Inspirationen

Spirituelle Impulse und Worte zum Nachdenken, geschrieben und gestaltet von Mitarbeitenden des RPZ, jeden Monat neu.

'Religion – Opium des Volkes'

200 Jahre wird er am 5. Mai dieses Jahres: Karl Marx, Protagonist des nach ihm benannten Marxismus und mit Friedrich Engels Wegbereiter der sozialistischen Idee. Seine Geburtsstadt Trier ist sich unsicher, wie sie mit der überlebensgroßen Statue – ein Geschenk des chinesischen Volkes zum Jubiläumsjahr - umgehen soll, ist dieser Philosoph und Denker doch bis heute umstritten.

Herausfordernd ist er für alle Fragen nach Religion und Kirche. Kaum jemand hat in der Folge von Ludwig Feuerbach so radikal über Religion und Glaube nachgedacht und beides fundamental kritisiert.

Auch wenn Glaube, Religion und Kircheninstitution zur Zeit des großen linken Denkers sich sehr von dem unterscheidet, wie heute Religion und Glaube gesehen wird, so bleiben seine Worte und Gedanken für mich immer wieder Herausforderung und Mahnung. Ich glaube, seine Interpretation hat nichts davon verloren, dass er zu Recht den Finger in eine Wunde von Religion allgemein legt: Religion verliert ihre Daseinsberechtigung dann, wenn sie die Menschen unfrei macht, wenn sie Menschen daran hindert, sich selbst und die eigenen Fähigkeiten zu entdecken, wenn der Mensch als handelndes Individuum nicht ernst genommen wird.

Seine Gedanken haben nichts von dieser Schärfe verloren und passen wieder überraschend gut in die heutige Zeit:

"Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.

Die Kritik hat die imaginairen Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche. Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte, wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt."

Karl Marx: Zur Kritik der Hegel’schen Rechtsphilosophie. In: Deutsch-Französische Jahrbücher, Paris 1844, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource.

Hans Burkhardt

(Regionalstelle Unterfranken)

April 2018

Osterbotschaften - ins Licht rücken

Die Sonne geht auf ...

"Es gibt Hoffnung auch gegen den Augenschein."
"Hass und Gewalt behalten nicht das letzte Wort."
"Liebe ist stärker als der Tod."
"Ein neuer Anfang ist möglich."
"Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen."
"Gott steht zu dem, was Jesus getan hat."
...

Es gibt so viele Möglichkeiten von der Osterbotschaft zu erzählen.
Ich weiß nicht,
ob Sie einer der Gedanken heute anspricht oder es für Sie gerade nur fromme Worte sind ...
Velleicht drücken Sie die Osterbotschaft ja auch ganz anders aus.

Die Auferstehung feiern heißt für mich,
diese Botschaften mit Leben zu füllen.
So bleiben es nicht leere Worte,
sondern die Botschaft von Gottes Liebe gewinnt auf vielfältige Weise Gestalt.

Das geschieht,
wenn Menschen nach langer Zeit wieder aufeinander zugehen
wenn Menschen für andere einstehen - auch wenn es schwierig wird
wenn Menschen die Not anderer nicht übersehen
... wenn ich ...

Das geschieht,
wenn Menschen Zuwendung erfahren
wenn Menschen befreit aufatmen können
wenn Menschen wieder Vertrauen ins Leben gewinnen
... wenn ich ...

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, dass es bei Ihnen Ostern wird,
dass Sie die Osterbotschaft in ihrem Leben entdecken
und selbst in Ihrem Handeln zeigen, wie die Ostersonne aufgeht ...

Eine gesegnete Osterzeit – nicht nur zu Ostern!
Ihre Susanne Menzke

(Referat Elementarbereich am RPZ)

März 2018

KREUZWORT

Mit manchem Wort ist es ein Kreuz,
manches wird durch ein Wort
zum Kreuz.

Ein Wort kann zum Balken werden,
der sich im Ohr quer legt
oder auf den Magen schlägt.
Wenn Worte vielleicht
unbedacht gesprochen werden.

Wohl dem, der dann nachfragt,
wie sie gemeint waren, die Wörter.
Ob sie nur so dahingesagt waren
der mit einer Absicht verbunden sind.

WORT OHNE KREUZ

Jetzt fehlt die Verbindung nach unten,
das Wort ist nicht geerdet.

Ein Wort kann bodenlos sein,
wenn es jemand klein macht,
gesprochen oder geschrieben.

Wohl dem, der Worte aussucht,
die den Anderen, die Andere
groß sein lassen.

KREUZ OHNE WORT

Da fehlt mir das Wort.
Es bleibt nur ein Pfahl
und der schmerzt manchmal.

Wenn ich ein Kreuz zu ertragen habe,
brauche ich tragende Worte,
mittragende Hände.

Wohl dem, der es mir sagt.

GOTTES WORT

Es war mitten im Leben in Jesus Christus,
der quer gedacht hat und in vielen Worten bedacht war,
der bodenlose Worte aufgedeckt hat und jeden Menschen groß gesehen hat,
der selbst kreuztragende Hände Anderer gebraucht hat
und mittragende Worte gesprochen hat.

Wohl Gott,
der uns ein Beispiel gegeben hat.

Claudia Dürr

(Pädagogische Ausbildung für Schule und Gemeinde im Vikariat)

Februar 2018

Wieder aufstehen - mit neuer Kraft

Fasziniert haben sie mich schon immer, die Clowns, nicht nur im Fasching oder im Zirkus.  Besonders beeindruckend finde ich, wie nah bei einem Clown Weinen und Lachen zusammen liegen. Eben noch weint er dicke Krokodilstränen und im nächsten Moment springt er schon wieder munter umher und bringt andere zum Lachen. Das kennen Sie wahrscheinlich auch von den Kindern, die Sie unterrichten. Wie nah liegen bei ihnen oft Weinen und Lachen zusammen. Wie schnell geht es und der Kummer ist wieder vergessen. Manchmal beneide ich Kinder um diese Eigenschaft.

Der Clown auf dem Foto ist ein Stehaufmännchen. Vielleicht hatten Sie selbst ein solches Spielzeug oder Ihre Kinder? Es ist eine Figur, die unten rund ist. Immer, wenn man sie zu Boden drückt, steht sie sofort wieder auf, als wäre nichts gewesen und schaukelt fröhlich hin und her.

Mit seinem Auf und Ab ist es ein Bild für unser Leben: Da gibt es Zeiten, in denen wir den Kopf oben haben, in denen wir aufrecht stehen; Zeiten, in denen es uns gut geht, in denen wir Erfolgserlebnisse haben; Zeiten, in denen wir einfach zufrieden sind mit unserem Leben.

Aber dann trifft uns plötzlich ein Schlag von rechts oder von links. Wir erleben etwas, das uns zu schaffen macht, das uns in Frage stellt: Misserfolge, Versäumnisse, Kritik, eigene Zweifel oder auch einfach Erschöpfung und das Gefühl: Mir wird das alles zu viel.

Solche Erfahrungen können uns schon mal zu Boden werfen. Genauso wie das Stehaufmännchen immer wieder umgestoßen wird. Aber das ist eben das Spannende an diesem Spielzeug: Egal wie fest man es zu Boden stößt und wie lange man es dort festhält: Es lässt sich nicht unterkriegen. Es steht immer wieder auf.

Beim Stehaufmännchen passiert das automatisch, weil es so gebaut ist, dass es gar nicht am Boden bleiben kann. Aber wie ist das bei uns, wenn wir am Boden sind, wenn uns ein Misserfolg oder die Fülle der Aufgaben einfach umgehauen hat? Wir sind ja schließlich keine Stehaufmännchen - und müssen es auch nicht sein. Wir müssen nicht immer gut drauf sein und immer fröhlich lächelnd durchs Leben gehen. Auch Kummer und Traurigkeit haben ihre Zeit.

Aber was hilft uns, nach einer Zeit der Traurigkeit, wieder neuen Mut zu fassen? Was hilft uns dabei, immer wieder aufzustehen, uns nicht unterkriegen zu lassen und neue Kraft zu schöpfen? Was hat Ihnen geholfen, beim letzten Mal, als Sie am Boden lagen?

Das war bestimmt bei jeder und jedem von uns etwas anderes. Vielleicht war es das Gespräch mit einem lieben Menschen – direkt oder am Telefon. Vielleicht hat uns jemand an die Hand genommen und uns geholfen. Oder wir haben uns Zeit und Ruhe gegönnt, mal wieder richtig ausgeschlafen und danach sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Von irgendwoher bekamen wir wieder Kraft und neuen Mut. Vielleicht haben wir uns plötzlich daran erinnert, wie wir schon ähnlich schwierige Situationen bewältigt haben. Vielleicht war es auch ein Bibelwort oder ein Liedvers, der uns neu Mut gemacht hat. Oder ein Gebet, in dem wir gespürt haben, dass wir nicht allein sind.  

Auf verschiedenen Wegen können wir die Kraft finden, wieder vom Boden aufzustehen. Und in all dem, was uns von neuem auf die Beine bringt, erleben wir etwas von Gottes Hilfe und Begleitung. Denn im Rückblick können wir oft spüren, dass er es war, der uns durch die schwere Zeit hindurch getragen hat und der uns Menschen auf den Weg geschickt hat, die uns begleitet haben.

Dazu lesen wir in der Bibel beim Propheten Jesaja:
"Gott gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Schwachen. Selbst junge Leute werden kraftlos, die Stärksten erlahmen. Aber alle, die auf Gott vertrauen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden."

Ich wünsche uns allen, dass wir dies immer wieder erleben dürfen, dass wir neue Kraft bekommen, wenn wir uns ausgepowert und niedergeschlagen fühlen. Dass wir uns von dieser Zusage Gottes Mut machen lassen, dass er bei uns ist und uns begleitet.
Im Vertrauen auf ihn dürfen wir immer wieder neu aufstehen und zuversichtlich  in die kommende Zeit gehen.

So heißt es in einem irischen Segen:
Gott gebe dir
Für jeden Sturm einen Regenbogen
Für jede Träne ein Lachen
Für jede Sorge eine Aussicht
Und eine Hilfe in jeder Schwierigkeit.
Für jedes Problem, das das Leben schickt,
einen Freund, es zu teilen
für jeden Seufzer ein schönes Lied
und eine Antwort auf jedes Gebet.
Amen.

Gudrun Wellhöfer

(Regionalstelle Oberfranken)

Januar 2018

Mein altes Schulheft und das neue Jahr

Es ist eine unauslöschliche Erinnerung aus meiner Schulzeit: Endlich darf ich ein neues Heft beginnen! Das alte mit den Eselsohren, dem verschmierten Abdruck vom Pausenbrot und den von unschöner roter Lehrertinte korrigierten Seiten darf entsorgt werden. Jetzt liegt das neue Heft vor mir: sauber, weiß, voller Hoffnung. Und dann der Vorsatz: Nie mehr soll das neue Heft einmal enden wie das unansehnliche alte. Ich will mir Mühe geben, schöner schreiben, keine Fehler machen…

Neuanfänge machen glücklich: Die neue, schnelle und aufgeräumte Festplatte ohne Datenmüll, der faszinierende Geruch im Innenraum des neuen Autos und der Jahreskalender 2018 mit den noch vielen leeren Kalenderseiten. Neuanfänge sind Kraftquellen und Motivationsschübe. Ja, ich werde es besser machen, ordentlicher, sauberer, will achtsamer mit meiner Zeit umgehen, mit meinen Mitmenschen, mit meiner Kraft, Gesundheit und meiner verbleibenden Lebenszeit, die ja wieder um ein Jahr reduziert werden wird. Doch Vorsätze für das neue Jahr halten meistens nicht lange und allzu schnell verfalle ich dann doch wieder in den alten Trott. Allzu schnell sammelt sich schon wieder Belastendes auf meinem PC, dem Terminkalender und meiner Seele an. Woran mag das wohl liegen? An meiner Trägheit, mangelnder Intelligenz und Disziplin, meiner Schwäche?

In der Jahreslosung für das Jahr 2018 heißt es: "Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers - umsonst" (Offb. 21,6). "Umsonst" das ist das Zauberwort. Der ständige Appell an die eigene Kraft, noch mehr zu machen und zu schaffen, effizienter, ordentlicher und klüger zu werden, führt letztendlich in die Depression. Meine Seele braucht dieses Bild, dass da einer ist, der mir alles gibt, was ich brauche. Einer, der für mich sorgt und mich erquickt mit Strömen des lebendigen Wassers.

Auch wenn das neue Schulheft oft nach kurzer Zeit genauso schmuddelig ausgesehen hat wie das alte, habe ich doch die Schule geschafft. Und wenn ich jetzt beim Aufräumen so ein Zeugnis aus alten Tagen in den Händen halte, dann sind es gerade die Eselsohren und Korrekturen, die mich Schmunzeln lassen: Siehst Du – irgendwie ist es doch gegangen.

Daran möchte ich mich auch im neuen Jahr erinnern: "Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade" - es gilt nicht nur für ein Schulheft, sondern für alle Tage des neuen Jahres.

Thomas Krüger

(Regionalstelle Niederbayern/Oberpfalz)

Dezember 2017

Eine beinahe "weihnachtliche" Geschichte

Vor einigen Wochen fuhren mein Mann und ich zu einem runden "Verwandtschaftsgeburtstagsbesuch". Wir wurden gebeten, etwas Kuchen mitzubringen, da eine größere Anzahl an Gästen erwartet würde.

Da wir uns fahrtechnisch nicht dem Wetter und der Dunkelheit aussetzen wollten, beschlossen wir, mit dem Zug zu fahren. Also machten wir uns mit zwei tragbaren, etwas sperrigen Kuchenformen auf den Weg. In der einen Kuchenform befanden sich äußerst vielfältige leckere Törtchen eines hervorragenden Konditors, in der anderen Form schimmerte durch den leicht transparenten Deckel mein selbst gebackener Apfelcrumble hervor. Zu sehen war davon allerdings nur die relativ dichte Streuseldecke.

Bis zum Hauptbahnhof ging alles wunderbar. Die Menschen auf dem Weg wunderten sich zwar über unsere beiden Kuchen, aber das machte uns nichts aus. Das änderte sich jedoch schnell.

Als der ICE, in den wir einsteigen wollten, im Bahnhof hielt, kamen uns erst einmal einige Fußballfans mit Fanschals und Zigaretten aus dem Zug entgegen, um den dreiminütigen Halt als Raucherpause zu nützen.

Wir stiegen ein und fanden, für uns optimal, einen leeren Vierertisch, auf dem wir die beiden Kuchenformen abstellen konnten. Noch bevor wir unsere Mäntel abgelegt hatten, kam uns vom Nebentisch ein großes "HALLOOOO" entgegen: "Das hätte es aber nicht gebraucht. Ein Messer für den Kuchen haben wir in jedem Fall dabei…", tönte es von nebenan. Vier Fußballfans mit reichlich Bier begrüßten uns dementsprechend. Wir nahmen erst mal Platz.

Kurz darauf kam ein weiterer, ziemlich junger Fan, ebenfalls mit einem Glas Bier zu den Vieren und unterhielt sich mit ihnen. Bevor ich mich versah, plumpste er neben mich auf den Sitz. Ehrlich gesagt war mir das gar nicht angenehm, lehnte er sich doch genüsslich an die Tasche mit den Geschenken, die ich dort hingestellt hatte. Kurzum, wir fanden eine Lösung: Er nahm gegenüber bei meinem Mann Platz.

Mein Mann und er wechselten ein paar Worte miteinander, bevor er sich neugierig über die Kuchenformen beugte. "Was habt ihr denn da drin?", wollte er wissen und: "Wer bekommt denn das?" Da der Apfelcrumble sichtbar war, interessierten ihn die Törtchen nicht. "Hast du das gebacken?", fragte er mich. "Ja", erwiderte ich. "Und was ist da drunter?", fragte er. Damit meinte er unter den Streuseln. "Äpfel", sagte ich. "Oooooo, wie bei meiner Oma!", entfuhr es ihm sehnsüchtig. Ich erklärte ihm, dass man nur keine Äpfel sehen könne, weil ich das Streuselrezept immer doppelt nehmen würde. Denn jeder isst einfach gerne Streusel. Daraufhin entgegnete er mit dem Finger auf mich zeigend: "Das sind die guten Bäcker, die aus Erfahrung raus die Rezepte abändern." Ob ich denn das Rezept auswendig wüsste. "Ja", entgegnete ich. Ich hatte es in der letzten Zeit öfter gebacken. "Kannst du es mir diktieren?", fragte er.

Und so diktierte ich dem jungen Fußballfan das Apfelcrumble-Rezept, das er sogleich an seine Freundin schickte mit der Bitte, einen Apfelcrumble zu backen, bis er wiederkommt.
Als mein Mann und ich umsteigen mussten, war ich gerade fertig. Ich wünschte ihm (bzw. seiner Freundin) gutes Gelingen und dann guten Appetit!

Und hier ist das Rezept:

ApfelcrumbleFür die Streusel braucht man 400 g Mehl, 250 g Zucker, 2 Vanillinzucker, 2 Messerspitzen Zimt und 250 g Butter (die Butter sollte zimmerwarm sein). Alles miteinander zu einem glatten Teig verkneten.

Je nach Größe der Auflaufform und Größe der Äpfel 4-6 Äpfel schälen (sehr gut sind Boskopäpfel, weil sie etwas säuerlich sind), entkernen und in dünne Scheiben schneiden. Alle Äpfel mit Zitronensaft beträufeln.
Äpfel in eine gut gefettete Form geben und darüber die Streusel gleichmäßig verteilen.

Den Backofen auf 200 Grad vorheizen. Wenn der Crumble auf mittlerer Schiene in den Ofen geschoben wird, den Backofen auf 180 Grad Umluft stellen und ca. 25 Minuten backen. Die Streusel sollten schön braun und knusprig sein.

Am besten gleich lauwarm mit etwas Sahne servieren! Eine Kugel Eis schmeckt dazu auch sehr fein!

Apfelcrumble habe ich auch schon als Nachtisch nach einem Weihnachtsessen serviert – mit Erfolg!

Viel Vergnügen beim Backen und guten Appetit!
Ihre Sabine Schwab

(Referat Real- und Wirtschaftsschule am RPZ)

November 2017

Abendmahl - ein Opfer?

Das Abendmahl ist seit Beginn des Christentums ein zentrales Ritual des christlichen Glaubens. Ein „Sakrament“, also etwas Heiliges! In den Kirchen stehen die Gläubigen gemeinsam um den Altar, trinken Wein aus einem Kelch und essen andächtig eine Oblate, untermalt von Orgelklängen und in geheimnisvoller Atmosphäre (natürlich haben sich mitunter auch andere Formen entwickelt, dieses Ritual gemeinsam zu begehen).

Aber welche Bedeutung hat dieses gemeinsame Tun? Ein Gemeinschaft stiftendes Mahl fällt mir als erstes ein. Viele schöne Geschichten malen die Bedeutung des gemeinsamen Essens wunderbar aus. Es schafft Versöhnung zwischen Streitenden, lässt Gemeinschaft erleben und zeigt: „Wir gehören zusammen!“ Jeder kennt es von zu Hause, wie wertvoll die gemeinsamen Mahlzeiten sind, Zeit zum Reden und Feiern.
Dann sind da auch noch die Symbole „Brot und Wein“! Der Wein, Getränk des Feierns und der Freude. Das Brot steht für alles, was wir zum Leben brauchen („Unser tägliches Brot gib uns heute“). Brot mit anderen, vielleicht Bedürftigen, zu teilen, steht für die Bereitschaft zur Nächstenliebe („Brot für die Welt“).
Diese Überlegungen werfen bereits ein Licht auf die Tiefe der symbolischen Handlung, wenn Christinnen und Christen Abendmahl feiern.

Aber da stehen noch diese sperrigen, ja anstößigen Einsetzungsworte: „Nehmet hin und esset: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ – „Nehmet hin und trinket alle daraus: Das ist mein Blut …“. Wie soll man, als Mensch des 21. Jahrhunderts, diese Sätze verstehen? Schauderhafte Aussagen, die ohne Zweifel (auf den ersten Blick) etwas Kannibalisches haben. Vor allem, wenn man die Entstehung des Christentums als eine jüdische Erneuerungsbewegung in den Blick nimmt, verstoßen diese Worte gegen ein grundlegendes jüdisches Gebot: Das Verbot mit Blut auch nur in Berührung zu kommen. Ist es, so gesehen, nicht ein skandalöses Ritual?

Gerd Theißen, ein Fachmann für Neues Testament, betrachtet die christlichen Rituale aus Sicht der Religionsgeschichte (vgl. Gerd Theißen, Die Religion der ersten Christen. Eine Theorie des Urchristentums, Gütersloh 2000, S. 171-217). Er stellt die Entwicklung des Abendmahls in den Kontext der antiken Religionen, in dem das Abendmahl und dessen Interpretation entstanden sind.
Die ersten Christen haben mit der Einführung des Abendmahls etwas Einzigartiges in der Welt der antiken Religionen geschaffen: Eine Religion ohne Opfer!
Opfer – was steckte hinter diesen Ritualen? Sie symbolisierten die menschliche Grunderfahrung, dass es kein Leben gibt, das nicht auch auf Kosten anderen Lebens ermöglicht wird. Tiere werden geschlachtet und zur Nahrung gebraucht. Eltern ziehen ihre Kinder unter Entbehrungen auf, andere leisten schwere Arbeit um Häuser zu errichten oder als Bauern Nahrung zu erzeugen, und zum Schutz des eigenen Lebens vor Feinden und wilden Tieren sind Waffen unumgänglich. So stellte sich das Leben den Menschen vor 2000 Jahren dar. Wenn wir auf unsere heutige Welt blicken, erkennen wir aber auch die Aktualität dieser Erfahrung. Menschen hinterlassen immer „Spuren“ auf unserem Planeten und leben auf Kosten der Nachfahren (Umweltbelastungen), Menschen in anderen Ländern arbeiten für den Luxus in den Industriestaaten, Hamburger, Bratwürste und Schweinebraten setzen einfach das Schlachten von Tieren voraus, und der Schutz durch die Polizei ist auch heutzutage nicht überflüssig geworden. Es ist keine Frage persönlicher Schuld oder Verfehlung, sondern die Feststellung eines menschlichen Zustandes, dem wir, trotz allen Bemühens, nicht entrinnen können. Wer das Gegenteil behauptet, verschließt die Augen vor den Schattenseiten menschlicher Existenz.

Kehren wir in die Zeit der Anfänge des Christentums zurück: An die Stelle der blutigen Opferrituale tritt ein gemeinsames Mahl, Brot und Wein werden zwischen den Angehörigen unterschiedlichster Schichten und Nationalitäten geschwisterlich geteilt. So wie bei diesen gemeinsamen Feiern könnte das Leben sein, Reich Gottes! Es wird gerade nicht „auf Kosten anderer“ gelebt, sondern die gelebte „Nächstenliebe“ in der Gemeinde ermöglicht ein anderes Zusammensein. Das erwartete Reich Gottes wird bereits in der Gegenwart vorweggenommen – und ist zugleich Perspektive und Lebensgrundlage.
Durch die Deutung als Leib und Blut Christi erhält das Ritual eine weitere, tiefere Dimension. Es wird die nach wie vor gültige Erfahrung präsent gemacht, dass wir trotzdem in dieser Welt nicht anders können, als „auf Kosten anderer“ zu leben. Das Ritual wird geerdet in der Realität. Abendmahl zu feiern ist keine „heile Welt Veranstaltung“. Es ist vielmehr Ausdruck einer Hoffnung und Gewissheit, dass das Leben auf Kosten anderer überwunden werden kann, zunächst in kleinen Schritten, bei denen aber unsere Verstricktheit in die Dunkelheiten des Lebens nicht aus dem Blick gerät. „Die Rituale sprechen uneingestanden das verborgene antisoziale Wesen des Menschen aus. Aber sie tun es, um dies antisoziale Wesen des Menschen in Motivation zu prosozialem Verhalten zu verwandeln.“ (aaO. S. 190)

Mir ist eine solche, zugegebenermaßen etwas sperrige Deutung des Abendmahls sehr sympathisch. Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass ich als Referent für Förderschulen immer die Lebenswelten unserer Schülerinnen und Schüler vor Augen habe. Diese sind sehr oft auch von den Dunkelheiten des Lebens berührt (Krankheiten, Behinderungen, Gewalt und Missbrauch, Armut, ...). Daher ist mir am Christentum so wichtig, dass es die Schattenseiten des Lebens nicht ausblendet (auch in den biblischen Überlieferungen), sondern in der Hoffnung und im Glauben an einen guten Gott trotzdem Mut zum Leben und zum rechten Handeln macht – auch im Feiern des Abendmahls.

Ulrich Jung

(Referat Förderschulen am RPZ)

Oktober 2017

Gnade! Womit habe ich das verdient?

Ich mag Gnade. Ich mag es gnädig behandelt zu werden und manchmal schaffe ich es, auch gnädig zu sein.

"Seien Sie bitte gnädig zu uns und schreiben Sie heute keine Ex!" Welche Lehrkraft kennt diese inständige Bitte von Schülerinnen und Schülern nicht. Ich jedenfalls kenne sie.

Ein wenig kommt es darauf an, wer aus der Klasse mich bittet: Ist es die freche, laute und nervige Schülerin, die es irgendwie immer schafft, mich auf die Palme zu bringen? Ist es der nette, freundliche und interessierte Junge, der sich immer eifrig beteiligt? Dann kommt es auch darauf an, ob ich noch dringend Noten brauche, weil der Termin der Notenabgabe immer näher rückt, oder ob ich ganz entspannt alles im Griff habe.

Wenn ich mich dann dazu durchringe, keine Ex zu schreiben, geht es mir einerseits gut damit, denn ich bin schon gerne der "good cop" - andererseits lauert dann schon im Hinterkopf der Gedanke, man könnte mich und meine Gutmütigkeit ausnützen, oder man nähme mich nicht ernst! Es ist nicht immer einfach, Gnade zu zeigen!

"Gnade" ist ein zentraler reformatorischer Begriff. Im zweiten Hauptstück des Kleinen Katechismus steht folgendes zu lesen – gerade im Monat, in dem sich 500 Jahre Reformation bündeln:

"Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält ..., ohn‘ all mein Verdienst und Würdigkeit". "Ohn‘ all mein Verdienst und Würdigkeit" bedeutet nichts anderes als "aus Gnade".

Unsere Gesellschaft bräuchte jede Menge Gnade - strahlt aber genau das Gegenteil aus:
Wir werden zur Selbstoptimierung getrieben: Bodyforming und perfekter Halt fürs Haar, Effizienz und Selbstoptimierung, Gesundheit und Coaching, optimaler BMI und ideale Blutwerte, Faltenlosigkeit und ewige Jugend, eiserne Selbstdisziplin und unerschöpfliche Produktivität – und dabei ist Mann und Frau auch noch perfekter Familienmensch, Ehrenamtlicher und sozial Verantwortliche ...

All das zu haben und zu sein, spiegelt vor, dass man es selbst schaffen könnte. Nichts ist dem oder der unmöglich, der oder die sich wirklich anstrengt. So wirken zumindest etliche Facebook-Profile – wie ein überdimensioniertes Selfie.

Bei mir klappt das unglücklicherweise nicht - ich habe leider viel zu selten diese oben genannten Eigenschaften. Schokolade und nicht Sport formte meinen Körper, mein Haar braucht keinen Halt mehr, denn es wird immer weniger. Ich bin manchmal nur eisern im "Extrem-Couchen" und die Treppen waren früher nicht so steil. Und auch als Ehemann und Vater gibt es noch Luft nach oben.

Ich bin auf Gnade angewiesen - jeden Tag meines Lebens. Immerzu brauche ich Menschen, die gnädig mit mir sind, die meine Unzulänglichkeiten hinnehmen und mich trotzdem annehmen.

Das, was mir in meinem Leben an Annahme begegnet - "Ohn‘ all mein Verdienst und Würdigkeit" – das zeigt mir, welchem Gottesbild die Reformation anhängt. Dieses Bild ist mir nahe und teuer.

Ich bin schon recht!

Armin Hamann

(Ausbildung der Religionspädagog*innen am RPZ)

September 2017

Ein wenig Muße für uns ...

Muße lebt von der Freiheit von Effizienz - sich treiben lassen

Einfach loslaufen ohne Absicht und zurückgelegte Kilometer.  Wer gern ein gutes Buch liest, evtl. sogar ein Fachbuch, sollte bitte nicht die Seiten zählen und unbewusst der Frage nachhängen, ob das etwas für meine Arbeit austrägt.
Meine neue Erfahrung ist das herrliche Baden im Eiskanal. Ein wunderbares sich treiben lassen, ohne dass man zählt, wie viel Strecke man gemacht hat.

Muße ist sehr sinnvoll, aber zwecklos - Gehirnerfrischung

Man kann heute viel abbilden. Die wunderbare Entdeckung ist, dass bei Tätigkeiten der Muße und bei zweckfreien Tätigkeiten mehr Hirnregionen aktiv sind als bei konzentrierten Arbeiten. Das Gehirn lässt locker und belebt sich frisch. Es beschäftigt sich mit sich selbst.
Dies ist zugleich eine Zeit der Inspirationen und Geistesblitze. Nicht verwunderlich, wenn man locker lässt, kommt neues auf dich zu. Also auf zu herrlichen Spaziergängen des Gehirns.

Die Muse küsst gern die Muße

Schon gewusst, dass John Lennon seine besten Songs nach einem Mittagsschlaf schrieb? Und Isaac Newton erkannte die Schwerkraft beim Hinausblicken in den Garten. Ich denke, das kennt jeder: Wie viele Einfälle da sind, wenn man z. B. flaniert und zwecklose Dinge tut. Nur, warum wird das so häufig vergessen?

Muße ist aller Liebe, nicht des Lasters Anfang

Gönnen wir uns einfach öfter mehr Leerlauf und nicht die dauernde Frage nach dem, was noch erledigt werden soll und muss. Wie kann es gelingen? Etwas tun, was man sehr gern mag! Der Flow dabei ist Muße. Es geht nicht nur ums Nichtstun, sondern um ein Tun, das erfrischt, das berührt. Das ist keine Technik, die man erlernt, aber eine Haltung - einfach mal loslaufen, losplätschern, lostanzen, loslieben etc.
Warum? Egal!

Uns viel Muße!

Bernd Paulus

(Leitung der Kurse "Mittendrin ... und gern dabei" für Religionspädagog*innen und Katechet*innen)

August 2017

Die Chance der Langeweile

Ich habe endlich einmal wieder Langeweile
diesen Schatz will ich nicht ohne Not aufgeben ...

Ich sitze einfach da und schaue vor mich hin
             – ich muss nicht aufmerksam sein
Ich bin frei zu entdecken, was mir in den Sinn kommt
             - es muss nichts erledigt werden
Ich habe Raum für eigene Kreativität
             – und ich muss nichts liefern
Ich könnte so vieles
             – aber ich muss es nicht ...

Das ist einfach verlockend -
nichts zu planen und zu schauen, was entsteht!

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine erholsame Sommerzeit,
in der auch die lange Weile nicht zu kurz kommt!

Mögen deine Gedanken
manchmal einfach so
mitten am Tag zur Ruhe kommen,
ohne festes Ziel auf eine Reise gehen,
in neue Perspektiven eintauchen,
fremd und verlockend bunt und schön.
Mögest du immer wieder Momente entdecken,
in denen sich der Himmel auftut,
das Leben in einem neuen Licht erscheint,…
und du gespannt darauf bist,
was Gott mit dir vor hat.
Segenswunsch

Ihre Susanne Menzke

(Referat Elementarbereich am RPZ)

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