Referat Real- und Wirtschaftsschule > Lehrplan > 9.5 Ziele und Ideale im Gemeinschaftsleben
9.5 Ziele und Ideale im Gemeinschaftsleben
Lehrplan
EvR 9.5 Ziele und Ideale im Gemeinschaftsleben [GZ, MRE, PB]
Die Jugendlichen beschäftigen sich mit Utopien und biblischen Grundwerten. Im Blick auf Grundgesetz und Menschenrechte wird ihnen die Bedeutung christlicher Traditionen für die Entwicklung von Grundwerten in unserer Gesellschaft deutlich. Sie werden ermutigt, über eigene Ideale nachzudenken und verantwortbare Orientierungsmaßstäbe sowie die eigene Urteilsfähigkeit zu entwickeln. Spannungen zwischen Ideal und Wirklichkeit regen dazu an, die Umgebung verantwortlich mitzugestalten.
Fächerübergreifende Unterrichtsvorhaben bieten sich an.
Zukunftsvisionen kennen lernen bzw. selbst entwickeln
dazu z.B. auch Offenbarung 21, 3-5; Auszüge aus Jesaja 11, Botschaft vom Reich Gottes
Biblische Grundwerte
von den Zehn Geboten zur Bergpredigt und dem Doppelgebot der Liebe, ggf. Galater 3,28
Weiterführung biblischer Grundwerte
- Menschenrechte und Grundgesetz
- Beispiele des Einsatzes für Menschenrechte in Geschichte bzw. Gegenwart, insbesondere aus dem regionalen Bereich (ggf. als Projekt)
- Möglichkeiten, sich persönlich für die Menschenrechte einzusetzen (ggf. als Projekt)
Vorschläge zur ganzheitlichen Unterrichtsgestaltung
- sich mit den "Kinderrechten" der UNO auseinander setzen, ihren christlichen Gehalt entdecken
- "Menschenrechte für Schüler/innen und Lehrkräfte" oder Schulverfassung entwerfen
- Segnungsgang durch das Schulhaus gestalten: Bei wichtigen Stationen wird inne gehalten, etwas vorgetragen, Gebete oder Fürbitten werden gesprochen
- Wünsche für die Schulgemeinschaft im Rahmen eines Projektes realisieren
- "Die Würde des Menschen" - künstlerische Gestaltung, ggf. mit Gestaltung eines ökumenischen Schulgottesdienstes
Grundwissen: Die Jugendlichen kennen biblische Perspektiven des Zusammenlebens und erkennen den Zusammenhang zwischen biblischen Grundwerten und Grundgesetz bzw. Menschenrechten. Sie überdenken die eigenen Werte und Vorbilder und entwickeln sie weiter. Sie sind bereit, mit der Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit konstruktiv umzugehen und den eigenen Lebensraum verantwortlich mitzugestalten.
Stundenübersicht: Mögliche Gliederung
Fächerübergreifende Zusammenarbeit: ggf. mit Geschichte 9.5 "Totalitäre Herrschaft, Zweiter Weltkrieg und die Folgen" - als Hintergrund für die Behandlung dieses Themas nutzen
Vorschläge für fächerverbindende Unterrichtsvorhaben für die 9. Jahrgangsstufe: "Menschen, die sich trauen"
1. Stunde: Hinführung - Schüler/innen entwickeln eigene Utopien
LZ/Inhalte:
- die Bedeutung von Utopien wahrnehmen und eigene Utopien entwickeln
| Methodische Anregungen | Medien, Materialien |
| Impuls: "Die bessere Welt" (Tafelanschrift) Ideensammlung an der Tafel dazu | Tafel |
| Erarbeiten: Unterrichtsgespräch - Nachdenken über das entstandene Tafelbild - Ist das "utopisch" = "fern von aller Wirklichkeit"? (Begriffsklärung) - Wozu können solche Utopien sinnvoll sein? | |
| Entwickeln eines Mindmaps - gemeinsam oder in Partnerarbeit | Folie oder Tafel |
| Vertiefen: Schreibmeditation zu "Eine bessere Welt" - einige S lesen freiwillig vor |
2. Stunde: Visionen der Bibel
LZ/Inhalte:
- biblische Zukunftsvisionen kennen lernen
| Methodische Anregungen | Medien, Materialien |
| Begegnen: Meditation zu leiser Musik L liest vor Jes 11,2-10 in Auszügen - S suchen sich jeweils einen Vers oder einzelne Worte heraus, die ihnen besonders gut gefallen - der Text wird noch einmal laut gelesen, S lesen dabei (nur) diese Worte laut mit, so dass ein gemeinsamer, gestalteter Sprechvortrag entsteht - Schülerreaktionen abwarten - Gespräch: Anknüpfen an die Vorstunde - Bedeutung der Propheten | Jes 11, 2-10 (in Auszügen) |
| Vertiefen: Meditatives Zeichnen "Eine neue Erde" S lesen Bibeltext anschließend Zeichnen bei leiser Musik | Offb 21,1-5 |
| Ggf. Vertiefen: Ein moderner Dichter hat für diese Vision eigene Worte gesucht: "Entwurf für ein Osterlied" von Rudolf Otto Wiemer oder: Sabrina Setlur "Das will ich sehen" (ggf. von S mitbringen lassen) | Signale 10, S. 172 |
| Hausaufgabe für die nächste Stunde: - 3 Zeitungsausschnitte mitbringen mit Beispielen, in denen ein gutes Zusammenleben (wie in den Utopien) gestört wird - Außerdem mitbringen: Materialien, um Plakat zu gestalten (s.u.) |
3. Stunde: Die Zehn Gebote als Weg zu einem guten Zusammenleben
LZ/Inhalte:
- die Kenntnisse über die Zehn Gebote vertiefen und ihre Bedeutung im Alltag verstehen
| Methodische Anregungen | Medien, Materialien |
| Zeitungsausschnitte (Hausaufgabe): einige Beispiele kurz vortragen | vgl. Hausaufgabe Vorstunde |
| Informieren: AB "10 Gebote" gemeinsam lesen | AB "10 Gebote" - vgl. unten |
| Vertiefen: - Jede Gruppe erhält als Thema ein Gebot (ggf. durch Losen) - Aufgabe: Plakat gestalten mit dem Gebot, Zeitungsartikeln mit Verstößen gegen das Gebot, Sinn bzw. Nutzen des Gebotes für die Mitmenschen | Plakate (z.B. Flipchartbögen, o.Ä.), Klebstoff, Schere, Farbstifte,... |
| Präsentation: Plakat der Klasse vorstellen Unterrichtsgespräch - dabei die genauere Bedeutung einzelner Gebote klären | Gebote in Luther-Übersetzung (als bekannteste Version) - s.u. |
| Weiterführung: Stillarbeit - Gebet zu einem Gebot formulieren | |
| Hausaufgabe: Zehn Gebote auswendig lernen | AB |
4./5. Stunde: Auf dem Weg zu Gottes neuer Welt - die Bergpredigt
LZ/Inhalte:
- die Seligpreisungen / Antithesen / die Goldene Regel kennen lernen, ihre Bedeutung für den Alltag und für die Gestaltung der Zukunft wahrnehmen
| Methodische Anregungen | Medien, Materialien |
| Anknüpfen an die Vorstunde: Plakat noch einmal betrachten - Kontrast zu den Zeichnungen "Eine neue Erde" L: Vieles auf der Welt ist nicht in Ordnung. Manchmal sind Menschen darüber verzweifelt und enttäuscht. So wie es ist, soll es nicht bleiben - Gott hat mit uns mehr vor. Im Neuen Testament gibt Jesus ein ganz besonderes Verpsrechen! | |
| Begegnen: Seligpreisungen still lesen | Mt 5, 3-12, am besten in der Übersetzung der "Gute Nachricht Bibel" |
| Erarbeiten Den Willen Gottes ganz ernst nehmen: Gruppenarbeit zu den Antithesen der Bergpredigt Jede Gruppe erhält eine der sechs Bibelstellen und fasst sie in eigenen Worten zusammen Plenum: - Struktur der Aussagen erarbeiten - zu jeder Bibelstelle eine kurze Zusammenfassung als Hefteintrag - Gespräch: Bergpredigt und 10 Gebote im Vergleich | Mt 5, 21-26 Mt 5, 27-30 Mt 5, 31-32 Mt 5, 33-37 Mt 5, 38-42 Mt 5, 43-47 |
| Eine einfache Grundregel als Zusammenfassung: Mt 7,12 Hefteintrag | Tafel / Folie |
| Gestalten - Meditation über die Hände: Die Umrisse der eigenen Hand ins Heft zeichnen und die Konturen gestalten. Dazu Sätze schreiben wie "Eine Hand kann schlagen, aber auch trösten; sie kann abweisen, aber auch einladen, ..." - Collage als Gegenüberstellung: Eine Welt, in der diese Regel gilt - Eine Welt, in der sie nicht gilt | entsprechende Materialien |
| Weiterführen Diese Grundregel wird oft die "goldene Regel" genannt. Sie ist in ähnlicher Form in vielen Religionen, von Philosophen und als Sprichwort bekannt: - Was du nicht willst, dass man dir tu, ... - Kants kategorischer Imperativ | |
| Mehr zu den Seligpreisungen:Historisch-kritische Überlegungen und Hintergrundinformationen, von Stephan Leher aus dem "Innsbrucker Theologischen Leseraum" | |
6. - 10. Stunde: Für ein gutes Zusammenleben - Menschenrechte, Kinderrechte, Grundgesetz
LZ/Inhalte:
- die Menschenrechte und ihre Bedeutung für die Gestaltung eines guten Miteinanders auf der Erde - jetzt und für die Zukunft - wahrnehmen
- die biblischen Weisungen als Teil der Wurzeln der Menschenrechte wahrnehmen
Material und Tipps: Themenkomplex Menschenrechte - für den Unterricht zusammengestellt vom Unesco Bildungsserver Dadalos - u.a. mit vielen Tipps für die Umsetzung im Unterricht
| Vorschläge und Ideen - Material und Tipps jeweils s.o.! | Medien, Materialien |
| Grundlage: Erarbeitung der Menschenrechte Die prägnantesten Rechte werden - gekürzt - auf Karten gedruckt. Je zwei S ziehen eine Karte. Sie bereiten eine kurze Pantomime vor, die zeigt, wie dies Recht verletzt wird. Anschließend lesen sie das entsprechende Menschenrecht laut vor. - Folie/Hefteintrag mit Stichwort dazu Vertiefung - Gruppenarbeit: S erhalten die Karten und finden die fünf, die für sie persönlich am wichtigsten sind. Warum ist das so? Austausch darüber in der Klassen | Text der Menschenrechte |
| - sich mit den "Kinderrechten" der UNO auseinander setzen, ihren christlichen Gehalt entdecken, eine Ausstellung dazu gestalten oder sich im Rahmen eines Projektes für Kinderrechte einsetzen | |
| - "Menschenrechtskalender" für das kommende (Schul-)Jahr gestalten: Für jedes der zwölf Kalenderblätter kann ein einzelnes Menschenrecht oder eine Artikelgruppe als Motto gewählt werden. | |
| - "Baum der Toleranz" gestalten: In dem Wurzelraum finden sich die historischen, philosophischen, ethischen und religiösen Grundlagen für ein Miteinander in Toleranz und Frieden. Der Stamm zeigt die kulturellen und rechtlichen Manifestationen wie das Grundgesetz, die UN-Charta und andere Menschenrechtsdokumente. Die Früchte können die Ergebnisse einzelner Arbeitsgruppen sein oder Darstellungen vorbildlicher Verhaltensweisen und Personen. | |
| - "Menschenrechte für Schüler/innen und Lehrkräfte" oder Schulverfassung entwerfen, Wünsche für die Schulgemeinschaft im Rahmen eines Projektes realisieren | |
| - Segnungsgang durch das Schulhaus gestalten: Bei wichtigen Stationen wird inne gehalten, etwas vorgetragen, Gebete oder Fürbitten werden gesprochen | |
| - "Die Würde des Menschen" - künstlerische Gestaltung, ggf. mit Gestaltung eines ökumenischen Schulgottesdienstes | |
| - "Experten" einladen: Engagierte Personen aus entsprechenden Gruppen stellen ihre Arbeit vor, z.B. Dritte-Welt-Gruppen oder ai, und zeigen Möglichkeiten des Engagements | |
| - außerschulische Lernorte einbeziehen, in denen die Achtung der Menschen- bzw. Grundrechte besondere Bedeutung gewinnt (Gericht, Gefängnis, ... ) | |
| - "Schwitztag": Wir arbeiten einen Tag für Familie, Nachbarn, Bekannte, ... im Garten, entrümpeln, putzen, Auto oder Fahrrad putzen, ... und spenden das eingenommene Geld für einen selbst gewählten guten Zweck! |
Britta Blachnitzky, Realschule Neusäß
Unterrichtshilfen, Medien, Links
Unterrichtshilfen
- Religionsbuch "Reli 9", hrsg. von Dr. G. Hilger und Dr. E. Reil, Kösel 2000
Auf den Seiten 15-19 und 26-28 finden sich Texte und Anregungen für den RU zum Thema Menschenrechte.
Medien
Über 3.500 Medien für die Arbeit in Schule und Gemeinde finden Sie in der EMZ (Evangelische Medienzentrale Bayern).
E-Mail: info[a]emzbayern.de, Internet: www.emzbayern.de
Links
"Transfair" kennenlernen als Beispiel für das Engagement der Kirchen und anderer Organisationen für die Zukunft: www.transfair.org - "Fair schmeckt besser!" - Bestellmöglichkeit von Materialien und Handreichungen!
Die Erdcharta - eine von den Nationen gemeinsam erstellte Weltethik!
mehr Material unter www.rpi-virtuell.de - Suchbegriff in die Datenbank eingeben!

