"Freizeitangebot

Der Freizeitbereich ist eine weitere wesentliche Säule von Ganztagsschulen und setzt konzeptionelle Überlegungen und Entscheidungen voraus. Je mehr Zeit Kinder und Jugendliche an der Schule verbringen, umso mehr muss ihrem Freizeitbedürfnis Rechnung getragen werden. Dazu gehören sowohl Freizeitangebote (gebundene Freizeit) wie auch schlicht: freie Zeit und Freiräume zur eigenen Gestaltung (ungebundene Freizeit). Die Aufsichtspflicht ist in beiden Fällen zu gewährleisten.
Bei der "ungebundenen Freizeit" kann der Schüler täglich wählen, wie er sie gestalten will, etwa in Form von:

  • Hobbygruppen (Basteln, Schach, ...)
  • Freizeitsport
  • Bewegungsspiele
  • Nutzung von
    - Schülerbücherei
    - Schülercafé
    - Rückzugszonen zum Lesen, Entspannen/Ausruhen, zur Kommunikation, zum Spielen usw.

Die Teilnahme an den gebundenen Freizeitangeboten ist in der Regel mit einer verpflichtenden Teilnahme über einen bestimmten Zeitraum (Trimester, Semester, Schuljahr) hinweg verbunden.
Bedeutung von Freizeitangeboten:

  • Rhythmisierung: Rückzug, Entspannung, Bewegung: Den ganzen Tag an der Schule zu sein, ist anstrengend. Kinder und Jugendliche brauchen deshalb immer wieder Phasen, in denen sie sich zurückziehen, sich entspannen oder aber auch sich austoben und zerstreuen können.
  • Soziales Lernen: Schüler (insbesondere Einzelkinder) brauchen Freiräume, in denen sie Beziehungen aufnehmen, Kontakte pflegen, die Regeln des Zusammenlebens ausprobieren können.
  • Eigenverantwortung/Selbstkompetenz: Schüler brauchen Übungs- und Experimentierfelder, um diese so wichtige Kompetenz aufzubauen. Deshalb ist es wichtig, ihnen Verantwortung etwa für Schülercafé, Bibliothek, Homepage, Streitschlichtung, also "wirkliche" Aufgaben zu übertragen.
  • Kinder und Jugendliche erfahren (und erlernen) mit den betreuten Freizeitangeboten eine sinnvolle Alternative zu PC- und Fernsehkonsum. Gerade im ländlichen Raum können darüber hinaus außerschulische Angebote oft nur mit (elterlichem) Organisationsaufwand angenommen werden, so dass das zeit- und raumnahe Angebot der Schule hier eine attraktive Alternative sein kann.
  • Ebenso wichtig ist freie Zeit zur eigenen Gestaltung, für die die Schule entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung stellen muss. Forschungen des Deutschen Jugendinstituts zum Thema "Bildungs- und Lernprozesse im Freizeitalltag" von Kindern und Jugendlichen haben ergeben, dass Schulen "mehr Räume für die Selbstorganisation der Kinder und Jugendlichen schaffen und das Potenzial des wechselseitigen Lernens in Gruppen von Gleichaltrigen nutzen sollten. Damit werden statt der weit verbreiteten Konsumenten-Haltung die für die modernen Gesellschaften notwendigen unternehmerischen Fähigkeiten und die Lernorganisation gefördert." (SZ-Interview mit dem Münchener Soziologen Jens Lipski, Nr. 70 vom 24.3.2006).

Der Freizeitbereich sollte Folgendes gewährleisten:

  • pädagogisch sinnvolle, altersadäquate Angebote (auch klassen- und jahrgangsübergreifend)
  • eine ausgewogenen Mischung aus Kultur-, Kreativ- und Sportangeboten
  • ein ausgewogenes Verhältnis zwischen gebundener und ungebundener Freizeit
  • wenn möglich Beteiligung der Schüler an der Erstellung des Angebots"

Quelle:
Leitfaden: Ganztagsvolksschulen in Bayern - Anregungen und Hilfestellungen zur praktischen Umsetzung - Aktualisierte Version Oktober 2007 Erarbeitet im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom Arbeitskreis "Ganztagsschulen in Bayern"
Herausgeber: Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB)