Kaleidoskop > Oktober 2016

Eine Geschichte zum Erntedankfest

 

Es war einmal – so beginnen Märchen. Ich erzähle euch auch eine Geschichte, die nicht passiert ist – oder vielleicht doch? Ich war nur nicht dabei? Auf jeden Fall könnte diese Geschichte irgendwo in Nürnberg so passiert sein.

Also: Es war einmal in einer Grundschule in der 3. Klasse. Im Religionsunterricht ging es um das Thema Abendmahl. Die Lehrerin, nennen wir sie Frau König, erzählte, wie Jesus mit seinen Jüngern kurz vor seinem Tod, das letzte mal zusammen gegessen hat. "Um uns daran zu erinnern, feiern wir Christinnen und Christen im Gottesdienst gemeinsam Abendmahl!" Als Severin etwas von Essen hört, schaut er ganz interessiert auf. Die Lehrerin hat Bilder mitgebracht. Um den Altar stehen die Menschen und ein Pfarrer in der Mitte. "So sieht es dann in der Kirche aus!", sagt sie. Severin nimmt das Bild und betrachtet es ganz genau. Richtig versunken ist er in das Bild. Dann schießt sein Finger in die Höhe: "Frau König, ich seh da gar nichts zum Essen. Was gibt’s denn bei dem Abendmahl?" "Na eine Hostie!" "Was isn das?", will Severin wissen und auch einige andere Kinder schauen fragend. "Eine kleine Oblate, die kennst du doch von den Lebkuchen." "Davon werd’ ich aber nie satt! Ich hab gedacht, ich krieg da mal ein Frühstück.", erwidert Severin enttäuscht. "Aber Severin, frühstücken kannst du doch zu Hause – und nicht in der Kirche!" "Bei uns nicht!", sagt Severin kleinlaut. "Hast du Hunger?" "Klar!" Frau König schluckt. "Ich auch.", flüstert ein anderer Junge, der immer sehr still ist. "Ihr habt jetzt auch Hunger?", fragt Frau König ungläubig. "Schon!", sagen Severin und der andere Junge wie aus einem Mund. "Ist das nur heute so?" Frau König ahnt die Antwort. "N-N-nein." Auch Rosl, die neben Frau König im Stuhlkreis sitzt, nickt.
Das Thema Abendmahl scheint vergessen. Einen Augenblick ist es ganz still im Klassenzimmer. Zwei Jungs tuscheln, stubsen ihre Nachbarin an. Dann springen die drei auf und gehen schnell zu ihren Schultaschen. Frau König will schon lautstark protestieren. Aber dann sieht sie, wie die drei ihre Vesperdosen raus holen. Schon stehen sie vor Rosl, Severin und dem stillen Jungen. "Da!", sagen sie und drücken den Kindern was zu essen in die Hand.
Frau König sagt – ohne lange nachzudenken: "Jetzt ist Erntedank in unserem Klassenzimmer!" Die Kinder schauen sie verständnislos an und einer sagt: "Erntedankfest wird doch in der Kirche gefeiert, mit vielen Lebensmitteln auf dem Altar. Das haben wir doch letztes Jahr angeschaut!" "Ihr habt schon recht! Aber ich finde, wenn Menschen mit anderen ihr Essen teilen, dann zeigen sie doch ihre Dankbarkeit dafür, dass sie selber genug zu essen haben. Das ist eine besonders schöne Art von Dankbarkeit!" Sie steht auf und holt eine Bibel aus ihrer Tasche.
"Esst ruhig weiter – ich les euch eine Geschichte von Jesus vor."

Jesus war einmal auf einem Hügel und hatte vielen Menschen von Gott erzählt. Als es dunkel wurde, kamen seine Jünger zu ihm und sagten:
"Es ist eine einsame Gegend hier und es ist schon sehr spät.
Lass doch die Leute gehen. Dann können sie sich in den Dörfer etwas zu essen kaufen."
Aber Jesus sagte zu ihnen: "Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen etwas zu essen!" Da antworteten ihm die Jünger: "Wir haben hier nur fünf Brote und zwei Fische!"
Aber Jesus sagte: "Bringt sie mir her!" und dann sagte er:
"Die Leute sollen sich zum Essen im Gras niederlassen!"
Und Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische. Er blickte zum Himmel auf und sprach das Dankgebet.
Dann brach er die Brote in Stücke und gab sie den Jüngern. Die Jünger verteilten sie an die Volksmenge. Und alle aßen und wurden satt.
Dann sammelten sie die Reste ein – es waren zwölf Körbe voll.

Ulrich Jung

Foto: privat, U. Jung

 

 

 

 

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