Referat Real- und Wirtschaftsschule > Lehrplan > 6.4 Familie und Freundschaft

6.4 Ich brauche andere Menschen, andere brauchen mich: Familie und Freundschaft

Lehrplan

 

EvR 6.4 Ich brauche andere Menschen, andere brauchen mich: Familie und Freundschaft [vgl. KR 6.1] [FS]

Die Schüler nehmen wahr, dass die Beziehung zu anderen Menschen für ihr Leben eine grundlegende Bedeutung hat. Das gilt für die Familie als tragende Gemeinschaft, in der sie sich entwickeln können, und die Freundschaft mit Gleichaltrigen, Mädchen- bzw. Jungenfreundschaften, die in diesem Alter zunehmend an Bedeutung gewinnen. Sie werden sich bewusst, dass sie für deren Gelingen mitverantwortlich sind und lenken den Blick auf die Werte, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die im Alltag und besonders auch bei Schwierigkeiten und Veränderungen das gemeinsame Leben fördern können. Einer der Themenbereiche Familie bzw. Freundschaft ist schwerpunktmäßig zu behandeln, auf den anderen kann verkürzt eingegangen werden.

Meine Familie

  • Gemeinschaft, die mich trägt und mir hilft, mich zu entwickeln
  • mit Schwierigkeiten und Veränderungen umgehen: im Verhältnis zu Eltern, Geschwistern, Trennungserfahrungen
  • verschiedene Formen der Familie
  • was das Zusammenleben fördert, was es belastet
  • den eigenen Platz in der Familie ausfüllen: Rechte und Pflichten
  • dazu biblische Perspektiven, z.B. 4. Gebot, Matthäus 7, 12, Epheser 6,1-4

Meine Freundinnen und Freunde

  • Freundschaft bereichert: sich angenommen fühlen, gemeinsam etwas erleben und Schwierigkeiten bestehen, voneinander lernen, sich gegenseitig unterstützen
  • Mitverantwortung für die Freundschaft übernehmen: Ehrlichkeit, Vertrauen, Verlässlichkeit u.a.
  • mit Schwierigkeiten konstruktiv umgehen, einen eigenen Standpunkt finden, um Verzeihung bitten und vergeben, dazu z.B. Matthäus 7,3; Sprüche 17,17

Vorschläge zur ganzheitlichen Unterrichtsgestaltung

  • Tagebucheinträge, Gebete oder Gedichte formulieren
  • den "Weg" einer Familie oder einer Freundschaft als Bild gestalten
  • ein "anderes" Poesiealbum anlegen: Wertschätzung ausdrücken, gute Wünsche weitergeben, Mut machen

Grundwissen: Den Schülern wird deutlich, dass das eigene Leben und Heranwachsen durch andere Menschen ermöglicht wird. Sie erkennen ihre Mitverantwortung für die Gestaltung von Beziehungen und nehmen sie wahr, auch in Hinblick auf den Umgang mit Schwierigkeiten. Sie kennen biblische Perspektiven für ein gutes Zusammenleben.

vgl. auch:
Lehrplan HS: EvR - - RK -
Lehrplan EvR GYM: 8.2 (Familie)

Stundenübersicht: Mögliche Gliederung

 

Vgl. auch
Ethik 6.1 Leben in Gemeinschaft

1. Stunde: Hinführung - Ohne Familie aufwachsen - geht das?

LZ/Inhalte:

  • wahrnehmen, dass die Beziehung zu anderen Menschen grundlegende Bedeutung hat als Gemeinschaft, die trägt und hilft, sich zu entwickeln

Ideen zur Durchführung:

  • Tierfamilien (z.B. Foto): Wie Tiere mit ihren Jungen umgehen
  • erzählen/vorlesen von "Wolfskindern"
    Johannes Amos Comenius (1592-1670) berichtet: "Um das Jahr 1540 ereignete es sich in Hessen in einem mitten im Walde gelegenen Dorfe, dass ein dreijähriger Junge, auf den die Eltern nicht aufgepaßt hatten, verloren ging. Einige Jahre später bemerkten die Bauern, daß unter den Wölfen ein Lebewesen mitlief, das seiner Gestalt nach von ihnen verschieden war, zwar vierfüßig, aber dem Gesichte nach dem Menschen ähnlich. Als sich das nun herumgesprochen hatte, da ordnete der Bürgermeister des Ortes an, man solle doch versuchen, es auf irgend eine Weise lebendig zu fangen. Wirklich wurde es auch ergriffen und dem Bürgermeister, später dann auch dem Landgrafen von Kassel zugeführt. Als man es in den Hof des Fürsten brachte, riß es sich los, entfloh, verbarg sich unter eine Bank, mit gräßlichem Blick und unter abscheulichem Geheul. Der Fürst befahl, es unter anderen Menschen aufzuziehen. Das geschah, und das wilde Tier begann allmählich zahm zu werden, sich auf den Hinterbeinen aufzurichten, zweifüßig zu gehen und endlich verständig zu sprechen und ein Mensch zu werden. Und dieser Mensch berichtete nun, daß er soviel er sich erinnern könne, von den Wölfen geraubt und aufgezogen worden und dann mit ihnen auf Beute ausgegangen sei.” aus: Comenius, Johannes Amos: Große Didaktik. Düsseldorf u.a. 1954. S. 47
  • Menschenbabys brauchen dringend andere Menschen, die sich um sie kümmern...!

2. Stunde: Meine Familie - Veränderungen

LZ/Inhalte:

  • Veränderungen wahrnehmen und mit ihnen umgehen
  • verschiedene Formen der Familie

Ideen zur Durchführung:

  • Gestaltung, ggf. auch mit Fotos: Familie als Gemeinschaft, die sich verändert - Meine Familie heute - meine Familie, bevor ich geboren wurde - Als meine Eltern Kinder waren - meine Familie in 20 Jahren - z.B. in die Viertel eines DIN A3 Blattes
  • Was verändert sich? Warum? Beobachtungen sammeln
  • Familien können ganz unterschiedlich sein, was die Größe und die Zusammensetzung betrifft!
  • Manche Veränderungen sind schön, manche sind traurig!

3. Stunde: Aufgaben und Pflichten in der Familie

LZ/Inhalte:

  • verschiedene Weisen der Gestaltung des Familienlebens
  • den eigenen Platz in der Familie ausfüllen

Ideen zur Durchführung:

  • In der Schule arbeiten verschiedene Menschen zusammen: Die Lehrkräfte unterrichten, Hausmeister kümmern sich um das Gebäude und die Anlagen, die Schulleiterin bzw. der Schulleiter...
  • Gibt es auch in der Familie solch eine Verteilung der Aufgaben? Was tragen die einzelnen Familienmitglieder in deiner Familie bei? Welche Aufgaben und Pflichten hast du?
    (Feste Rollenzuschreibungen wie Vater als Geldverdiener, Mutter kümmert sich um den Haushalt... dabei vermeiden - es sollte - schon in Hinblick auf mögliche Arbeitslosigkeit - deutlich werden, dass jede Familie für sich entscheidet, wie sie ihr Zusammenleben gestalten und die Aufgaben organisieren will.)

4./5. Stunde: Mein Traum von Familie

LZ/Inhalte:

  • was das Zusammenleben fördert, was es belastet
  • den eigenen Platz ausfüllen: Rechte und Pflichten, Mitverantwortung für die Gestaltung des Zusammenlebens
  • mit Schwierigkeiten konstruktiv umgehen
  • biblische Perspektiven

Ideen zur Durchführung:

  • Mein Traum von Familie - Gestaltung
  • Wie wünsche ich mir das Zusammenleben in der Familie?
  • Aber das Zusammenleben ist gar nicht immer so einfach...
  • Gebote für Eltern und Kinder ggf. auch Geschwister entwerfen (Gruppenarbeit)
  • Jeweils zwei Gruppen tauschen sich aus über ihre Entwürfe. Welche Gebote sind wohl besonders wichtig? Gibt es welche, die besonders schwer einzuhalten sind?
  • Im Plenum werden die fünf wichtigsten Gebote für Eltern und die fünf wichtigsten für die Kinder bzw. Geschwister gesammelt, dazu Eph 6,1-4 oder Mt 7,12
  • ggf. Gebete, Gedichte dazu formulieren

6./7. Stunde (evtl. auch Folgestunde/n): Wenn wir uns streiten...

LZ/Inhalte:

  • was das Zusammenleben fördert, was es belastet
  • den eigenen Platz ausfüllen: Rechte und Pflichten, Mitverantwortung für die Gestaltung des Zusammenlebens
  • mit Schwierigkeiten konstruktiv umgehen: einen eigenen Standpunkt finden, um Verzeihung bitten und vergeben
  • biblische Perspektiven

Ideen zur Durchführung:

  • Elemente und Übungen aus dem Bereich Streitschlichtung
  • Mt 7,3; Sprüche 17,17
  • ggf. Gebete, Gedichte zum Thema finden / formulieren

8. Stunde: Meine Freundinnen und Freunde

LZ/Inhalte:

  • Freundschaft bereichert: sich angenommen fühlen, gemeinsam etwas erleben, voneinander lernen, sich gegenseitig unterstützen

Ideen zur Durchführung:

  • Gestaltung: Menschen, die mir wichtig sind - in die Mitte eines Blattes
  • dazu ergänzen: So bereichern sie mich...
  • Freundschaften schließen: Wie kann man eine Freundschaft beginnen?

9. Stunde: "Einen Freund kann man nicht zaubern!" - Freundschaft schließen und pflegen

LZ/Inhalte:

  • Mitverantwortung für die Freundschaft übernehmen: Ehrlichkeit, Vertrauen, Verlässlichkeit usw.
  • mit Schwierigkeiten konstruktiv umgehen
  • Schwierigkeiten bestehen

Ideen zur Durchführung:

  • "Das mag ich an meinem besten Freund / an meiner besten Freundin...!" Gedanken sammeln in Einzelarbeit, ggf. Austausch in der Kleingruppe
  • Plenum: Was mögen wir besonders? Wo waren unsere Antworten ähnlich, wo unterschiedlich? Warum ist es wichtig, über so etwas nachzudenken?
  • Freundschaft als Baum - Was kann ich tun, damit der Baum wächst und stark wird?
  • "Neue Nachbarn!" - Rollenspiel, die Klasse übernimmt dabei die Beobachtung: eine Gruppe beobachtet das Nachbarskind, eine die Schülerin / den Schüler, eine Gruppe überlegt, ob so eine Freundschaft entstehen kann.
    Neben euch ist eine neue Familie eingezogen. Sie haben ein Kind in deinem Alter! Es wird mit dir zur Schule gehen. Als ihr euch zufällig begegnet, sagst du... - Besprechen, Strategien sammeln, ggf. überdenken, noch einmal spielen, ...
  • noch mehr Szenen zum Thema "Freundschaften schließen - Freundschaften pflegen":
    Im Schwimmbad. Ein anderes Kind, das du kennst, kommt zu dir, sagt "hallo" und setzt sich zu euch. Die anderen kennen es nicht.
    Dein Freund ruft an. Gerade als deine Eltern mit dir einkaufen fahren wollen!
    Schulunterricht. Du sollst mit einem Mitschüler das Fernsehgerät holen. Du kennst den anderen noch nicht gut, er ist neu in der Schule.
    Deine Freundin hat die Schulaufgabe zurückbekommen. Eine 5!

10. Stunde: Gute Wünsche für gute Freunde! - Ein "anderes" Poesiealbum

LZ/Inhalte:

  • Wertschätzung ausdrücken, gute Wünsche weitergeben, sich angenommen fühlen, sich gegenseitig unterstützen

Ideen zur Durchführung:

  • S sammeln Sprüche oder kurze Geschichten, die Wertschätzung ausdrücken, gute Wünsche weitergeben, Mut machen
  • sie legen ein "anderes" Poesiealbum an

Unterrichtshilfen, Medien, Links

 

Unterrichtshilfen

  • Erleben - Fragen 6, Kap 1

Medien

Über 3.500 Medien für die Arbeit in Schule und Gemeinde finden Sie in der EMZ (Evangelische Medienzentrale Bayern).
E-Mail: info[a]emzbayern.de, Internet: www.emzbayern.de

Links

mehr Material unter www.rpi-virtuell.de - Suchbegriff in die Datenbank eingeben!

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