Anregungen für einen einjährigen KonfiKurs
Die Einführung des achtstufigen Gymnasiums stellt die Organisatoren von Konfirmanden-und Jugendarbeit bereits jetzt vor Probleme. Dazu kommt noch die an sich begrüßenswerte Ankündigung, die Hauptschulen zu Ganztagesschulen umzubauen. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Konfirmandinnen und Konfirmanden an vier Wochentagen bis etwa 15.30 Uhr in der Schule beschäftigt sein wird. Für viele Schülerinnen und Schüler kommt dazu noch die Zeit für den Nachhauseweg. Dann müssen zwar keine Hausaufgaben mehr gemacht werden, aber von Montag bis Donnerstag dürfte ein Konfirmandenunterricht vor 17.00 Uhr unmöglich werden – und danach eine Herausforderung. Das Wochenende aber ist häufig durch andere Aktivitäten blockiert: Sport, Musik, Ausflüge und der Besuch beim getrennt lebenden Elternteil.
"Wann sollen wir in Zukunft eigentlich Konfirmandenunterricht machen?" fragen deshalb zunehmend mehr Pfarrerinnen und Pfarrer. Das vorliegende KonfiKurs-Modell will diese Frage ernst nehmen und Anregungen für die Organisation einer zukunftsfähigen Konfirmandenarbeit geben. Dabei ist selbstverständlich klar, dass es wahrscheinlich kaum eine Gemeindesituation gibt, für die dieses Modell 1:1 umsetzbar wäre.
Die Grundüberlegung
Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen ist der aus der Architektur stammender Leitsatz "form follows function". Auf die Konfirmandenarbeit übertragen heißt das: Es kann nicht darum gehen, eine bestimmte Organisationsform – das heißt: eine bestimmte Anzahl von Stunden – mit Inhalten zu füllen. Die Unterrichtenden müssen sich vielmehr umgekehrt immer zuerst fragen: "Worauf soll unsere Konfirmandenarbeit hinauslaufen?" "Was sind das für Jugendliche, mit denen wir arbeiten?" "Welche Möglichkeiten stehen uns dabei zur Verfügung?" Und erst dann: "Welche zeitliche Gestaltung unterstützt unser Vorhaben am besten?"
Manche Vorhaben sind im traditionellen Nachmittagsunterricht nicht oder nur schlecht zu verwirklichen. Sie brauchen die Verknüpfung von Entdecken, Gestalten und Austausch. Oder die intensive Begegnung mit interessanten Menschen, die Wahrnehmung besonderer Orte. Und das dauert dann eben fünf oder sechs Stunden, mit einem gemeinsamen Mittagessen dazwischen.
Andererseits hängt die Nachhaltigkeit von Lerninhalten auch von einer gewissen Häufigkeit ab. Wenn sich die Konfis einmal in ihrer Konfirmandenzeit mit dem Abendmahl beschäftigen, werden wahrscheinlich nur sehr flüchtige Erinnerungen daran bleiben. Wiederum brauchen die wöchentlichen Begegnungen eine bestimmte Dynamik, damit die Lerninhalte am Ende nicht in einem Brei von Einzelstunden untergehen.
Das Grundmodell
Wegen der zunehmenden Mobilität der Familien – und dem besonderen Aufwand der Zweigleisigkeit von Präparanden- und Konfirmanden-Kurs für die Unterrichtenden – entscheiden sich momentan zunehmend mehr Gemeinden für ein einjähriges Grundmodell. Im Jahr 2004 war dies in 48 % von 1437 bayerischen Konfirmandengruppen der Fall – bei sehr großen regionalen Unterschieden. Während etwa die Gemeinden im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg zu 80 % das traditionelle Winterhalbjahr für Präparanden- und Konfirmandenunterricht nutzt, tun sie dies im Kirchenkreis Augsburg nur zu 20 %. Die allermeisten Konfirmandinnen und Konfirmanden werden hier in den Wochen um Pfingsten angemeldet und in der Osterzeit des darauf folgenden Jahres konfirmiert.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2001 (Hildrun Keßler/ Albrecht Döhnert (2002): Konfirmandenarbeit zwischen Tradition und Herausforderung. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung. In: Konfessionslos und religiös - gemeindepädagogische Perspektiven: Hrsg. von Götz Doyé/Hildrun Keßler, Leipzig, S. 29-56.) ergab zwar, dass die befragten Jugendlichen ihrer Konfirmandenzeit umso bessere Noten gaben, je länger diese dauerte. Aber diese Einschätzung kann auch mit der erlebten Intensität bzw. mit dem Stellenwert der Konfirmandenarbeit zusammenhängen, den die Jugendlichen bei den Unterrichtenden wahrnehmen. Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch die Frage, inwieweit sich etwa jugendliche Konfi-Teamer (die wahrscheinlich einen zusätzlichen "Spaß-Faktor" für die Konfis bedeuten) eher in einjährigen Grundmodellen kontinuierlich engagieren als in zweijährigen.
Ein gewichtiges Argument für das einjährige Modell ist die Begleitung der Jugendlichen über ein ganzes Kirchenjahr – mit Beginn und Abschluss in der österlichen Zeit. Gegenüber dem "Modell der zwei Hälften" – mit einem halben Jahr "Pause" dazwischen – spricht für dieses "Kompakt-Modell" auch die größere Kohärenz der einzelnen Treffen. (In manchen Gemeinden mit zweijährigem Grundmodell wird die Lücke zwischen Präparanden- und Konfirmandenzeit mit einzelnen erlebnisorientierten Angeboten in der Frühsommerzeit überbrückt.)
Unabhängig von diesem Kompakt-Modell ist natürlich die Überlegung, die späteren Konfis bereits in der 3. oder 4. Jahrgangsstufe – als "Vor-Konfirmanden" – einzuladen (KU 3/8). Wo sich diese Überlegung anbietet, sollte die erste Phase in erster Linie unter den Gesichtspunkten der Sozialisationsbegleitung und Elternintegration betrachtet und möglichst über die gemeindliche Jugendarbeit mit der zweiten Phase verbunden werden.
Übersicht
| Terminvorschlag | Inhalt |
|---|---|
| Zwischen Ostern und Pfingsten | Anmeldung |
| Kurz danach | Kennenlern-Nachmittag |
| Nach den Pfingstferien | Konfi-Wochenende |
| Ende September | Konfi-Tag "Kirchenraum" |
| evtl. Elternabend "Wir gehen in die Kirche" | |
| Oktober | Konfi-Tag "Gottesdienst" |
| Ende Oktober bis Anfang Dezember | Intensivphase "Gottesdienst" |
| Januar | Gemeindepraktikum |
| Februar/März | Konfi-Wochenende "Vorstellungsgottesdienst" |
| März | Gruppenphase "Vorstellungsgottesdienst" |
| April | Konfi-Tag "Mein Konfi-Spruch" |
| Abend mit Eltern "Konfirmation" | |
| Mai | Konfirmationsgottesdienst |
| Juni/Juli | Abschluss-Freizeit |
Anmeldung
Nach einer werbenden Einladung, die bereits auf die wichtigsten Kennzeichen des Konfi-Kurses hinweist, treffen sich die Unterrichtenden mit den Eltern und den neuen Konfis im Gemeindehaus. Da es an diesem Abend nicht nur um Informationen zur Organisation geht, sollten sich alle Beteiligten dafür mindestens zwei bis zweieinhalb Stunden Zeit nehmen. Der abschließende Gang in die Kirche macht einerseits auch mit diesem wichtigen Lernort vertraut und kann andererseits für die Eltern die Hemmschwelle senken, ihre Kinder dorthin zum Sonntagsgottesdienst zu begleiten. Eine kurze, aber stimmungsvolle Abschluss-Andacht stellt die Konfirmandenzeit von Anfang an in einen spirituellen Zusammenhang.
Kennenlern-Nachmittag
Nur in den seltensten Fällen werden sich alle Konfis gegenseitig kennen. Damit sich die Jugendlichen während des Konfi-Kurses trauen, immer wieder etwas von sich – von den eigenen Anschauungen und der eigenen Meinung – preiszugeben, reicht es nicht aus, dass die Unterrichtenden die Einzelnen namentlich kennen. Es ist viel Zeit notwendig, damit z.B. Hemmungen von Haupt- oder Förderschülern gegenüber Gymnasiasten oder Realschülern abgebaut werden. Der gewöhnliche "Unterricht" eignet sich dafür schon deshalb nicht, weil dort meistens Wissensunterschiede deutlich werden. Deshalb sollten sich die Unterrichtenden mindestens einen langen (Freitag-)Nachmittag lang für Spiele, Lagerfeuer, Nachtwanderung und dergleichen nehmen.
Konfi-Wochenende
Die intensivsten Kontakte können während eines gemeinsamen Wochenendes entstehen. (Dieses braucht wiederum als Vorlauf einen Kennenlern-Nachmittag wie oben beschrieben.) Ziel dieses Wochenendes ist es, die Beziehungen zwischen den einzelnen Konfis und zu den Unterrichtenden zu stärken, Grundregeln für das Miteinander zu erfahren und festzulegen sowie eine Einführung in die Bedeutung des Abendmahls zu erhalten. Das Letztere ist vor allem in den Gemeinden wesentlich, die ihre Konfis sinnvoller Weise schon während der Konfirmandenzeit zum Abendmahl einladen.
Kirchenraum-Erkundung
Die Konfis sollen während der Konfirmandenzeit in einer bestimmten Regelmäßigkeit an den Sonntagsgottesdiensten teilnehmen. Damit sie diese Stunden nicht einfach absitzen, reicht es nicht, ihnen an ein, zwei Nachmittagsstunden den Gottesdienstablauf zu vermitteln – und schon gar nicht, sie mittels verschiedener Weisen der Überprüfung in die Kirche zu zwingen. Dieser Konfi-Tag soll zuerst dabei helfen, dass die Jugendlichen eine Beziehung zum Gottesdienstraum bekommen.
s. auch unter Inhalte > Kirchenraum
Gottesdienst / Kasualien
Der sonntägliche Gottesdienst ist – trotz der bekannten Probleme – das niederschwelligste Angebot der Kirche: Niemand muss sich dazu anmelden. Niemand muss davor Angst haben, angesprochen zu werden. Und man kann selbst entscheiden, ob man eventuell eher geht, erst an Weihnachten wieder kommt oder gar nicht mehr. Diese prinzipielle Niederschwelligkeit ist einerseits natürlich ein Problem für die, die Gottesdienste liebevoll gestalten und dann diese Seite der "Freiheit eines Christenmenschen" erleben müssen. Andererseits lädt die offene Kirchentür (am Sonntagmorgen) immer wieder ein – auch die, die "lange nicht da waren".
Der Konfirmandenunterricht bietet die Chance, dass die Jugendlichen lernen, mit dem Gottesdienst buchstäblich "etwas anzufangen". Wer eingeladen wird, aktiv mitzufeiern, kann nach und nach in den einzelnen Gottesdienst-Elementen eigene Erfahrungen wieder finden und wegweisende Impulse für den eigenen Alltag erhalten.
(Eine Alternative zur Einführung in den Gottesdienst an einem Konfi-Tag bietet Jörg Garscha im – vergriffenen – konfernomal-Heft 65: Neun Wochen lang beginnen die wöchentlichen Konfi-Treffen an/in der Kirche und gehen nach und nach die unterschiedlichen Aspekte des Kirchenraums und des Gottesdienstes an. Erst danach dürfen die Konfis selbstständig am Sonntagsgottesdienst teilnehmen.)
Das Mitfeiern des Gemeindegottesdienstes muss eingeübt werden. Der Konfi-Tag bzw. die Einführung soll die Jugendlichen "über die Schwelle geleiten". In den wöchentlichen Treffs der anschließenden "Intensivphase" wird zum einen der Gottesdienst des vergangenen Sonntags bzw. die Erfahrungen anlässlich einer Kasualie besprochen. Zum anderen dient das Treffen der Gestaltung eines Teils des kommenden Gottesdienstes. Dafür eignen sich etwa Alternativen zum Introitus, Erarbeitungen des Evangeliums oder des Predigttextes, Darstellungen von Credo-Aussagen oder die Formulierung von Fürbitten.
s. auch unter Inhalte > Gottesdienst, Kasualien
Gemeindepraktikum
Wer die Konfirmandinnen und Konfirmanden "in die Gemeinde hineinkonfirmieren" will,
übersieht, dass die Konfis in der Regel schon vorher Teil der Gemeinde waren. (Eine andere Sicht würde die Bedeutung der Taufe als Aufnahme in die Gemeinde leugnen.) In der Volkskirche muss es auch möglich sein, als Gemeindemitglied geachtet zu werden, wenn man nicht in irgendeinem Kreis oder einer Gruppe engagiert ist. Das gilt auch für Konfis. Konfirmandenarbeit findet nicht zur Mitarbeiter-Rekrutierung, sondern um der Jugendlichen willen statt.
Trotzdem ist ein Gemeindepraktikum ein gutes Element in der Konfirmandenarbeit. Einerseits können die Jugendlichen ihre Vorstellungen davon zum Ausdruck bringen, wie Gott "nahe bei den Menschen" sein kann. Und andererseits können sie dann durch die Beteiligung an einzelnen gemeindlichen Angeboten ihre Vorstellungen mit Erfahrung füllen. Schließlich können ihre Rückmeldungen sogar für die Gemeinde und ihre Leitung von Bedeutung sein.
Nach einer Hinführung in der Gesamtgruppe treffen sich die einzelnen Praktikumsgruppen in den Wochen des Projekt-Zeitraums selbstständig. In kleineren Gruppen dürfte es kein unüberwindliches Problem darstellen, geeignete Termine zu finden.
s. auch unter Inhalte > Gemeinde, Diakonie
Vorstellungsgottesdienst
An diesem Tag geht es zunächst darum, ein gemeinsames Thema zu finden. Dann werden Arbeitsgruppen eingerichtet, die in den nächsten ca. fünf Wochen einen Aspekt des Gottesdienstes vorbereiten. (Interessante Modelle in: Jörg M. Reich (Hg.), Konfirmandinnen und Konfirmanden stellen sich vor. Gütersloh 2004)
Die jeweiligen Arbeitsgruppen treffen sich selbständig (mit einem Teamer), so oft wie nötig. Nach drei Wochen findet an einem Freitag-Nachmittag (oder Abend? mit den Eltern?) eine Zwischenbilanz statt: Wo hakt es? Worauf läuft euer Baustein hinaus? Was bedeutet das für die anderen? ...
Eine Woche vor dem Vorstellungsgottesdienst ist Generalprobe. Sie kann an einemFreitag-Nachmittag, an einem Samstag oder auch an einem Sonntag (!) sein.
"Mein Spruch fürs Leben"
Die Jugendlichen werden dazu eingeladen, sich auf sich zu besinnen und aus einem Repertoire von Konfirmandensprüchen den zu finden, der sie jetzt anspricht. Wenn sie den Kern dieses Bibelwortes für sich entdeckt haben, schließt sich die Gestaltung der Aussage für sie an. An Hand der fertigen Kunstwerke, die die Gruppe mit eigenen Gedanken noch „anreichert“, besteht die Möglichkeit, mit den Konfis in ein theologisches Gespräch zu kommen.
Die Gestaltungen selbst können auf geeignete Weise in einen „Gedenkschein“ eingearbeitet werden. Außerdem können sie in der Kirche oder im Gemeindehaus ausgestellt werden.
s. auch unter Inhalte > Konfirmationsspruch
Abschluss-Freizeit
Ideal wäre es, wenn sich ein ganzes Dekanat mit einem Jugendwerk zusammenschließen könnte, um eine ansprechende Konfirmierten-Freizeit durchzuführen. Dabei kann es ja durchaus auch einen Rückblick auf die Konfi-Zeit geben. Aber im großen und ganzen geht es darum, dass sich die Jugendlichen in einer Großgruppe Gleichaltriger erleben und die regionale Jugendarbeit kennen lernen. So ist die Konfirmation kein Punkt, sondern ein Doppelpunkt: Jetzt geht es in anderer Weise weiter.

