die Konfis ihre Einsätze (zu zweit) jeweils selbstständig planen.

