Kaleidoskop > Juni 2017

 

Eine alte und weise gewordene Dame feiert Geburtstag.
Sie hat eine große Familie mit viel Patchwork.
Die Familie ist gewachsen, ein Teil der Familie hat sich getrennt,
hat neue Familien gegründet oder ist alleine geblieben.
Auf große Jubiläen wartet sie nicht, sie lädt jedes Jahr ein.
Ihr Haus ist grünend geschmückt.
Immer grünend, so wünscht sie es sich.
Und das Immergrün wird auch immer erneuert, … semper reformanda.

Zum Feiern braucht sie viele Räume.
Nicht alle können mit allen gemeinsam feiern.
Sie ist auf unterschiedliche Traditionen vorbereitet über die Jahre.

Nach zwei Tagen ist die Feier zu Ende.
Unsere hochbetagte Kirche sitzt nachdenklich in ihrem Sessel.
Manche haben abgesagt, sind ins Grüne gefahren.
Ich lade sie nächstes Jahr wieder ein.
Wer wird noch dabei sein?
Wer wird sich verabschieden – und wovon?
Wer wird neu dazu kommen?
Und welchen Einfluss wird das haben?

Einige sind fremd geworden.
Wer ist eigentlich wem fremd geworden?
Fremdeln sie untereinander oder mit mir?
Fremdle ich mit ihnen
oder fremdeln sie in meinen Räumen?
Ach, wenn sie doch meine neuen Räume annehmen würden,
die ich habe anbauen lassen.
Sie könnten sie sogar mitgestalten.

Wie nach jedem Geburtstag
blättert sie in ihren angefangenen Memoiren.
Ich schaue ihr über die Schultern.
Geistreich hat es begonnen,
damals als alles zu Ende schien in Jerusalem.
Wir waren erfüllt von Gottes Geist:
dem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Ach, sagt sie,
wenn wir doch wieder zurück fänden zum Geist des Anfangs.
Sie blättert zurück.
Am Anfang als die Erde wüst und leer war und es finster war,
da schwebte der Geist Gottes auf dem Wasser.

Ja, denke ich, den Geist der Schöpferkraft, den brauchen wir,
wenn es um den Erhalt der Schöpfung geht
wenn es um den Erhalt der Kirche geht - kräftig, liebevoll und besonnen -
und wenn es um den Erhalt von Neuerungen geht.

Sie steht auf und geht ans Fenster.
Tragt diesen Geist mit euch,
in den Räumen, auf den Straßen,
bei den Menschen.

Schön, dass du so denkst, liebe Jubilarin.
Du bist mitten in der Welt, danke!

Da schüttelt sie den Kopf.
Bedankt euch nicht bei mir,
bedankt euch bei Gott, 
aus dessen Geist wir leben, der sagt:
Ich will euch ein neues Herz
und einen neuen Geist in euch geben.
(Hesekiel 36,26; Lutherbibel revidiert 2017)

Claudia Dürr

Foto: pixabay.com

 

 

 

 

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