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Informationen zur Offenen Ganztagsschule
Kirche unterstützt die Entwicklung von Ganztagsschulen
Protestantismus und Bildung sind untrennbar miteinander verbunden. Von Anfang an verstand sich die Bewegung der Reformation auch als eine Bildungsbewegung. Die Wiederentdeckung des Evangeliums und Humanismus fließen zusammen. Das Bildungskonzept unserer Evang.-Luth. Kirche in Bayern aus dem Jahr 2004 nimmt diesen Traditionsstrang sehr bewusst wieder auf. In ihm wird betont, dass Bildung immer als ganzheitliche Persönlichkeitsbildung zu verstehen sei. Von daher ist es selbstverständlich, dass wir die Mitwirkung an gesellschaftlichen Bildungsprozessen als eine zentrale Aufgabe ansehen. Das gehört zum Profil unserer Kirche.
Unser Glaube – mit seinen Eckpunkten Gottebenbildlichkeit und Rechtfertigung – befreit Menschen von ihren Fixierungen auf sich selbst. Stattdessen stehen – vom eigenen begründeten Standpunkt herkommend – Toleranz und Offenheit für andere, Gemeinschaftsfähigkeit und die Bereitschaft zur Übernahme von sozialer Verantwortung im Mittelpunkt. Diesem – ja auch allgemein ethischen - Ansatz könne und müssen Schule, Erziehung und Bildung dienen. Umso mehr, als hier doch deutliche Defizite in unserer Gesellschaft wahrnehmbar sind.
Von daher begrüßen wir es, wenn in Bayern ein flächendeckendes, bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsschulen geschaffen wird und Ganztagsschulen konzeptionell sinnvoll weiterentwickelt werden. Wir halten das aus sozial- und bildungspolitischen, erzieherischen und pädagogischen Gründen für richtig. Das Anliegen der bayerischen Staatsregierung, die Ganztagsangebote konsequent und bedarfsgerecht auszubauen, sehen wir als einen sinnvollen Schritt auf dem Weg zur weiteren Entwicklung von Ganztagsschulen. Dass dabei natürlich der Elternwille – Ganztagsschule für unser Kind – Ja oder Nein? - berücksichtigt wird, muss nicht extra erwähnt werden.
Aus evangelischer Perspektive sind Ganztagsschulen keine nur verlängerten „Schulvormittage“ in den Nachmittag hinein, sondern qualitativ veränderte Schulen. Ganztagsschulen benötigen deshalb pädagogische Konzepte, die Anspannung und Entspannung, Eigeninitiativ- und gelenkte Vertiefungsphasen, Unterricht und gestaltete Freiräume aufeinander beziehen und Bildung in dem schon angesprochenen umfassenden Sinn vermitteln.
Zum Schuljahr 2009/2010 übernimmt nun der Freistaat Bayern an staatlichen Schulen für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 auch die Trägerschaft für die offene Ganztagsschule als schulische Veranstaltung.
In Zukunft entscheiden die Schulleitungen im Benehmen mit dem Sachaufwandsträger eigenverantwortlich über die Ausgestaltung der Bildungs- und Betreuungsangebote am Nachmittag und erarbeiten hierzu ein jeweils individuelles pädagogisches Konzept.
Offene Ganztagsschulen in privater oder kommunaler Trägerschaft stehen auch künftig in der Verantwortung des jeweiligen Schulträgers und können vom Freistaat Bayern weiterhin gefördert werden.
In den letzten Jahren haben wir uns als Kirche schon intensiv als Partnerin von offenen Ganztagsschulen im Bereich der Nachmittagsbetreuung engagiert. Die Evangelische Jugendsozialarbeit, Diakonische Werke und andere Einrichtungen und Anbieter aus dem Bereich unserer Kirche sind bereits seit längerem aktive, engagierte, verlässliche kompetenzorientierte Kooperationspartner.
Nähere Informationen dazu, best-practise-Beispiele und Checklisten für die ersten Schritte auf dem Weg als „Anbieter“ finden Sie auf den folgenden Seiten. Damit möchten wir Sie motivieren, selbst die Initiative zu ergreifen und gemäß unserer Tradition Bildungsträger zu werden. Ich wünsche Ihnen viele gute Ideen, Initiativkraft, Geschick und fortune bei der Umsetzung.
Mein Dank gilt an dieser Stelle der Arbeitsgruppe – stellvertretend für alle sei Initiator Dekan Günter Breitenbach genannt –, die sich hier engagiert hat und dem RPZ Heilsbronn, namentlich dem Referenten Gerhard Spangler.
Ihr
Detlev Bierbaum, Oberkirchenrat
Bekanntmachungen des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus
Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen

