Kaleidoskop > Oktober 2009

Wenn man eine Kerze trägt, braucht man beide Hände

 

Am 9. Oktober 1989 kam es in Leipzig zu einer entscheidenden Demonstration nach dem Friedensgebet.
Es ging in der Nikolaikirche zu Ende mit dem Segen des Bischofs und mit dem eindringlichen Aufruf zur Gewaltlosigkeit.
Und als mehr als 2.000 Menschen aus der Kirche kamen, warteten Zehntausende draußen auf dem Platz. Sie hatten Kerzen in den Händen. Und wenn man eine Kerze trägt, muss man das Licht behüten, es vor dem Auslöschen schützen. Da kann man nicht gleichzeitig noch einen Stein oder Knüppel in der Hand halten.

Die unglaubliche Erfahrung mit der Macht der Gewaltlosigkeit begann. Sindermann, der dem Zentralkomitee der SED angehörte, sagte vor seinem Tod: "Wir hatten alles geplant. Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete."
Am 9. November 1989 wurde, ohne einen Befehl abzuwarten, der Grenzübergang an der Bornholmer Straße um 22.30 Uhr als erster geöffnet. Das Ende der Berliner Mauer war besiegelt. Die DDR-Bürger hatten die Öffnung mit friedlichen Mitteln herbeigeführt.

Die Nikolaikirche hält die Tradition der Friedensgebete aufrecht bis heute. Eine Säule aus dem Inneren der Kirche wurde nachgebildet und als Zeichen auf den Platz vor der Kirche gestellt. Sie erinnert an die friedliche Revolution von 1989 und an die Montagsgebete, die seit 1982 stattfanden.

Gerhard Spangler

 

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