Themen und Inhalte

Interkulturelle Bildung

Das Bewusstsein für unterschiedliche religiöse Verwurzelung der Kinder wächst, wo im Erstgespräch nicht nur über die religionspädagogische Ausrichtung der Kita informiert wird. Hilfreich ist, auch auf dem Gebiet der religiösen Erziehung gegenseitige Erwartungen anzusprechen. Basis dafür ist, dass mit dem Interesse am Kind auch das Interesse an dem, was es beschäftigt, an seiner Familie, seiner Herkunft und der religiösen Prägung zu Hause gezeigt wird - ohne die Familie auszufragen oder gar zu bewerten.

"Ich weiß, du feierst heut ein Fest ..."

Es braucht gar nicht viel, um erste Schritte einer religionssensiblen Erziehung zu gehen: Aufmerksamkeit darauf, welche Kinder welcher Religion angehören und ein Blick auf den interkulturellen Kalender. Wir zeigen Kindern und ihren Familien mit einem freundlichen Satz, dass wir auch an ihr religiöses Fest denken - und es wird deutlich, dass wir sie mit ihrer Religion achten und akzeptieren. Nicht selten entwickeln sich dadurch Gespräche, in denen wir voneinander lernen können.

Baustein für die Praxis:
Religionspädagogischer Impuls zum Fastenmonat Ramadan

Interkultureller Kalender

Einen guten Überblick über die Festtermine bietet z. B. der interkulturelle Kalender des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

Zum Kalender 2026

Mit Eltern zusammenarbeiten

Begegnungsmöglichkeiten im Rahmen von Elternabenden

Thematische Elternabende, z. B.

  • Neu in der KITA
  • Kinder brauchen Rituale - Erwachsene auch?
  • Wenn Kinder fragen …
  • Religiöse Erziehung - Interreligiöse Bildung

Elterncafé

In Gemeinden oder Kindertageseinrichtungen ist es wichtig, wenn Eltern einen Treffpunkt zum Austausch haben. Vielleicht gibt es auch bei Ihnen ein Elterncafé oder es gäbe jemanden, der das gerne ins Leben rufen würde? Es braucht einen Raum, jemanden, der die Organisation übernimmt - und Menschen, die davon erfahren (Öffentlichkeitsarbeit) und es gerne nutzen. Eine sehr gute Möglichkeit für Kontaktpersonen aus der Kirchengemeinde ist, bei den wartenden Eltern während der Eingewöhnungszeit der Kinder vorbeizuschauen, sich vorzustellen, zu begleiten …

Projekttage

  • Kinder stellen Ergebnisse ihrer Projekte vor.
  • Eltern werden als Experten für bestimmte Vorhaben eingeladen.

Information und Transparenz

Besonders im Blick auf die plurale gesellschaftliche Situation in der Kita ist es gut, wenn Eltern informiert sind, wie die religiöse Bildung in der Kita stattfindet. Dazu sind sowohl konzeptionelle grundlegende Informationen als auch ganz konkrete Beispiele der Arbeit mit den Kindern hilfreich.
Wie wird religiöse Bildung in der Kita angeregt?
Welche religionspädagogischen Angebote finden statt, wie wird mit den Kindern gearbeitet?
Gut ist es, mit den Eltern über Fragen der religiösen Bildung im Gespräch zu sein:
Wie gelingt es, dass für Kinder der christliche Glaube in der Kita sichtbar wird und im Alltag Bedeutung hat?
Wie gelingt es, dass Kinder weder vereinnahmt werden noch ausgegrenzt werden?
Wie können weitere Religionen von Kita-Familien ihren Ort finden?

„Vertrauen von Anfang an”

Elternbriefe zur religiösen Erziehung, ein Projekt der eaf bayern (Evang. Aktionsgemeinschaft für Familienfragen in Bayern e.V.)

Mehr zu den Elternbriefen erfahren

Orientierungsrahmen für die religiöse Bildung in evang. Kitas in Bayern

Was bedeutet „religiöse Bildung”? Warum ist sie ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in einer evangelischen Kita? Was macht die religiöse Bildung in evangelischen Kitas aus?

Um die religiöse Bildungsarbeit in Kitas inhaltlich und konzeptionell in den Blick zu nehmen, hat der evKITA einen „Orientierungsrahmen für die religiöse Bildung in evangelischen Kitas in Bayern” erarbeitet. Darin finden interessierte Pädagog*innen, Pfarrer*innen oder auch Eltern einen Überblick, was religiöse Bildung in einer evangelischen Kita ausmachen kann und welche Gedanken ihr zugrunde liegen.

Alltagsintegrierte Religionspädagogik wird beschrieben als Teil einer religionssensiblen, inklusiven, vorurteilsbewussten, kokonstruktiven und partizipativen Bildungsarbeit. So setzt religiöse Bildung bei den Erfahrungen der Kinder an und stellt Kinder mit ihren Erfahrungen in den Mittelpunkt. Sie greift auf, was Kinder erleben und fragen und begleitet sie bei der Suche nach Antworten.

Der Orientierungsrahmen will der Reflexion der eigenen Arbeit dienen und kann von unterschiedlichen Kitas mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen ausgestaltet werden.

Orientierungsrahmen ansehen

Forschungsprojekt

„Gottesdienste, Andachten und geistliche Impulse im Bereich diakonischen Handelns” - erste Ergebnisse für den Bereich der Kitas
Ein Projekt des Gottesdienstinstituts und der Augustana-Hochschule in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk und dem evangelischen Kita-Verband Bayern.

Von 2014 bis 2018 wurden durch Fokusgesprächsgruppen, Expert*inneninterviews und eine quantitative Befragung Gottesdienste, Andachten und geistliche Impulse im Bereich diakonischen Handelns erhoben. 2018 wurden in einem Symposium erste Ergebnisse diskutiert und danach die Erhebungen weiter ausgewertet. Als Vertreterin des evangelischen Kita-Verbandes Bayern arbeitete ich von Anfang an bei der Studie mit. Während der Abschlussbericht des Gesamtprojektes noch nicht veröffentlicht ist, möchte hier bereits die für die Kita und unsere Kirche relevanten Ergebnisse vorstellen: „Auf die Beziehung kommt es an - Geistliche Zusammenkünfte in Kitas im Spiegel der Studie”

Susanne Menzke, Referat Frühe Bildung

Familienreligiosität und evangelische Kita

Erkundung einer Wechselbeziehung - von Susanne Menzke & Dorothee Schneider

Evangelische/kirchliche Kitas verstehen Kinder und ihre Familien als Akteure, die ihr Leben und damit auch ihr Verhalten zu Religiosität, Religion, Weltanschauung und Kirche aktiv gestalten. In der Mitte der Überlegungen zu Familienreligiosität und Kita stehen die Kinder als Subjekte der religiösen Bildung in der Kita und als Mitgestalter*innen der Familienreligiosität. Was in Familien wichtig ist, gewinnt daher im Interesse der Kinder auch in und um die Kita an Bedeutung. Was Kinder in der Kita in Bezug auf Glaube/Religiosität als relevant erleben, werden sie auch in die Familie einbringen und kann in der Gestaltung der Familienreligiosität eine Rolle spielen.

Vollständigen Artikel lesen

"Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation"

Ein Grund zur Freude? - Ein Kommentar von Susanne Menzke

Die Landessynode hat im Zusammenhang der Verabschiedung der strategischen Ziele des Prozesses Profil und Konzentration (PuK) beschlossen, einen Schwerpunkt  der Arbeit unserer Kirche bei der "Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation" zu setzen. Eigentlich müsste ich mich darüber sehr freuen.

Denn es ist ein Grund zur Freude,
dass die nächste Generation und damit endlich verstärkt auch die Kinder wahrgenommen werden.
Es ist ein Grund zur Freude, dass Christ*innen den Mut finden, vom Glauben zu sprechen.
Es ist ein Grund zur Freude, dass nun etwas passiert in unserer Kirche, dass Aufbruchstimmung da ist und auch das große Feld der Kitas dabei stärker in das Bewusstsein rückt.

Gerne nehme ich diese Anstöße auf um zu beschreiben, wie Kinder etwa im Alltag der Kita und zu besonderen Zeiten gelebtem Glauben begegnen, welche Fragestellungen, Gefühle, Vorstellungen, Ausdrucksformen Kinder einbringen. Noch mehr möchte ich fragen, was konkrete Kinder beschäftigt, welche Erfahrungen für sie wichtig waren, wie sie es erleben, wenn wir biblische Geschichten erzählen, christliche Lieder singen, beten… und nicht zuletzt, welche Ausdrucksmöglichkeiten für Ihre Erfahrungen mit vorfindlicher Religiosität (Formulierung aus dem BayBEP) wir wahrnehmen oder eröffnen.

Gerne nehme ich die Anstöße auf, um Erwachsene (Eltern, Bezugspersonen, päd. Mitarbeitende in Kitas…) für die Begleitung von Kindern zu stärken. Dazu gehört eigene Erfahrungen zu reflektieren, das eigene Gottes- und Bibelkonzept zu klären, Kindern zu zeigen oder vorzuleben, was für uns im /am christlichen Glauben wertvoll ist und zudem Kinder in ihrem eigenen Suchen und Fragen, in ihren eigenen wertvollen Ausdrucksformen ernst zu nehmen.

Gerne nehme ich die Anstöße auf, um genau hinzusehen, wie wir die täglichen Begegnungen sehr vieler Menschen mit Kirche in und um evangelische Kitas gestalten. Wie nehmen wir dort unsere unterschiedlichen Aufgaben als Kirche wahr? Wie gelingt es uns, als Kirche sichtbar zu sein, ohne Menschen unseren Glauben aufzudrücken, ohne Menschen zu vereinnahmen, aber auch ohne Menschen, die unseren Glauben nicht teilen, auszugrenzen. Gerne möchte ich nachdenken, wie wir als Kirche die Interessen dieser unterschiedlichen Menschen wahrnehmen. Wie ermöglichen wir, Kirche und christlichem Glauben in Nähe und Distanz zu begegnen? Wie leisten wir vor Ort Beziehungsarbeit und geben denen Raum, sich einzubringen, die in der Gemeinschaft unserer Kirche ihren guten Ort suchen?

So habe ich meine Aufgabe, den Auftrag der Kirche, nicht erst seit PuK verstanden - in Fortbildungs- und Beratungsarbeit, in Vernetzung mit weiteren Arbeitsbereichen in unserer Kirche und in Staat und Gesellschaft. Mir kommt es dabei auf Austausch, auf Fragen und Weiterdenken, Gemeinsam-Orientierung-Suchen-und-Geben an. Ich möchte einen Perspektivwechsel stärken hin zu Kindern als Subjekte ihres Fühlen, Denkens und Handelns mit ihrem Glauben und Vertrauen, ihren Fragen und (früher als wir oft denken) auch Hinterfragen.

Zu nahezu jedem Satz ließen sich ganze Fortbildungen gestalten, BarCamps und Workshops initiieren, Handreichungen benennen und/oder neu erarbeiten….
Gern gestalte ich mit Ihnen und Ihrer Gruppe oder für Ihre Gruppe solche Formate oder berate zu Fragestellungen, die Sie aufnehmen oder einbringen möchten.

Schön, wenn der Prozess Profil und Konzentration in unserer Landeskirche diese Fragestellungen wieder ins Bewusstsein rückt. Für viele engagierte Ehren- und Hauptamtliche sind diese Fragen gar nicht neu und schon lange bewusst und im Handeln im Blick.

Dennoch ist meine Freude über den Beschluss der Synode nicht ungetrübt.
Manchmal fällt es mir schwer, das positive Anliegen hinter der Formulierung "Weitergabe des Glaubens" wahrzunehmen. Zu viel steckt in diesen wenigen Worten, das meinem pädagogischen und theologischen Denken und Handeln widerspricht.

Es geht um Theologie:
Für mich ist Glaube ein Geschenk, das sich immer wieder neu ereignet, wo immer wieder neu Vertrauen zu Gott und von Gott her möglich wird. Glaube ist unverfügbar und gewinnt Gestalt in der Beziehung zwischen Gott und Mensch und im daraus folgenden Fühlen, Denken und Handeln.
Es kann nicht Aufgabe der Kirche sein, Glauben weiterzugeben, zu vermitteln – Kirche vermittelt kein Heil und Glaube ist keine Kompetenz, die ich erwerben könnte oder etwas, was man sich erarbeiten, verdienen könnte und dann besitzen und weitergeben könnte. Was wir weitertragen können, sind Traditionen, und Ausdrucksformen des Glaubens. Was wir weitererzählen können sind biblische Geschichten und eigenes Berührt sein von der Liebe Gottes. Was wir ermöglichen können, sind Begegnungen mit gelebtem Glauben in Wort und Tat.

Es geht auch um Pädagogik:
In dem Wort "Weitergabe" sind nur wir und unser Handeln im Blick. Unser Gegenüber ist nur "Zielgruppe" unseres Handelns, die dann auch den Glauben von uns empfangen, nehmen soll. Anders in der Pädagogik: Hier geschieht Interaktion, Menschen sind Subjekte, die selbst mitverantwortlich Handeln und selbst entscheiden, was sie als für sich wichtig aufnehmen und was nicht. Inhaltlich kann es nicht um Glaubensvermittlung gehen, sondern um Ermöglichung der Begegnung und Auseinandersetzung mit christlichem Glauben. Der Begriff, den ich seit meiner Zeit als Ehrenamtliche in der Evang. Jugend im Bewusstsein habe, lautet "Kommunikation des Evangeliums". Hier ist sowohl die Interaktion aufgenommen als auch mein Wunsch, das zu teilen oder auch nur mitzuteilen, was mir wertvoll ist: Die frohe Botschaft von der Liebe Gottes in Wort und Tat. Diese Formulierung, die auf der Homepage der ELKB steht, entspricht dem, was Kirche zur Kommunikation beitragen kann: Sie lautet "Die frohe Botschaft von der Liebe Gottes weitertragen in Wort und Tat." Das ist das, was wir tun können, wie und ob unterschiedliche Menschen mit dieser Botschaft umgehen, ist nicht in unserer Hand. Allerdings können wir Zugänge zu dieser Botschaft erleichtern oder erschweren.

Es geht bei der Formulierung auch um die Außenwirkung:
Viele der Menschen, denen ich in und um die evang. Kitas begegne, sind kirchlich eher distanziert. Sie sind sehr empfindlich, wenn sie den Eindruck haben, ihnen sollte christlicher Glaube aufgedrängt werden. Haben angehende Erzieherinnen, Kita-Mitarbeitende, Eltern dieses Gefühl, dass sie "missioniert" werden sollten, dann sinkt die Bereitschaft rapide, sich mit dem, was wir von unserem Glauben zeigen wollen, auseinanderzusetzen. Ermöglichen wir eine (Ergebnis-)offene Begegnung mit gelebtem Glauben, dann entstehen viel leichter tragfähige Kontakte und wir ermöglichen dabei sogar Distanz zu überwinden. Nicht selten machen hier Menschen wieder neu wertvolle Erfahrungen mit Kirche und christlichem Glauben, mit denen sie gar nicht gerechnet hätten.

Und wenn jetzt jemand sagt, man müsse ja nicht "jedes Wort auf die Goldwaage legen", man wisse doch, dass hinter den Worten "den Glauben weitergeben" ein wertvolles Anliegen steckt und wir als Christ*innen etwas weiterzugeben haben, dann würde ich mich dem gerne anschließen. Ich halte es aber für wahrscheinlich, dass sich auch an der Umsetzung dieser Worte die Verteilung der Ressourcen in unserer Landeskirche festmacht, und ich weiß, dass Worte bewusst und unbewusst Haltungen prägen.

Mich beschleicht die Befürchtung, dass aus diesen Worten eine verengte innerkirchliche Perspektive spricht: Wir als Kirche müssten "die Menschen" erreichen, satt die vielfältigen Begegnungen mit Kirche sinnvoll gestalten. Wir unter- und überfordern uns zugleich, indem wir meinen, wir müssten einfache Zugänge zur Liebe Gottes schaffen. Ich gehe davon aus, dass die Liebe Gottes ausstrahlt, sich seine Wege sogar durch Leid, Schuld und Schmerz hindurch sucht und seine Wege findet. Ich kann nur aufmerksam machen auf diese Liebe, also Zugänge zur Botschaft von der Liebe Gottes offen halten oder ermöglichen. Diese Zugänge sind nicht immer einfach, sie sollten aber vor allem tragfähig sein, damit unsere Botschaft auch den Lebenswirklichkeiten standhält.

Ich möchte die Begegnungen und Kontakte, die in vielfältiger Weise mit Kirche immer wieder an erwarteten und unerwarteten Orten da sind, so gestalten, dass unterschiedliche Menschen dabei wertvolle Erfahrungen machen können, Anstöße finden, um sich selbst mit Kirche und Glauben auseinandersetzen zu können und dabei ihren Ort in Nähe und Distanz frei wählen können. Und ich bin mir sicher, dass solche wertvollen Kontakten und Begegnungen weiterwirken.

Susanne Menzke, RPZ Heilsbronn
Mai 2019


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Mit Eltern zusammenarbeiten: © Stockwerk-Fotodesign / #67346310 / stock.adobe.com