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Bibel-Werkstatt: Arbeiten mit Stationen

 

Warum die Werkstatt-Methode?

"Die Lernenden sollen die Möglichkeit haben, sich ihren ganz persönlichen Möglichkeiten, Neigungen und Interessen entsprechend mit Inhalten auseinander zu setzen. Entscheidend ist der Prozess der Auseinandersetzung, der in handlungsorientierten Formen sehr viel intensiver, vielfältiger und anregender sein kann als in einer rein kognitiv gesteuerten Begegnung."

Gertrud Miederer, Lernwerkstatt im RPZ Heilsbronn

 

Die Werkstatt-Methode in der Übersicht

1. Eröffnungsphase

  • Einstimmung auf das Thema
  • Hinführung zum Thema
  • Problematisierung
  • Klärung der organisatorischen Vorgaben

2. Lern- und Arbeitsphase

  • Die Schüler/innen beschäftigen sich mit unterschiedlichen Lernangeboten nach ihrer Wahl

3. Abschlussphase

  • Erfahrungsaustausch
  • Zusammenschau
  • Besinnung
  • ...

 

Erläuterungen zu den Arbeitsphasen

0. Vorbereitung

Die Lehrkraft bereitet - vielleicht gemeinsam mit interessierten Kolleg/innen - die Lernangebote vor. Dabei werden zunächst die Aspekte des Themas geklärt:

  • Welche Intentionen gibt der Lehrplan vor?
  • Welche Zielsetzungen und Inhalte sind den Unterrichtenden persönlich wichtig?
  • Welchen persönlichen Zugang können die Kinder zum Thema gewinnen? (Angst - Vertrauen; Krieg - Frieden; Hoffnung, ...)
  • Welche Überlegungen oder Erkenntnisse könnten angebahnt werden?

Die Lernangebote sollen Denken, Fühlen und Tun der Schülerinnen und Schüler in ausgewogener Weise anregen, fordern und fördern. Inzwischen stehen eine ganze Reihe von Arbeitsvorschlägen online zur Verfügung.

1. Eröffnungsphase

In der Eröffnungsphase führt die Lehrkraft die Lerngruppe in das Thema ein und regt zu einer ersten Auseinandersetzung an. Diese Phase ist von großer Bedeutung, denn damit wird die Grundlage für die individuelle Arbeit an den Lernstationen gelegt. Deshalb sollte hier die Möglichkeit einer affektiven Begegnung mit dem Thema geschaffen werden.
Der Inhalt kann dabei durchaus so angelegt sein, dass er kontroverse Reaktionen weckt. Die unterschiedlichen Lernangebote in der nächsten Phase bieten ja den Raum, solchen Reaktionen nachzugehen und weiter daran zu arbeiten.

Methodische Möglichkeiten sind z.B. die Erzählung, gemeinsame Betrachtung eines Bildes oder Gegenstandes, Unterrichtsgespräch, usw.

Eine kurze Vorstellung der Arbeitsangebote und das gemeinsame Besprechen der organisatorischen Vorgaben gehört ebenfalls in diese Phase. Geklärt werden sollte:

  • Welche Materialien und Schreibutensilien werden gebraucht?
  • Arbeitszeit: Zu welcher Uhrzeit wird mit dem Aufräumen begonnen?
  • Wieviele Stunden kann an den Stationen gearbeitet werden?
  • Sozialform: Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit? Oder kann die Sozialform frei gewählt werden?
  • Wo wird das Arbeitsmaterial von Stunde zu Stunde aufbewahrt?
  • Was geschieht mit den Arbeitsergebnissen?
  • Beispiel: Vorlage "Regeln für die Arbeit an Stationen" (pdf-Datei)

Um Material/Werkzeug zusammen zu tragen, kann durchaus auf die Ressourcen der Schüler/innen zurückgegriffen werden. So kann man in der Vorstunde eine Materialliste (Folie) gemeinsam durchgehen und überlegen, wer was mitbringt:

  • Bibeln
  • Gesangbücher
  • Konkordanz

zum Schreiben, Gestalten etc.:

  • Papier, Buntpapier, leichter Karton, Pappe,... in verschiedenen Farben
  • Farbstifte, Wachsmalkreiden usw.
  • Schere
  • Lineal
  • Klebstoff, Tesa, ggf. Tacker...
  • Schnur, Bänder, ggf. Stoffreste,...
  • ggf. sonstige Natur- und Bastelmaterialien

Es ist nicht entscheidend, dass eine möglichst große Menge an Materialien zur Verfügung steht. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, die eigenen Ideen umzusetzen, wird man oft erstaunlich findig!

2. Lern- und Arbeitsphase

Die Schülerinnen und Schüler wählen aus dem Angebot an Stationen frei aus. Sie bearbeiten selbständig die gewählten Aufgaben.

Bei der Werkstatt "Siehe, ich sende einen Engel vor dir her" wird dafür z.B. folgendes Vorgehen empfohlen: Die Lehrkraft informiertüber die Hauptthemenbereiche, zu denen es Arbeitsvorschläge gibt. Sie legt Themenkärtchen aus mit kurzen Benennungen der Stationen. Die Jungen und Mädchen überlegen, welche Aussage oder Frage zu ihren augenblicklichen Gedanken passt. Die Ziffern auf dem Themenkärtchen führen zu den Stationenangeboten.
Wenn die Jugendlichen "ihr" Thema gefunden haben, bekommen sie die entsprechende Stationenkarte mit den Arbeitsvorschlägen.
Die Zuordnung könnte auch durch Bilder o.Ä. erfolgen. Wichtig ist, dass an die Schüler/innen ihren eigenen Fragestellungen nachgehen können. Deshalb sind sie auch eingeladen, die Arbeitsanregungen so zu variieren, dass sie ihren Interessen entgegenkommen.

Die Lehrkraft lässt den Schülerinnen und Schülern ihren Freiraum. Sie gibt, wenn nötig, Unterstützung, und sorgt für eine angemessene, angenehme Arbeitsatmosphäre, in der sich die Ideen und Vorhaben entfalten können.

Ein gemeinsamer Stundenbeginn bzw. -abschluss, z.B. mit einem Gesprächskreis, einem gemeinsamen Lied, einer kurzen Hinführung rücken in dieser Phase der Einzelarbeit die Lerngemeinschaft immer wieder ins Bewusstsein.

Besonders geeignet für diese Art von Arbeit sind Doppelstunden. Bei 45-Minuten-Stunden empfiehlt sich ein kurzer, gemeinsamer Beginn, z. B. Lied und Rückfrage, ob alle wissen, was sie in dieser Stunde machen werden. Die Lehrkraft kann anschließend ggf. unterstützen bei der Wahl der neuen Arbeitsaufgabe.

Der gemeinsame Abschluss kann z.B. so gestaltet werden:
In der Mitte liegen die aufgeschlagenen Hefte, Arbeitsergebnisse, ... Die Schülerinnen und Schüler berichten: "Ich habe heute entdeckt ..." - So eine Runde kann Lust machen, das nächste Mal auch an einer Station zu arbeiten, die andere inspiriert hat. - Achtung: nur kurz berichten - es muss nicht alles allen vorgestellt werden!


Blick in ein Klassenzimmer: Stationenarbeit ist auch ohne viel Aufwand möglich.
Die Materialien haben die Schüler/innen selbst mitgebracht, ebenso das
Bastelwerkzeug. (Klassengröße insgesamt: 33...!)

3. Abschlussphase

Nach der intensiven individuellen Arbeit an den Stationen ist es wichtig, die Ergebnisse wieder in die Lerngemeinschaft zu tragen und die vielfältigen Arten der Auseinandersetzung mit dem Thema wahrzunehmen.

Das kann geschehen, indem die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse vorstellen und über ihre Gedanken und Erfahrungen berichten. Auch die Reflexion über Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander, die Art und Weise des Umgang miteinander ist für die Lerngemeinschaft förderlich. In dieser Phase können wichtige Rückmeldungen gegeben werden, die für die Unterrichtenden hilfreich sein können.

Beispiel für das Vorgehen:
"Du hast in den letzten Stunden über das Thema ... nachgedacht. Gibt es etwas, was für dich bei deiner Arbeit in den letzten Stunden besonders wichtig war?" Die Schülerinnen und Schüler sehen noch einmal ihr Heft bzw. ihre Arbeitsergebnisse an. Auf eine Karte zeichnen sie ein Bild oder schreiben einen Begriff für einen besonders wichtigen Gedanken. Die Gedanken werden kurz benannt und auf einem Plakat zusammen getragen.
Achtung: Es muss nicht alles beschrieben und vorgestellt werden - wichtig sind nicht die Arbeitsergebnisse, sondern die Erkenntnisse, die die Jungen und Mädchen durch die Auseinandersetzung mit ihrem Thema und im gemeinsamen Austausch gewonnen haben.

In der gemeinsamen Zusammenschau werden wichtige Erkenntnisse noch einmal deutlich. Eine von der Lehrkraft geleitete Besinnung auf der Basis dieser Erkenntnisse, durchaus auch mit Beiträgen der Schülerinnen und Schüler, sorgt für die Vertiefung und Abrundung.

Eine kleine Ausstellung kann die Erinnerung an dieses Arbeit noch längere Zeit im Bewusstsein halten und Stolz auf die Arbeit der Lerngruppe wecken.

 

So verwenden Sie die Werkstatt-Methode

In festgelegten Stunden innerhalb der Woche

Diese Form eignet sich gut, um Schüler/innen neben dem herkömmlichen lehrergesteuerten Unterricht Freiräume zu eröffnen und dabei elementare Arbeitsweisen, -techniken und -haltungen, zu schulen (Informationsbeschaffung, Umgang mit Arbeitsanregungen, selbstständige Planung, Durchführung und Kontrolle, Präsentation, Dokumentation einer Arbeit, helfen und Hilfe anfordern, aufräumen, ...)

Geeignet für:

  • übergreifende Themen, z.B. Zeit und Umwelt Jesu, die Bibel als Lebenslernbuch, Nomadenleben,...
  • zur Sicherung und Vertiefung bereits behandelter Inhalte

Es ist günstig, diese Stunden mit einem Gesprächskreis zu beginnen ("Ich nehme mir für heute vor, ..." - "Heute möchte ich,..." - "Ich bin gespannt, ..." - "Mein Ziel für heute ist, ...") und mit einem Gesprächskreis zu beenden ("Ich habe heute entdeckt/gelernt, ..." - "Ich muss euch unbedingt erzählen, ..." - "Es war schwierig, ..." "Es war spannend, ..." - "Ich habe mich geärgert, ...").
Der Arbeitsprozess gewinnt dadurch an Zielorientierung und Ernsthaftigkeit, Rückmeldungen der Lernenden zum Verlauf der Arbeitsphase sind dabei sowohl für die Mitschüler/innen als auch für die Lehrkraft aufschlussreich.

Im Anschluss an einen Themenbereich zur individuellen Vertiefung

Auch diese Form erscheint am Anfang günstig, weil über den lehrergesteuerten Un-terricht eine gute Grundlage sowohl im Hinblick auf die Inhalte als auch auf die Arbeitsweisen, geschaffen werden kann und die Jungen und Mädchen dann auf dieser Basis Möglichkeiten erhalten, individuell und Interessen geleitet zu vertiefen.

Im lehrergesteuerten Unterricht wird z.B. eine Geschichte unter Berücksichtigung und deutlicher Akzentuierung wichtiger Erschließungsaspekte (Angst - Vertrauen, Hoffnung, Gemeinschaft, Umgang mit Macht ...) erzählt, dabei aber, um Zeit für die individuelle Vertiefungsarbeit zu gewinnen, methodisch nicht ganz so vielfältig wie vielleicht gewohnt aufbereitet.

Im Anschluss an einen zusammenfassenden Überblick über die gesamte Geschichte erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, individuell zu vertiefen: Möchte ich noch mal in der Bibel nachlesen? Möchte ich mir ein Büchlein gestalten? Möchte ich ein Lernspiel spielen/selbst entwerfen? ... Für diese Phase stellt die Lehrkraft Arbeitsanregungen und wenn nötig Rohmaterial an verschiedenen Stationen zur Verfügung.

In epochaler Form zur selbstständigen Erarbeitung eines (von der Gruppe gewählten) Themas

Geübtere Jugendliche sind in der Lage, sich ein Thema in selbst bestimmter Form mit Hilfe geeigneter Arbeitsanregungen selbst zu erschließen.
Zunächst eignen sich dafür eher Themen, die überwiegend im Wissensbereich ange-siedelt sind (Kenntnisse über andere Religionen, kirchengeschichtliche Themen, ...). Bei entsprechender Gestaltung der Arbeitsanregungen gelingt es den Heranwachsenden durchaus sich vertiefend und wertend mit einer Thematik auseinanderzusetzen.
Ergänzende gemeinsame Rundgespräche, Besinnungen, ausgewählte Geschichten und Meditationen können zusätzlich vertiefende Impulse bieten.

In Projekten und projektorientierten Lernformen

Die Hochform selbst bestimmten Arbeitens gelingt in Projekten und projektorientierten Arbeitsformen, die eine gemeinsame Festlegung eines Projektzieles, die Planung, die Durchführung und Realisierung fordern. Schülergruppen bearbeiten als "Experten" einen Teilbereich der Thematik und bringen sich so, ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechend, für die Verwirklichung des gemeinsamen Zieles ein. Wichtiger als ein "sehr schönes" Produkt ist dabei ein Prozess, der viele Möglichkeiten fachlichen und sozialen Lernens bietet.

 

Unterrichtsentwürfe zur Werkstatt-Methode

Die vorliegenden Unterrichtsentwürfe und Stationen sind zu bestimmten Lehrplanthemen konzipiert, können aber durchaus in höheren und oft auch in niedrigeren Klassenstufen verwendet werden

Julia Born

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