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Lernen durch Lehren (LdL)

 

Ein erfolgreiches Experiment wird fortgesetzt - Ausweitung des Versuches im RU (Jahrgangsstufen 8-10)

 

Ausgangssituation und Vorbereitungen für LdL

Nachdem die Einführung von LdL im Religionsunterricht im letzten Jahr im 9. Jahrgang ein voller Erfolg gewesen war, wollte ich im Schuljahr 98/99 den Versuch fortführen. Ich entschied mich für die Klassenstufen 8, 9 und 10.
Zunächst suchte ich Lehrplanthemen heraus, mit denen sich die Jugendlichen inhaltlich bereits beschäftigt hatten, z.B. "Luther und die Reformation" im 8. Jahrgang (Geschichte, 8. Jg.) und "Hinduismus - Buddhismus" im 9. Jahrgang (Erdkunde, 8. Jg.). Ich ging davon aus, dass die Einarbeitung dann einfacher wäre. Außerdem reagieren die Klassen z.B. beim Lehrplanthema "Luther und die Reformation" oft  frustriert: "Das haben wir doch schon in Geschichte ..." Durch eine neue Methode wollte ich hier einen neuen Zugang öffnen.
Dann teilte ich die Lehrplanthemen auf, z.B. "Hinduismus - Buddhismus" in 10 einzelne Stundenthemen (pdf-Datei). Diese Liste kopierte ich auf Folie. Zu jedem Einzelthema legte ich eine Materialmappe an mit Tafelbildern, Zeitungsartikeln, Kopien aus Schulbüchern, Arbeitsblätter etc. aus meinem Archiv.

Einführung von LdL in der Klasse - Vorbereitung der Themen

a) Wahl des Themas

Ich stellte LdL in den Klassen kurz vor und fragte, ob die Jugendlichen Lust hätten, diese Methode auszuprobieren. Teilweise war vom letzten Schuljahr auch schon Positives weitergegeben worden. Alle Klassen waren interessiert und einverstanden. Insgesamt waren es 7 Klassen, die teilnahmen, zum Teil also Parallelklassen.
Ich erläuterte anhand meiner Folie Gesamtthema und Einzelthemen. Die Schülerinnen und Schüler trugen sich zu zweit, in Ausnahmefällen auch zu dritt für ein Thema ein. Stunden, für die sich kein Team fand, übernahm ich.

b) Einarbeitung in den Stoff

Die Jungen und Mädchen bekamen die Materialmappe ausgehändigt mit dem Hinweis, sich auch aus anderen Quellen wie z.B. dem Geschichtsunterricht ergänzendes Material zu besorgen, und machten sich zunächst ein bis zwei Stunden inhaltlich mit ihrem Thema vertraut. Diese Aneignung des Stoffes kostet - je nach Thema und Interesse - durchaus Mühe. Die meisten Teams machten sich von Anfang an mit Eifer an die Arbeit, exzerpierten, kopierten sich bestimmte wichtige Texte, teilten z.B. bestimmte Schwerpunkte unter sich auf.  Bei einzelnen Teams dauerte es etwas - und brauchte vielleicht auch etwas Zeitdruck, bis sie den Einstieg fanden. Am Stundenende wurden die Materialmappen mit den Arbeitsergebnissen jeweils wieder zusammengepackt, denn ich brauchte sie für die Parallelklasse/n.

c) Planung der Einheit

Dann gab ich eine kurze Einführung in die Planung einer Unterrichtsstunde. Ich wählte dafür die einfache Dreierstruktur:
- Begegnung mit dem Thema
- Erarbeitung des Themas/Umgang mit dem Stoff
- Sicherung des Lernstoffes
Ich machte deutlich, dass der Stundenablauf mit Zeitvorgaben, den einzelnen Schritten, Leitfragen, Tafelanschrift sowie der Medieneinsatz geplant werden müssen - z.B. in einer Tabelle angeordnet.  Anhand eines einfachen Beispiels wurde das erläutert.
Ein Bewertungsschema (pdf-Datei), das ich zur Notenbildung heranzog, zeigte noch einmal, was besonders wichtig war. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich dies Schema als Plakat im Unterrichtsraum aufgehängt, damit es bei der Vorbereitung vor Augen gewesen wäre.
Nun bekamen die die Schülerinnen und Schüler etwa zwei Stunden Zeit, um ihr Thema entsprechend aufzubereiten.
Dabei ergaben sich interessante Gespräche, z.B. darüber, wie man ein bestimmtes Thema interessant gestalten könnte, was inhaltlich besonders wichtig sein könnte, welcher Einstieg gut wäre. Ich überlegte mit, beriet, gestaltete Arbeitsblätter nach Schülerwünschen neu, kopierte Folien, vergrößerte Bilder usw. usf. Alles Vorbereitete wurde in der Materialmappe abgelegt, so dass es zum entsprechenden Zeitpunkt zur Verfügung stand. Es gab auch Teams, die deutlich machten, dass sie für sich allein arbeiten und mich und die anderen mit ihrer Stunde überraschen wollten. Das respektierte ich natürlich auch - und war schon gespannt darauf.

 

Durchführung von LdL im Unterricht

Zu einem angekündigten Termin begann das erste Team mit seiner Stunde. Es war jedesmal interessant und spannend zu sehen, wie das jeweilige Thema aufgezogen wurde - nicht nur für mich, auch die Mitschülerinnen und Mitschüler waren neugierig und aufmerksam. So gab es selbst bei unruhigeren Klassen bzw. bei weniger motivierenden Stundenthemen kaum Probleme, unter Umständen war einmal eine Ermahnung nötig.
Da wir entsprechend der Liste vorgingen, war jeder Gruppe klar, wann sie an der Reihe war. Kopien, Folien, Medien mussten pünktlich vorbereitet sein, Schulbücher oder der Videorecorder geholt werden usw.  Das mit meiner Hilfe zu organisieren, lag in der Verantwortung des jeweiligen Teams.
Es gab einzelne Ausfälle wegen Krankheit. Dann wurde die nächste Gruppe vorgezogen - das war kein Problem, da ja alles weitgehend vorbereitet und in der Materialmappe abgelegt war - oder es musste improvisiert werden.
Die Schülerinnen und Schüler haben sich fast durchweg große Mühe gegeben. Wenn die Zeit es zuließ, besprach ich am Ende der Stunde, wieweit die einzelnen Kriterien erfüllt worden waren. Die endgültige Note gab es in der Folgestunde: Die häufigste Note war "gut", denn , daneben gab es einige Einser und vereinzelte Vierer als schlechteste Note.

 

Auswertung

In diesem Jahr war LdL kein Sonderfall mehr im Religionsunterricht, sondern ausgeweitet und in den Schulalltag eingebunden. Der Glanz des Neuen, Außergewöhnlichen fiel damit weg und die Methode musste sich im Alltag bewähren - und das hat sie! Es gilt nach wie vor, was die Jugendlichen letztes Jahr zusammengestellt haben. Besonders positiv sind für mich außerdem folgende Beobachtungen:

  • LdL eröffnet den Schülerinnen und Schülern ein neues Handlungsfeld, das sie aktiv und selbständig gestalten können - und die meisten Jugendlichen nehmen das gerne an. Ihnen ist deutlich, dass sie dadurch an Wissen und Kompetenzen gewinnen.

  • Die Schülerinnen und Schüler nehmen sich durch LdL in ihrer Individualität gegenseitig viel stärker wahr. Wer sich im normalerweise unauffällig verhält und kaum in Erscheinung tritt, muss jetzt aktiv den Unterricht gestalten, mit den anderen in Kontakt treten, Inhalte vortragen und sich "zeigen". Das fällt manchen gerade in der Pubertät schwer, ist aber eine wichtige Herausforderung. Andere genießen es geradezu, im Rampenlicht zu stehen, und können so endlich ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit befriedigen.

  • Die Jugendlichen engagierten sich erfreulich für ihre Stunde. Nicht wenige trafen sich auch außerhalb des Unterrichts, um gemeinsam ihre Vorbereitungen durchzugehen. Andere bereiteten zu Hause am Computer Folien, Arbeitsblätter oder Rätsel vor. Es wurden Ausschnitte von eigenen Videomitschnitten gezeigt, Lückentexte entworfen, Rollenspiele initiiert und und und

  • Jugendliche und Lehrkraft stehen damit der Aufgabe zu lehren partnerschaftlich gegenüber. Sich gemeinsam über eine besonders schöne farbige Folie, ein gelungenes Arbeitsblatt, einen erfolgreichen Einstieg zu freuen - das sind Highlights im Schulalltag.

  • Last not least: Solche Unterrichtsstunden beginnen für die Jugendliche und die Lehrkraft mit Neugier, weil sie von verschiedenen Personen gestaltet werden. Und es gibt jede Menge neue Anregungen - teilweise wäre ich auf manche Ideen nie gekommen und nehme sie dankbar mit!

Bei einem Nachgespräch erkundigte ich mich, ob die Schülerinnen und Schüler mit dieser Methode wieder arbeiten wollten. Bis auf einzelne Ausnahmen - die sich zum Teil ihrem Temperament entsprechend in einer rezeptiven Haltung wohler fühlten - waren alle dafür.  Ich kann mir gut vorstellen,  in jedem Schuljahr eine solche Runde durchzuführen, so dass alle Schülerinnen und Schüler von der 8. bis zur 10. Klasse einmal im Jahr an die Reihe kommen.
Kurz gesagt: Sehr empfehlenswert!

 

Fragen?

  • Konzeptionelles und theoretische Überlegungen werden auf den Seiten www.ldl.de genauer erläutert.

Julia Born

 

 

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