Kaleidoskop > August 2016

 

 

 

"Sie haben Waffen,
aber wir haben Blumen."

 

 

Zitat eines französischen Vaters
direkt nach den Anschlägen vor der Pariser Konzerthalle Bataclan

Mit diesem Satz hat der Vater die Angst, die Trauer und das Entsetzen seines kleinen Sohnes angesichts der Terroranschläge aufgenommen und geteilt und zugleich seinem Sohn versichert, dass wir Möglichkeiten haben, um mit dieser schrecklichen Situation umzugehen,dass sein  alltägliches, wertvolles Leben trotz dieser Geschehnisse weitergehen kann.

Im Bild der Blumen greift der Vater auf:

Ja, wir sind schutzlos, wir sind traurig,
aber wir stehen nicht allein und wir sind nicht hilflos.

Natürlich weiß das Kind: Wir können uns nicht mit Blumen vor Angriffen verteidigen.
Dennoch findet das Kind Halt im Vertrauen auf seinen Vater,
nimmt die Blumen (und Kerzen)  als Trost wahr, sieht in ihnen einen Schutz für seine Lebensweise.

"Wir haben Blumen…"
Wir werden durch Amok und Terror der vergangenen Tage und Jahre schmerzlich daran erinnert, dass unser Leben endlich ist, dass es durch einzelne oder Gruppen bedroht werden kann.
Das ist keine neue Situation. Rechtsstaatlichkeit und umsichtiges Handeln von Polizei und Einsatzkräften tragen zwar zu unserer relativen Sicherheit bei, doch wissen wir, dass wir unser Leben letztlich nie sichern können.
Auch sonst im Leben nicht: nicht vor Gewalt, nicht vor Krankheit, nicht vor schweren Zeiten und Tod.
Trotzdem gehen wir in aller Regel zu Recht davon aus,
dass wir unser Leben weiterhin miteinander gestalten können.

"Wir haben Blumen…"
Wir haben Möglichkeiten, unser Mitgefühl und unsere Trauer auszudrücken.
Wir können zeigen, wie wir als Menschen miteinander leben wollen und wie wir aufeinander zugehen möchten.
Wir können unserer Hoffnung Ausdruck verleihen, dass Hass und Gewalt nicht das letzte Wort behalten, dass die Liebe eine größere Kraft besitzt…

"Wir haben Blumen…"
Wir haben unser Leben nicht in der Hand,
aber wir haben in der Hand, wonach wir unser Leben ausrichten möchten.
Auch wo wir selbst unsere Angst, unsere Hilflosigkeit und Wut wahrnehmen…
Wir müssen uns davon nicht bestimmen lassen: "Unseren Hass bekommt ihr nicht".

"Wir haben Blumen…"
und wir haben einen Gott, der dem Hass die ohnmächtige Macht der Liebe entgegensetzt.
Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Dieser Geist lässt uns festhalten an dem Engagement für die Menschen, die in unser Land geflohen sind.

Kein Wunder, dass die Blumen dem Kind Halt und Trost gegeben haben:
Auch im Erschrecken und in der Trauer ermöglichen diese Blumen
Vertrauen auf das Gute in der Welt.
Sie öffnen Augen und Herzen neu für das Schöne im Leben  -
und für das, was wir zum Miteinander in der Welt beitragen können.

In diesem Sinn:
Ja - wir haben Blumen,
wir haben Hass und Gewalt viel mehr entgegenzusetzen,
als es auf den ersten Blick aussieht.

So wünsche ich Ihnen, dass die Blumen für Sie ein Zeichen sind, das Sie ermutigt,
an einem vertrauensvollen Miteinander festzuhalten.

Ihre Susanne Menzke

 

Foto: © Oleg Astakhov

 

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