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10.1 Die Frage nach Gott
Lehrplan
EvR 10.1 Die Frage nach Gott
Die Jugendlichen erfahren, dass man sich Gott auf unterschiedlichen Wegen nähern kann. Beispiele verdeutlichen, dass Gottesvorstellungen auch einem Wandel unterworfen sind. Anhand dieser Beispiele und den Herausforderungen, die sich durch die Aufklärung ergeben, erkennen die Heranwachsenden, wie schwierig es ist, Antworten auf die Frage nach Gott zu finden. Sie erfahren, wie Menschen heute verantwortlich von Gott sprechen, und finden Unterstützung bei der Suche nach einer eigenen Position.
Gott im eigenen Leben:
Erfahrungen, Gottesvorstellungen im Wandel, z. B. anhand von Kindergebeten, Zweifel und Vertrauen
Verschiedene Antworten auf die Frage nach Gott
- Gottesvorstellungen in der Bibel, dazu auch 2. Mose 20,4
- christliche Gottesvorstellungen in verschiedenen Epochen oder Gottesvorstellungen in verschiedenen Religionen
Streit um den Gottesglauben:
die Aufklärung und die Folgen, Glaube und Naturwissenschaft, z.B. anhand der biblischen Schöpfungsgeschichten
Verantwortlich von Gott sprechen: Dreieinigkeit Gottes, Rechtfertigungslehre als Annäherungsversuche, evangelischer Glaube heute
Vorschläge zur ganzheitlichen Unterrichtsgestaltung
- Plakatwand gestalten: Gedanken, Sprüche, Bilder, Meinungen zu Gott
- sich mit Gottesbildern in bildender Kunst und Literatur auseinander setzen
- Interviews zu Gottesvorstellungen von Menschen verschiedener Altersstufen
- "Gottseidank" - Gott in der Alltagssprache entdecken
- unterschiedliche Formen sich Gott zu nähern: Namen finden, mit denen Gott angesprochen werden kann; Brief an Gott formulieren; verschiedene Gottesdienstformen
- Gottes Name "Ich bin da": kreatives Schreiben bzw. meditative Übung dazu
Grundwissen: Die Schüler gewinnen eine offene Einstellung gegenüber der Frage nach Gott. Sie wissen von der Vielfalt des Sprechens von Gott auch in der christlichen Tradition, wie sie sich in der Dreieinigkeit Gottes und dem Leben aus der Rechtfertigung ausdrückt, und haben die Fähigkeit, angemessen mit der Frage nach Gott umzugehen.
vgl. auch:
Lehrplan HS: EvR 10.1; 10.5 - RK 10.2; 10.3
Stundenübersicht: Mögliche Gliederung
1./2. Stunde: Hinführung
LZ/Inhalte:
- über die eigenen Gottesvorstellungen nachdenken
- sich an Gottesvorstellungen erinnern, die man als Kind hatte
- erkennen, dass persönliche Gottesvorstellungen einem Wandel unterliegen
- von Gottesvorstellungen anderer erfahren und sich mit ihnen austauschen
Ideen zur Durchführung:
- Interviews mit Menschen verschiedener Altersstufen: Gott - Erfahrungen, Fragen, Meinungen; mit den Ergebnissen Präsentation gestalten
- unterschiedliche Gottesvorstellungen in Kindergebeten
- Stationenarbeit: Gottesvorstellungen, Gottesbilder, Gedanken und Fragen zu Gott
- Plakatwand gestalten: Gedanken, Sprüche, Bilder, Meinungen zu Gott
- Impulse gewinnen durch Gottesbilder aus der bildenden Kunst und Literatur
3./4. Stunde: Etwas über Gott erfahren
LZ/Inhalte:
- Gottesvorstellungen der Bibel kennen lernen
- erkennen, dass Menschen in der Bibel unterschiedlich von Gott sprechen und auch diese Gottesvorstellungen einem Wandel unterliegen
- nachdenken, dass es Bereiche gibt, die außerhalb der für uns erfassbaren Wirklichkeit liegen
- erkennen, dass unser Sprechen von Gott nur Versuch einer Annäherung sein kann
Ideen zur Durchführung:
- Bibelstellen über Gott auswerten
- christliche Gottesbilder in verschiedenen Epochen wahrnehmen, z.B. anhand von künstlerischen Darstellungen, Bildern oder Texten
- über unterschiedliche Gottesbilder und Wandel im Gottesbild ins Gespräch kommen
- Nachdenken: Wie kann man von Gott verantwortlich sprechen?
Über die Persönlichkeit eines Menschen zu sprechen und Abschätzungen über seine künftige Entwicklung abzugeben, ist problematisch. Die Schüler/innen kennen Beispiele, dass Lehrkräfte mit ihren Beurteilungen nicht Recht haben. Wer weiß, was alles in einem Menschen steckt? Es ist da, aber man kann es nicht wissen, nur vielleicht ahnen.
Gott ist für uns noch viel schwieriger zu fassen. Wir können ihn nicht wahrnehmen, er ist außerhalb der für uns fassbaren Wirklichkeit. In der Bibel, in der Kunst haben Menschen der Vergangenheit versucht, sich ihm anzunähern. Manches können wir übernehmen, manches sehen wir heute anders.
5./6. Stunde: Zugänge zu Gott
LZ/Inhalte:
- erkennen, dass man Dinge von unterschiedlichen Standpunkten aus unterschiedlich wahrnimmt
- die Bedeutung der Aufklärung für unser Denken wahrnehmen
- erkennen, dass Zweifel an Gott einerseits Teil des modernen Denkens sind, andererseits auch zum Glauben gehören
- über das Problem Glaube und Naturwissenschaft anhand der biblischen Schöpfungsgeschichten nachdenken
- wissenschaftliches und theologisches Denken im Zusammenhang mit den Schöpfungsberichten unterscheiden
Ideen zur Durchführung:
- wahrnehmen mit verschiedenen "Hüten", z.B. ein Haus - als Architekt/in oder Bauarbeiter mit Bauhelm, als Mensch, der dort als Kind gelebt hat, mit Pudelmütze, als Immobilienmakler/in mit schickem Hut, ... - oder ein Stück Torte - als Ernährungswissenschaftler/in mit weißer Kappe, als jemand, der abnehmen will, mit Sportmütze, als Genießer/in mit elegantem Hut, ... - oder die Sterne ...
feststellen: Wie man etwas sieht, welche Erkenntnisse man daraus zieht, ist eine Frage des Standpunkts! - wiederholen: Das Zeitalter der Aufklärung - das Zeitalter von Vernunft und Wissenschaft, "Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!"
- mit dem Werkzeug der Aufklärung, dem "Doktorhut", an die Schöpfungsgeschichten gehen: lesen, analysieren, vergleichen und die Schöpfungsberichte modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber stellen
- über die Ergebnisse nachdenken und nach Erklärungen suchen
- überlegen: Finden sich wichtigen Erkenntnisse über Gott, über den Menschen, über die Erde in den Schöpfungsgeschichten? Mit dem "Pfarrer-Barett" theologische Grundaussagen finden und über ihre Bedeutung nachdenken, z.B. Gottesebenbildlichkeit, Verantwortung für die Erde, Geschöpflichkeit des Irdischen
7./8. Stunde: Versuche, von Gott zu sprechen
LZ/Inhalte:
- grundsätzliche theologische Erkenntnisse nachvollziehen
Ideen zur Durchführung:
- Luthers große Erkenntnis, die Rechtfertigungslehre als Annäherungsversuch an Gott: Gott, der mich liebt, wie ich bin, Gott als Freund
- Woher "weiß" Luther, dass das so ist? Luther vertritt seine Überzeugung, die er aus der Bibel, durch Nachdenken und den Austausch mit anderen gewonnen hat. Als evangelische Christ/inn/en gilt auch für uns: Wir müssen prüfen, wie wir selbst von Gott sprechen können. Dabei ist es wichtig auf andere zu hören. Und zu bedenken, dass sich unsere Meinungen auch ändern können (vgl. 1./2. Stunde).
- Kirche heute: die Synode der bayerischen Landeskirche als "Parlament" der Kirche, in der gemeinsam um Standpunkte gerungen wird
9./10. Stunde: Gottes Name "Ich bin für dich da"
LZ/Inhalte:
- auf dem Hintergrund der Erkenntnisse der letzten Stunden Annäherungen an Gott suchen
Ideen zur Durchführung:
- passende Lieder finden und gestalten, ggf. selbst Strophen dichten
- "Stummes Gespräch" (Gruppenarbeit) über Gott - Fragen, Antworten, Gedanken, Wünsche, ...
- freies Arbeiten/Gestalten zur Bedeutung der Schöpfungsgeschichten
- Gottes Name "Ich bin da": kreatives Schreiben bzw. meditative Übung dazu; Namen finden, mit denen Gott angesprochen werden kann; Gestaltung dazu
- Brief an Gott formulieren - ggf. zentrale Fragen daraus auf Karten schreiben, einem/einer Mitschüler/in geben, der man vertraut, diese/r schreibt die eigenen Gedanken als Antwort dazu
- Gottesdienst vorbereiten, in dem die Anfragen, Wünsche usw. der letzten Stunden ihren Platz finden. Mehrdimensionales Verständnis von Gebet: Vor Gott entfalten, was in mir liegt - Gedanken, Zweifel, Tanz, Meditation, Betrachtung eines Gegenstandes, ...
Unterrichtshilfen, Medien, Links
Unterrichtshilfen
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Didaktischer Kommentar, RPZ Heilsbronn: H 10, 10.1 "Brauchen Menschen Gott - braucht Gott Menschen?"
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Arbeitshilfen zum Lehrplan Katholische Religionslehre an der Hauptschule, Katholisches Schulkommissariat:
10/1 "Wissen und Glauben - beides gehört zum Menschen"
10/2 "Als Christ leben - vielfältige Ausdrucksformen", "Mein Lebensweg - meine Lebensvorstellungen" -
Beachtenswert: "Gott" in der Broschüre "Religionsunterricht in Israels Gegenwart" (Hrsg. RPZ Heilsbronn, GPM, Ev.-Luth. Kirche Bayern - erarbeitet durch eine Arbeitsgruppe von 'Begegnung von Christen und Juden', BJC) gibt Anregungen und weist auf Stolpersteine und Fallen hin - nicht mehr zeitgemäße Arten, über das Judentum zu sprechen.
Medien
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Links
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