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Mit Schülern im Netz - und was soll ich da jetzt?

 

Matthias Lau unterrichtet an einem Münchner Gymnasium.
Seine Überlegungen, wie sich das Internet im RU nutzen lässt, sind auch für andere Schularten hilfreich!

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dies soll keine theoretische Abhandlung sein, sondern ein Anreiz, mit dem Medium Internet zu experimentieren.
Auf meinem eigenen Weg zu diesem Medium hatte und habe ich immer wieder einige Hindernisse zu überwinden. Zum einen natürlich die Angst vor der Technik, zum anderen die Vorbehalte gegenüber dem Internet im Allgemeinen und vielen Inhalten im Besonderen. Mittlerweile habe ich aber immer wieder bereichernde Erfahrungen gemacht, und die möchte ich hier gerne weitergeben.

 

1. Wie kann ich das Medium nutzen

1.1. Eine Seite besuchen

Je nach Alter und Lehrplanbezug kann ich mich mit einer Klasse in eine Seite einwählen und das dortige Angebot nutzen. Beispiel: www.ekd.de > interaktiv, dort gibt es interaktive Spiele z.B. zu Paulus, Luther usw., die ich die Schüler/innen spielen lassen kann.

Oder: 11. Klasse, Thema "Kirche": ich nehme den Fragebogen aus der GPM-Themenfolge 108 über "Kirche in Zahlen" (U4/A Mat 1, S. 1) und lasse die Schüler/innen die nötigen Informationen auf der ekd-Seite (s.o.) selbständig suchen.

1.2. Teilgeleitetes Surfen

Ich gebe mehrere Internetadressen und ein Fragenraster vor. Die Schüler/innen suchen die notwendigen Informationen aus den Adressen selbständig zusammen.

Variante: Wir erarbeiten vorher die Fragestellung gemeinsam (z.B. "Was wollt ihr denn über Sekten überhaupt wissen?")

1.3. Freies Suchen

Nur das Thema ist vorgegeben, Schüler/innen sammeln eigene Eindrücke und Informationen völlig selbstständig z.B. mit Hilfe von Suchmaschinen.

Beispiel: 11. Klasse: "Evangelisch-Katholisch":
Fragestellung: Wie präsentieren sich die beiden großen Kirchen im Internet?
Vergleich z.B. von www.muenchen-evangelisch.de mit www.erzbistum-muenchen.de und/oder den jeweiligen eigenen Ortsgemeinden.
Dieses freie Surfen ist sicher eher für Oberstufe und Internet-Erfahrene geeignet.

 

2. Woran sollte ich dabei denken?

  • Wie bei anderen Medien auch, gebe ich natürlich nur Seiten an, die ich vorher selber gesehen habe. Bei komplexen Seiten ist das nicht vollständig möglich, aber wenigstens einen Eindruck sollte ich haben, von dem die Seite stammt, wer dahinter steckt, wie die Qualität ist usw. Beim "freien Surfen" geht das natürlich nicht, da wird die Aufgabe der Begleitung im Prozess um so wichtiger.

  • Natürlich ist es wichtig, dass die Schüler/innen nicht "sonst wo" surfen. Ich gehe also durch die Reihen oder beobachte mit dem Monitor, wo sie gerade sind. Das bietet vielfältige Gelegenheit zu interessanten Gesprächen über die gefundenen Seiten.

  • Bei allen Varianten können Schüler/innen alleine oder in kleinen Gruppen (max. zu dritt) an einem Computer arbeiten. Dabei ist natürlich auf unterschiedliche Vorkenntnisse zu achten. Ggf. lernen die Unerfahreneren von den "Könnern" gleich noch ein wenig Computertechnik mit. So kann u.U. gleichzeitig Teamfähigkeit eingeübt und gefördert werden.

  • In jedem Fall ist die anschließende Stunde für die Ertragssicherung da. Das kann in Form eines Abgleichs der Antworten auf den Fragebögen geschehen oder als kleine Kurzreferate (auf die man sogar Noten geben kann...)

  • Egal, wie das Thema lautet, immer ist die Metaebene mit zu bedenken: Wer steckt hinter der Seite? Welche Interessen sind damit verbunden? Was davon ist offen, was muss man sich erst erschließen? Wie ist die Qualität der dargebotenen Information zu beurteilen?

  • Damit sind viele Möglichkeiten zu fächerübergreifenden Projekten eröffnet, die hier auch nur angedeutet werden können: Zusammenarbeit des RU - mit Deutsch: Sprache im Internet, Ideologie und Information usw. - mit Kunst: Ästhetische Qualität der Internet-seiten - mit Erdkunden z.B. bei Fremdreligionen - mit Biologie z.B. bei Drogen usw. · Man braucht immer mehr Zeit als man gedacht hat...

 

3. Was kann dabei herauskommen?

3.1. Für die Schüler/innen

Zitat aus einer Internet-Arbeit über Judentum: "Hey, gib dir das mal, 1933 waren 9000 Juden in München, und 1945 noch 84". Als selbständig gemachte Entdeckung ist so etwas sicher nachhaltiger und eindrucksvoller als jedes Hinweisen und Belehren meinerseits. Mit anderen Worten: Im Internet arbeiten Schüler/innen

  • in ihrem eigenen Tempo
  • nach ihren jeweiligen momentanen Interessenschwerpunkten
  • selbstbestimmt und somit
  • motivierter

Im Moment ist natürlich auch das Medium selbst noch ein eigener Motivationsfaktor. Das wird sich aber im Laufe der nächsten Jahre "abschleifen".

3.2. Für die Lehrer/innen

Der Internet-Einsatz verändert den Lernprozess und damit die Rolle des Lehrers und der Lehrerin weitgehend. Ob und inwiefern dies erwünscht ist, muss jede/r selbst entscheiden. In welche Richtung dies gehen kann, kann ich hier auch nur knapp andeuten:
In der Internet-Stunde ist der/die Unterrichtende vom Druck der eigentlichen Informations- oder "Stoff"-vermittlung entlastet. Die Information entnimmt der Schüler, die Schülerin ja - mehr oder weniger - frei und selbständig aus dem Netz.
Um so wichtiger werden andere Aufgaben:

  • Technische Unterstützung: Anleitung zum Umgang mit dem Medium auf der technischen Ebene: wie funktioniert der Browser? Welche Recherche-Möglichkeiten gibt es noch?... (allerdings kann sich hier das Lehrer-Schüler-Verhältnis auch leicht umkehren - ist ja auch kein Schaden, wenn die Schülerin sich mal als kompetenter erlebt als der Lehrer...)

  • u.U. Moderation der Kleingruppenarbeit: Sind alle gleichmäßig beteiligt? Wie kann die Kompetenz der "Könner" für alle fruchtbar werden? Dieser Aspekt der Arbeit kann ein gutes Training für soziale Kompetenz werden.

  • Begleitung der Entdeckungen (vgl. 3.1.), auch Verarbeitung von möglicherweise problematischen Seiten. Natürlich gibt es die, und natürlich können Schüler/innen die v.a. beim freien Surfen entdecken. Mir ist es aber lieber, sie finden z.B. eine Seite, auf der Drogen verharmlost werden, in meinem Unterricht und ich kann dazu Stellung nehmen oder zur kritischen Wertung dieser "Information" anleiten, als sie finden so etwas allein daheim. Deshalb schließlich die wichtigste Aufgabe:

  • Medienkritik! Anleitung zur kritischen Evaluation der dargebotenen Informationen, und damit natürlich Einübung in eine m.E. heute wesentliche "Kulturtechnik". (vgl. 2. zu "Metaebene")

 

4. Zum Schluss:

Keine Panik: das Internet wird uns Lehrerinnen und Lehrer nicht ersetzen. Aber es kann unsere Methodenvielfalt ergänzen:

  • Als ein Medium neben den herkömmlichen Bild- und Tonmedien wie Dia, Video, Folie, Tonband

  • Als eine Methode neben den herkömmlichen und eher in der Nähe der neuen, schüleraktivierenden Methoden wie Freiarbeit, Lernzirkel usw.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Experimentieren!
Matthias Lau (E-Mail)

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