Kaleidoskop > Dezember 2009

Eine Geschichte nach einer alten Legende von der Entstehung der Elisenlebkuchen

 

Es ist später Abend, als es beim Lebkuchenbäcker Jakob in Nürnberg, er wird auch Lebküchner genannt, klopft. Jakob ruft: "wer ist draußen?" "Meister könnt ihr mir helfen? Die Tochter des Königs ist krank, er hat mich los geschickt, ich soll etwas finden, was sie essen kann damit sie wieder gesund wird." Jakob macht auf. Am Mantel des Reiters sieht er, dass es ein Bote des Königs ist. Er holt vom Herd den Krug mit warmem Gewürzwein, und schenkt dem Fremden ein. "Das tut gut, danke. Weißt du, ich bin den ganzen Tag geritten und gerade noch durch das Stadttor gekommen, bevor sie es verschlossen haben. Wie war ich froh, dass ich bei dir noch Licht gesehen habe." Und dann fährt er mit ernster Miene fort: "Weißt du, die Tochter unseres Königs ist sehr krank. Sie kann nichts essen und wenn sie etwas isst, erbricht sie es wieder. Vor wenigen Tagen hat uns der König losgeschickt, wir sollen nach Hilfe für die Tochter suchen. Er hat einen großen Preis ausgesetzt, den er dem zahlen will, der etwas herstellt, was seine geliebte Tochter verträgt, dass sie wieder zu Kräften kommt. Da habe ich mich auf den Weg nach Nürnberg gemacht, dort gibt es Händler für Gewürze und Heilkräuter, habe ich gehört. Vielleicht wisst ihr ja, wo ich einen Trunk oder ein Gebäck bekommen kann, das der Tochter des Königs helfen kann?"

Schweigend hört Jakob dem Fremden zu. Nur zu gut versteht er die Sorge um ein todkrankes Kind. Traurig denkt er an seine Tochter Elise, die vor einigen Jahren verstorben ist. Nichts konnte ihr helfen. Aber mit einem Mal ist er hell wach und sagt: "Geh in die Herberge und ruh dich aus. Komme morgen gegen Mittag wieder, ich will dir etwas backen, vielleicht hilft es der Tochter des Königs." Gesagt, getan, der Bote geht weg und Jakob geht in seine Backstube.

Er holt Honig, Mandeln, Nüsse, Eier, und neun verschiedene Gewürze Zimt, Nelken und Anis, Koriander und Kardamom, Muskatblüte, Pfeffer, Ingwerwurzel und Piment. Sorgsam mahlt er sie im Mörser und mischt sie zusammen. Dann macht er aus den Eiern, Nüssen Mandeln, Honig und den Gewürzen einen Teig. Mehl lässt er weg, denn es soll ein Lebkuchen sein, ein Lebenskuchen, ein Heilmittel eben. Den Teig setzt er vorsichtig auf Oblaten, damit er nicht am Blech festklebt und verziert die Lebkuchen mit Mandeln. Schon bald zieht ein wunderbarer Duft durch das Haus. Als das Jakobs Frau riecht, kommt sie herunter aus dem Schlafzimmer und schaut herein. Sie traut ihren Augen nicht, als sie ihren Mann mitten in der Nacht Lebkuchen backen sieht. Als Jakob ihr aber vom Boten des Königs erzählt, hilft sie mit. Am nächsten Morgen haben sie es geschafft. Die vielen Lebkuchen werden in eine große Blechdose verpackt und dem Boten mitgegeben. "Es sind die besten Lebkuchen, die ich jemals gebacken habe", sagt Jakob. "Gott schütze dich und gebe, dass die Tochter des Königs wieder gesund wird" fügt er noch hinzu. "Vergelt´s Gott", sagt der Bote und gibt Jakob ein Geldstück. "Ich will wieder kommen und dir sagen wie es um die Königstochter steht."

So schnell er kann, reitet er zurück zum König. Dort sind alle in großer Aufregung, das Mädchen ist so schwach, dass es gar nicht mehr aufstehen kann. Bleich und mit geschlossenen Augen liegt sie in ihrem Bett. Der Bote liefert seine große Dose mit Lebkuchen ab. Sofort wird die Dose zur Tochter des Königs gebracht. Als sie geöffnet wird, richt das Mädchen den Duft der Lebkuchen und schlägt die Augen auf. Was keiner zu hoffen gewagt hat, geschieht: sie nimmt einen Lebkuchen in die Hand und beißt ein winziges Stück ab. Langsam kaut sie, schluckt und nimmt sogar noch einen zweiten Bissen zu sich. Dann schließt sie wieder die Augen und schläft ein. Als sie nach einiger Zeit wieder aufwacht und wieder nach den Lebkuchen fragt, sind die Eltern erleichtert. Das erste mal seit langer Zeit kann sie etwas essen. Es dauert noch eine ganze Weile, bis sie wieder aufstehen kann. Aber der König sagt: "Dies sind wahre "Lebenskuchen". Sie haben meiner Tochter das Leben gerettet. Gott sei Dank." Und er schickt den Boten wieder nach Nürnberg, gibt ihm reichlich Geld mit und sagt: "Bringe mir gleich noch einige Dosen von diesen Lebkuchen mit. Dieses Heilmittel soll nie mehr ausgehen bei uns." Gesagt, getan. Der Bote reitet zurück zu Jakob dem Lebküchner, bestellt viele neue Lebkuchen und fragt: "Was ist das besondere an diesen Lebkuchen, wie hießen sie?" Jakob antwortet: "Ich habe sie ohne Mehl gebacken, nur mit den besten Gewürzen und Zutaten. Ich will sie Elisenlebkuchen nennen, nach meiner Tochter Elise, die leider verstorben ist. Aber an sie habe ich in jener Nacht gedacht, als du mir von der todkranken Tochter des Königs erzählt hast. Auch wenn nur Gott allein Leben schenken kann, freue ich mich mit dir, dass meine Elisenlebkuchen dazu beigetragen haben, dass die Tochter des Königs lebt." Dann verabschiedet sich der Bote von Jakob und macht sich auf den Heimweg.

 

Lebkuchenrezept:

3 Eier, 250 g Rohzucker, 1 Päckchen Vanillinzucker, 1 Prise Salz, 3 EL Mehl, 3 EL Speisestärke, ½ Päckchen Nürnberger Lebkuchengewürz, 1 EL Rum, 75 g Orangeat, Je nach Eigröße 125-150 g gemahlene Haselnüsse, 125.-150 g gemahlene Mandeln, Oblaten 5 cm Durchmesser, evtl. Kuvertüre zum Glasieren

Eier mit Zucker, Salz, Vanillinzucker schaumig rühren (muss fast stehen)

Speisestärke, Mehl, Lebkuchengewürz, Rum und Orangeat vorsichtig unterheben, Mandeln und Haselnüsse zugeben und auf niedriger Stufe gut verrühren, Teig (muss so fest sein, dass er nicht von den Oblaten läuft) auf Oblaten verteilen.

Bei 175 Grad 20 Minuten backen (Die Lebkuchen dürfen nicht ganz fest sein).

 

Gerlinde Tröbs

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