Inspirationen

Spirituelle Impulse und Worte zum Nachdenken, geschrieben und gestaltet von Mitarbeitenden des RPZ, jeden Monat neu.

Segenswünsche zum neuen Schuljahr

Ein gutes neues Schuljahr wünsche ich Ihnen und mit mir wünschen das
alle Kolleginnen und Kollegen vom RPZ.

"Gut" meine ich im Sinne von "gesegnet".
Am Schuljahresanfang stehen für mich weniger Sonntagsreden und große Vorsätze,
die wir ja doch wieder nicht erfüllen können, sondern ganz schlicht die Bitte an Gott,
dass alles Kommende gesegnet sei.

Das neue Schuljahr wird seine schönen Seiten haben und seine schweren.
Wir werden wieder beides erleben und leben.
Wir werden jubeln, lachen, singen – und wir werden schweigen und uns bisweilen auf dem Boden wieder finden.

Jesus heißt übersetzt: Gott hilft.
In seinem Namen und mit der Hoffnung, dass sich erfüllen möge, was dieser Name sagt,
beginne ich, beginnen wir als Christ/innen, das neue Schuljahr.

"Gott hilft."
Da ist oft mehr Hoffnung drin als Erfahrung. Denn wer das sagen kann: "Gott hat geholfen", der weiß auch, dass es die anderen Stunden gibt, in denen man sich nur erinnern kann, an das, was einen einmal aufgerichtet hat. Und in denen es schwer zu glauben ist, dass beides wahr ist: das Dunkle wie das Helle.
Das Tasten nach Gott, wie die Erfahrung seiner Nähe.
Wer sie erfahren hat, hütet sie wie einen Schatz und sehnt sich danach, wie nach dem Licht.

Ich bitte Gott für uns und für alle, mit denen wir dieses neue Schuljahr beginnen.
Für alle, die wir neu kennen lernen werden und für alle, die uns fremd bleiben werden.
Ich bitte für alle, die unser soziales Klima bestimmen, die Macht und Einfluss haben,
dass sie nicht polarisieren, sondern sich um Verständigung und ein gutes Miteinander bemühen.

Ich bitte Gott für alle, die auf große Termine zugehen, die Abschlussprüfungen oder Examina zu bestehen haben oder ihren Ruhestand beginnen.
Für alle, die sich verlieben werden, die heiraten oder ein Kind erwarten.

Für alle bitte ich, die mit großen Sorgen in ihre Zukunft blicken, die in der Liebe verwundet sind und für alle, die um ihren Arbeitsplatz bangen.

Besonders bete ich für alle, die krank sind an Leib oder Seele
und für alle, die Lasten tragen, über die sie nicht sprechen können,
für alle, deren Leben auch im neuen Schuljahr scheinbar niemand sonderlich interessiert.

Für sie alle bete und bitte ich und danke schon jetzt für die Menschen,
die in diesem neuen Schuljahr wieder für uns da sein werden und uns wichtig sind,
wie die Luft zum Atmen.

Für die Kinder, die uns in der Schule anvertraut sind, bete ich und für alle Lehrkräfte:
Gib uns die Fähigkeit, auch unsere Grenzen anzunehmen, sorgsam umzugehen mit unserer Kraft. Erhalte uns die Freude an unserer Arbeit. Gib denen, die mutlos sind, neue Kräfte, neue Impulse.
Schenke uns immer wieder neu die Geduld und die Liebe zu den Kindern und Jugendlichen, dass wir ihnen jeden Tag neu mit offenem Herzen begegnen, ihnen gute Begleiterinnen und Begleiter sind auf ihrem Weg.
Mit ihnen Fragen stellen und Antworten versuchen. Mit ihnen Wege des Glaubens finden und gehen.

Gott segne und behüte uns alle. Im neuen Schuljahr 2019/20. Amen.

Herzlichst, Ihre Gudrun Wellhöfer
(Regionalstelle Oberfranken)
                       

August 2019

Fünf Inspirationen für sonnige und regnerische Augusttage

Eins: Wolken gucken
Setzen Sie sich für 20 Minuten ruhig hin, alleine oder mit einem Menschen, der auch schweigen kann. Gucken Sie in die Wolken. Das geht – außer bei wolkenlosem Himmel – bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit. Die Wolken werden ihre Form und Farbe wechseln. Entdecken Sie Figuren, Fantasiegebilde, Formationen. Sie können das alle vier bis fünf Minuten fotografieren, dann haben Sie auch später noch was davon.

Zwei: aus der Schublade ganz hinten
Ziehen Sie eine Schublade auf, die Sie selten öffnen, oder greifen Sie im Schrank ganz nach hinten. Vielleicht fällt Ihnen Ihre alte Blockflöte in die Hand. Oder das Kartenspiel mit den Sportwagen oder das Fußballer-Sammelheft. Wenn es die Flöte ist, dann probieren Sie aus, welche Töne Sie hervorlocken können. Sie sind jetzt ja frei vom früheren Unterrichtsstress. Wenn es das Kartenspiel ist, suchen Sie jemanden, der mit Ihnen Jagd macht auf die stärksten Motoren und höchste Geschwindigkeit.

Drei: eine biblische Erzählung verquer lesen
Schlagen Sie eine biblische Erzählung auf, die Ihnen gerade einfällt. Vielleicht eine, von der Sie meinen, Sie würden sie in- und auswendig kennen. Nehmen Sie sich drei Fragen und lesen Sie den Text unter diesem Blickwinkel: Wer stört? Wer ist gestört? Welche Wirkung hat die Störung? Oder: Wer liebt? Wer wird geliebt? Welche Wirkung hat das Lieben? Oder: Wer redet? Wer schweigt? Welche Wirkung haben das Reden und Schweigen?

Vier: Liebesbrief an mich selbst
Setzen Sie die rosarote Brille auf und schreiben Sie an sich selbst einen Liebesbrief. Sie dürfen aus dem Vollen schöpfen und sich mit verliebten Augen ansehen. Sparen Sie nicht mit Komplimenten. Nehmen Sie fürs Schreiben das Werkzeug, das Ihnen angenehm ist: Ihr Smartphone oder einen Füller und einen schönen Briefpapierbogen. Vielleicht hatten Sie das Briefpapier ja beim Griff in die Schublade (siehe zweite Inspiration) entdeckt.

Fünf: donnerstags einen Tagesspruch suchen
Nehmen Sie sich am Donnerstagabend (oder am Dienstag oder Mittwoch) fünf bis zehn Minuten Zeit. Gehen Sie in Gedanken Ihren Tag durch und überlegen Sie, welcher Spruch, welche Liedzeile, welcher Bibelvers zu Ihrem heutigen Tag, also zu Ihren Erlebnissen, Ihren Gedanken oder Ihren Gefühlen, passen könnte. Schreiben Sie sich diesen Spruch auf. Ende August haben Sie dann Impressionen aus vier bis fünf Wochen.

Gerda Gertz
(Referat Mittelschule am RPZ, Foto: Oleg Astakhov)
                       

Juli 2019


"Was für ein Vertrauen“ (2. Kön 18,19)  –

Was für ein Motto für einen Kirchentag!

Ich konnte ein paar Tage dabei sein und möchte Sie an einigen Eindrücken vom Kirchentag teilhaben lassen.
Das erste, was mir bei der Ankunft bereits auffiel, war die Freundlichkeit, mit der alle Anreisenden empfangen wurden. Auch wenn es an den Bahnsteigen oft eng wurde, blieben die Bediensteten der Verkehrsbetriebe ruhig. Zugewandt und freundlich empfand ich auch die vielen Helfenden an den unterschiedlichsten Stellen! Selbst wenn Kirchentagsbesucher*innen etwas ungehalten waren oder für sich Ausnahmen in Anspruch nehmen wollten, blieben die Helfer*innen stets hilfsbereit.

Verhungern musste auch niemand während der Tage. Viele Stände mit Biokost und das Gläserne Restaurant mit hervorragenden Menüs sorgten für zufriedene Mägen.

Sehr beeindruckt hat mich, dass das Thema "Flüchtlinge im Mittelmeer" viel Platz während des Kirchentages bekam. Eine kurzfristig angesetzte Großveranstaltung mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm und dem Bürgermeister aus Palermo / Sizilien trug dazu bei, dass sich auch mein Eindruck verstärkte, dass wir dazu aufgerufen sind, viel, viel mehr gegen das Elend der Flüchtlinge und vor allem gegen das Ertrinken im Mittelmeer zu tun. Nicht diejenigen sind kriminell, die diesen Menschen helfen, sondern die, die eben diese Menschen unter Strafe stellen, so hieß es öfter in den Tagen. Mich lässt dieses Thema seitdem nicht mehr los!
Der Bürgermeister Palermos, Leoluca Orlando, hat in eindrücklicher Weise geschildert, wie er Palermo zur sichersten Stadt Italiens und zu einem sicheren Hafen für Flüchtlinge gemacht hat. Es gibt für ihn keine Migranten, sondern alle, die dort leben, sind Bürger Palermos.
Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm appellierte mit viel Nachdruck an die Politiker etwas zu tun, vor allem, damit die jetzt seit vielen Tagen an Bord der Sea-Watch ausharrenden Flüchtlinge endlich Festland betreten dürfen.
Die internationale Organisation "Seebrücke" bereitete vor dem Opernhaus in Dortmund Transparente vor, auf die man Namen oder Zahlen der Toten, die im Mittelmeer gestorben sind und die man gefunden hatte, darauf schreiben konnte. "Jeder Mensch hat einen Namen!", so lautete das Motto – und auch wenn man ihn nicht mehr wusste, so hatte die Erinnerung an diese Menschen jetzt einen konkreten Platz und es wurde um sie getrauert! 35.597 Tote gab es bereits im Mittelmeer! Wie wichtig es ist, dass tote Menschen einen Platz haben, wissen wir spätestens seit den Weltkriegen, bei denen tausende Menschen vermisst wurden, teilweise noch werden oder in Konzentrationslagern oder in unterschiedlichen Kriegsgefangenenlagern umgekommen sind.
Auf dem Platz, auf dem die "Seebrücke" diese Aktion veranstaltete, stand bis zum 2. Weltkrieg die große Synagoge Dortmunds, die schon vor der Reichsprogramnacht abgetragen wurde, weil in unmittelbarer Nähe das NS-Hauptquartier stand und man nicht auf die Synagoge schauen wollte.

Beeindruckend und mutig sprach Dr. min. Sandra Bils in ihrer Predigt beim Schlussgottesdienst im BVB-Stadion auch über das Thema "Flüchtlinge im Mittelmeer" und verknüpfte es u. a. mit der Frage "Was ist Kirche heute?"

Neben der Flüchtlingsthematik ging es auch um die Erderwärmung und den Klimaschutz, um Fridays for future und um Nachhaltigkeit beim Kirchentag.

Diese Themen, die ja durchaus alle nicht leicht sind, waren durch das Kirchentagsmotto "Was für ein Vertrauen" getragen. Wer Vertrauen in Gott wagt, kann gestärkt sein. Sandra Bils hat im Schlussgottesdienst eindrücklich darauf verwiesen, dass das Sterben im Mittelmeer uns alle betrifft und wir als Christen heute mehr gefragt sind denn je!

"Was für ein Vertrauen!" – Werfen wir es nicht weg, sondern tun etwas!

Ihre Sabine Schwab    
(Referat Real- und Wirtschaftsschule am RPZ)                                   

Juni 2019

Ich mag den Juni sehr. Die Erdbeeren, das Licht. Keine Gefahr mehr von Nachtfrösten, der Zenit des Sommers ist noch lange nicht erreicht, Vieles, worauf man sich freut, liegt noch vor einem, nicht nur einer, sondern mehrere Abende im Biergarten, wieder mehr Radl fahren, der Urlaub, die Sommerfeste. Alles fühlt sich leichter an im Juni. Der Juni atmet Zuversicht.

Nur mittendrin, dieses Jahr am 16. Juni, liegt dieses Fest, das Trinitatisfest, das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit, für das ich meiner Gemeindepfarrerin eine Gottesdienstvertretung zugesagt habe, denn sie will es ja auch mal leichter haben im Juni und fährt in Urlaub. Ich bleibe zurück mit einem Fest, das es mir mitten im Juni schwer macht, denn während ich die Predigt schreibe, sehe ich vor meinem inneren Auge nicht diejenigen Weggefährten, die noch selbstverständlich beim Credo mitsprechen: Ich glaube an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, sondern ich sehe diejenigen vor mir, für die die einst vermeintlich so objektiven Heilstatsachen des christlichen Glaubens längst unglaubwürdig geworden sind.

Dabei ist das nicht neu. Schon Johann Wolfgang von Goethe hatte seine Probleme mit der Trinität: „Ich glaubte an Gott und die Natur und an den Sieg des Edlen über das Schlechte; aber das war den frommen Seelen nicht genug, ich sollte auch glauben, dass drei eins sei und eins drei; das aber widerstrebte dem Wahrheitsgefühl meiner Seele; auch sah ich nicht ein, dass mir damit auch nur im Mindesten wäre geholfen gewesen.“

Dass Jesus mehr gewesen sein soll als ein begnadeter Mensch, mit einem unendlich großen Herzen und viel Gottvertrauen, das können und wollen viele meiner Freundinnen und Freunde, nicht nur die ohne Konfession, sondern auch viele, die ich im Gottesdienst treffe,  nicht mehr glauben. Umgekehrt ist dann Gott nicht selten zurückgedrängt in maximale Ferne, beschränkt auf die philosophische Rolle einer vielleicht am Anfang aller Anfänge wirkenden ersten Ursache, warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts.

Dass er aber wirklich hineinwirkt, mitten in mein Leben, dass er bei mir ist und seine Hand mich tatsächlich hält, wie soll ich das vermitteln an Menschen, für die die Verbindung zwischen Gott und Mensch (für die Jesus ja einst stand) nicht mehr existiert? Da komme ich ins Schwitzen, mitten im Juni!

Klar sind Gott und Jesus auf den ersten Blick getrennt, Jesus war ein Mensch und Gott ist der jenseitige Schöpfer aller Dinge. Aber ist das Getrennte vielleicht doch vereint, miteinander vereinbar?

So paradox das klingt, wir kennen dieses Wunder der Verbindung des Getrennten nur zu gut, nämlich aus einer der tiefsten menschlichen Erfahrungen, nach der wir uns ein Leben lang sehnen und zurückerinnern, wir nennen diese wunderbare Erfahrung Liebe. Liebe, unendliche Nähe ist der Schlüssel zum ganzen christlichen Glauben, zur christlichen Erscheinungsform des Religiösen und zwar als Erfahrung, nicht als Behauptung. Davon könnte auch der Geheimrat Goethe noch profitieren. Liebe, Nähe zwischen Gott und Mensch, ist was wir Christen einbringen in das Konzert der Religionen, das viele Klänge kennt. Die Liebe, wenn sie lebt, überwindet das Getrennte, in immer wieder neuen Anläufen. Für die Dynamik, die dafür nötig ist, steht im christlichen Gottesbild der Heilige Geist. Viele Brautpaare bekommen - gerade jetzt im Juni - deshalb einen Satz aus dem 2. Timotheusbrief mit auf den gemeinsamen Liebes-Weg: Denn Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2. Tim 1,7). Kraft, Liebe und Besonnenheit, daraus ist der Heilige Geist gemacht, der nichts anderes meint als Liebe.

Dass Gott uns Menschen in Jesus unendlich nahe kommt und dass auch unter uns durch seinen Geist die Schranken fallen können, das kann man durch nichts unglaubwürdiger machen als dadurch, dass man es einfach als Glaubenstatsache behauptet. Das kann man nur tastend erahnen wie das Kribbeln auf der Haut eines geliebten und liebenden Menschen, das muss man einüben, Tag und Nacht. Wollte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, dass man es meinem Trinitatis-Gottesdienst abspürt.

Heiner Aldebert
(Regionalstelle Oberbayern)

Bild: "Dreifaltigkeitsikone" von Andrei Rubljow (etwa 1411)

Mai 2019

Hoffnung, das übelste aller Übel?

Ist das eine Frage für den Wonnemonat Mai, in dem alles so auf Zukunft ausgelegt ist – von der Natur bis zu den Herzen der Menschen?

Um sich dem Begriff Hoffnung zu nähern, hilft vielleicht ein Blick in die griechische Mythologie: Nach dieser ist Pandora die erste Frau, die es auf der Welt gab. Zeus, der höchste Gott im griechischen Pantheon, gab ihr eines Tages eine Büchse. Die sollte Pandora an die Menschen weitergeben, ihnen aber verbieten, sie zu öffnen. Doch – wie in jeder guten Geschichte – ist sie neugierig und öffnet sie selbst. Damit kommen alle Übel, die in dieser Büchse sind, auf die Welt und zu den Menschen. Sie schließt sie schnell wieder. So bleibt am Ende nur noch die Hoffnung in der Büchse der Pandora zurück – mitten unter all den Übeln war sie mit dabei. War sie die einzige gute Eigenschaft oder sollte Nietzsche Recht haben, wenn er sagt, die Hoffnung sei in Wahrheit das größte Übel aller in der Büchse befindlichen Flüche? Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch wenn er noch so sehr durch die anderen Übel gequält wird, das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: Sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.

Große Hoffnungen haben Geschichte geschrieben. Die großen Erzählungen der Menschheit sind Erklär-Geschichten und im Kern meist Hoffnungsgeschichten. Vielleicht hat ja Nietzsche doch Recht: Hoffnung hält am Leben, aber um welchen Preis?

Die großen Mythen von der Hoffnung auf ein Gutes nach dieser Zeit, egal ob die liberale Narration, die kommunistische, die christliche, alle gehen davon aus, dass am Ende alles gut werden wird, auch wenn bis dahin noch so manches tiefe Tal zu durchschreiten ist. Das gute Ende soll dafür entschädigen. Hat also doch Nietzsche Recht? Die Menschen werden in der Hoffnung auf die gute Zeit danach in die Katastrophe geschickt?

Wie schaut es überhaupt aus mit unseren Zukunftsperspektiven? Haben wir Hoffnung für uns, unsere Söhne und Enkel, unsere Töchter und Urenkelinnen, für unsere Schülerinnen und Schüler, für die nächste und übernächste Generation?

Hoffnungsvoll zu sein fällt in den letzten Jahrzehnten immer schwerer. Dies mag auch daran liegen, dass alle großen Geschichten, alle tragfähigen und in der Historie gewachsenen Narrationen, nicht mehr tragfähig erscheinen.

Politisch sind die letzten Jahrzehnte in Deutschland und Europa davon geprägt, das Erreichte zu erhalten. Erhalten wollen ist keine Perspektive, sondern hängt an der Vergangenheit.

Welche Geschichten und welche Bilder sind dann tragfähig?

Reichtum und Wohlstand für alle? Die Freiheit der Gedanken und Worte? Die Liebe Gottes zu allen Menschen? Hilfe und Beistand in Not? Sind das Zukunftsgeschichten? Sind das Hoffnungsgeschichten?

Ich bin selbst Suchender und weiß keine befriedigende Antwort. Vielleicht ist es am Wichtigsten zuzugeben, dass wir nicht weiterwissen, dass wir Menschen den Karren nicht so einfach wieder flottkriegen, den wir ganz schön in den Dreck gefahren haben. Und dass wir alle Suchende sind, Suchende nach einem Weg aus dieser verfahrenen Situation heraus.

Vielleicht ist es wichtiger, mit leeren Händen dazustehen wie die Jünger um Jesus im Johannesevangelium und zu fragen: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Zukunftsworte, die Worte des ewigen Lebens, die vielleicht neue Perspektiven eröffnen können.

Ich hoffe, wir werden gemeinsam wieder fündig. Hoffnungsgeschichten sind gut für uns alle, die wir auf dieser Welt leben.

Hans Burkhardt
(Regionalstelle Unterfranken)

April 2019

Das Buch "Kraftquelle Gehen" von Klaus Bovers und Christine Paxmann¹ hat meine Aufmerksamkeit geweckt.

Toller Titel, dachte ich - aber Gehen eine Kraftquelle? Nun, die ersten Sonnenstrahlen ziehen mich raus in die Natur. Nach dem langen Winter ist jeder Schritt in der Sonne wohltuend. Je länger ich darin geblättert und gelesen habe, desto mehr hat es mich fasziniert. Gehen ist die älteste Sportart, Gehen war in früheren Zeiten das meist benutzte "Verkehrsmittel", um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Heute gilt Gehen als Medizin, Heilkraft. Gehen wird z. B. verordnet, wenn der Blutdruck zu hoch ist oder Stress bewältigt werden soll. Gehen in der Natur ist nicht nur Sache der Beine, sondern auch des Kopfes. Wenn der Körper in Bewegung kommt, kommt auch der Geist in Bewegung. Wir sind dazu geboren, zu gehen. Die Welt, die wir mit unseren Füßen erkunden, ist vertraute Welt. Dies und noch viel mehr lese ich da.

"Kraftquelle Gehen" ist ein Buch mit praktischen Tipps. Das Wissen um die Kraftquelle des Gehens haben viele Pilger erlebt. An einem Satz von Sören Kierkegaard bin ich hängen geblieben:
"Ich habe meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann." (S. 42)
Dazu fällt mir die Geschichte von den Emmausjüngern ein. Sie machen sich in ihrem Kummer um Jesu Tod auf den Weg. Im Miteinander Gehen und Reden ist der Kummer offensichtlich leichter zu ertragen. Als dann der fremde, einsame Wanderer zu ihnen stößt, werden sie durch seine Fragen zum Nachdenken angeregt. Sie sprechen von ihren Hoffnungen und Enttäuschungen. Und Jesus geht mit ihnen, Worte und Beine kommen in Gleichklang. Ungefähr zwei Stunden gehen sie, Jesus erzählt ihnen die alten Geschichten von Mose und den Propheten. Er geht mit ihnen und will mit diesen Geschichten dem unfassbaren Geschehen einen Sinn geben. Und es bewegt sich etwas. Am Ziel angekommen, bitten sie ihn zu bleiben. Beim Brotbrechen erkennen sie ihn. Sie fragen sich: "Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Weg und uns die Schrift öffnete?" (Lk 24,32) Sie spüren neue Kraft und gehen zurück, beschwingt und wie neugeboren. Oder mit Kierkegaard zu sagen: Sie haben sich die besten Gedanken durch Worte aus der Bibel ergangen, und ihren Kummer weggegangen.

In diesem Sinn wünsche ich in den kommenden Wochen und Feiertagen viele Gelegenheiten zu gehen, um gute Gedanken zu bewegen, oder sich auch den einen oder anderen Kummer wegzugehen.

Gerlinde Tröbs
(Referat FRED/Ganztagsschule am RPZ)

¹ Bovers, Klaus / Paxmann, Christine: Kraftquelle Gehen. Beim Gehen, Laufen, Wandern klüger, fitter und glücklicher werden. - München : BLV Buchverlag, 2018. - ISBN 978-3-8354-1775-5

März 2019

"Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen" (Martin Luther, EG 518)

Damals am See Genezareth konnte es geschehen, dass plötzlich ein Sturm aufkam. Von einer solchen Begebenheit erzählt eine biblische Geschichte (Mk 4,35-41).
Ein gewaltiger Sturm kommt auf und das Boot, in dem Jesus mit seinen Jünger*innen unterwegs ist, wird schon von den Wellen bedeckt.
Wenn erst einmal das Wasser über Bord kommt, dann ist das mögliche Ende, der Untergang vor Augen. Dann kommt Angst auf. Todesangst. Angst zu ertrinken.
Aber Jesus schläft mitten im Sturm.
Sie wecken ihn auf und sagen:
Herr, hilf, wir kommen um!
Da stand Jesus auf, bedrohte den Wind und das Meer. Und da wurde es ganz still.
Sein Wort bringt Wind und Meer zur Ruhe.

"Glauben" heißt nun nicht, das Erzählte für wahr halten zu müssen in einem historischen Sinne. Denn das wäre eigentlich gar kein Glaube, sondern lediglich eine historische Meinung.

Worum geht es dann?
Es geht nicht um damals, es geht um heute.
Es geht um meine Angst - in der Tiefe um meine Todesangst. Es geht um die Stürme, die mich ins Wanken bringen. Und es stellt sich die Frage nach meinem Glauben ("Warum seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben"? Mk 4,40).

Die Geschichte von der Sturmstillung ist für mich weit mehr ein Bild als ein damals geschehenes, "historisches" Ereignis.
Die existenzielle Frage lautet: Wie kann ich überhaupt leben angesichts der Tatsache, dass jederzeit eine Welle oder gar ein Tsunami über das Lebensschiff schwappen könnte, so dass es untergeht?

Was ist, wenn ein Sturm kommt und die Wellen über das Boot hinweg gehen?
Was ist, wenn alles was ich bin und habe hinweggefegt ist und das Wasser bis zum Hals steht?

Es wird erzählt, dass Martin Luther als junger Mann einmal in ein Gewitter hineingekommen war. Unmittelbar an seiner Seite wurde der Freund von einem Blitz erschlagen.
Für ihn begann damit das Suchen und Fragen nach Gott.
Später hat Luther gesagt: Wenn es dich trifft, dann sollst du von Gott zu Gott fliehen. Von dem in der Naturerfahrung verborgenen Gott zu dem in Jesus Christus offenbaren Gott.
Denn dort, in dem gekreuzigten Christus, findest du Gott, seine Liebe und das ewige Leben.

Insofern taten die Jünger auf dem Schiff am See Genezareth genau das Richtige, indem sie Jesus weckten und sagten: "Herr, hilf, wir gehen unter!"

Indem sie ihn auf-wecken, wird er auferweckt in ihren Glauben hinein.
Schauen wir dieses Bild an! Da schläft Jesus mitten im Sturm. Was ihn umgibt, sind nicht die anstürmenden Wogen, sondern einzig die Hände Gottes. Das Bild des Schlafes ist ein Bild der Geborgenheit in Gott.

Von Jesus geht ein Vertrauen aus, in dem er uns den unsichtbaren Händen Gottes zurückgibt,
die uns schufen, die uns geformt haben, die uns tragen, so lange wir sind, die uns aufnehmen am jenseitigen Ufer.

Es gibt eine Angst, die geht tiefer als die psychologische Angst. Bei der geht es nicht nur um die Abgründe der Seele, sondern um den Abgrund des Lebens: das drohende Nichts, die Todesverfallenheit.
Darum gilt es, uns noch tiefer zu verankern, dort, wo noch unterhalb der aufgewühlten See uns ein fester Boden Halt gibt.
Diesen festen Boden nennt Jesus "Glauben".
Als ein Sich-Verankern in Gott.

Mit seinem Wort bringt Jesus den Sturm und die Wellen zur Ruhe. Und die Menschen fragen sich:
"Was ist das für ein Mann, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind?"

Dass Wind und Meer ihm gehorsam sind bedeutet: Die Mächte und Gewalten, die uns bedrohen und die uns ängstigen, haben nicht das letzte Wort.
Die wunderbare Geschichte von der Stillung des Sturmes ist – mitten in der Passionszeit – bereits eine Ostergeschichte, so dass es eigentlich heißen müsste: Mitten wir im Tode sind, von dem Leben umfangen.

Helmut Goßler
(Regionalstelle Schwaben)

Bild: "Christus im Sturm auf dem See Genezareth", Rembrandt, 1633

Februar 2019

Der Apfel ist in Verruf geraten! Schade, denn wenn ich einen Apfel sehe, denke ich an den gedeckten Apfelkuchen meiner Mutter, oder einen feinen italienischen Apfelkuchen mit einem Guss aus Sahne und Mandeln – oder an blühende Apfelbäume.
Theologisch hat allerdings dieses Obst einen schlechten Ruf – zu Unrecht!
Natürlich – es geht um den berühmten Apfel, von dem Eva im Garten Eden gegessen haben soll und um die verhängnisvollen Folgen.
Aber da haben wir schon den ersten Fehler: Nirgends in dem Text ist von einem Apfel die Rede. Es wird nur eine Frucht genannt, nicht näher bestimmt – irgendeine Frucht! Eigentlich ist der Apfel jetzt schon rehabilitiert – aber ich finde, dass die Geschichte von Adam und Eva noch eine genauere Betrachtung verdient.
Was haben die beiden denn eigentlich so Schlimmes verbrochen, dass sie als Urgrund der Sünde in die Schulbücher eingegangen sind?
Also Gott erschafft die beiden – Adam (der Mensch) aus Erde und Eva (eigentlich: die Menschin) aus seiner Rippe. Und dann setzte er die beiden in einen Garten, in dem sie glücklich und sorglos mit allen Tieren zusammen leben konnten. Sie sollten nur nicht vom Baum des ewigen Lebens und von dem Baum der Erkenntnis essen.
So weit, so gut!
Jetzt kommt das klügste Tier ins Spiel – die Schlange. Und, wie sich herausstellt, ist sie wirklich klug: "Warum sollt ihr von dem Baum nicht essen?" fragt sie – "Weil wir dann sterben!", erwidert Eva. Als ob der Baum giftige Früchte tragen würde. Die Schlange weiß es besser: "Nein, ihr werdet keineswegs sterben, sondern klug werden." Erstaunlicherweise hat die Schlange recht. Die beiden essen von dem Baum und sterben keineswegs. Offensichtlich war die Drohung Gottes nicht ganz richtig, so wie man, zumindest früher, Kindern Angst gemacht hat, dass irgend etwas Fürchterliches eintreten würde, wenn sie nicht gehorchen (Der Nachtgieger kommt – zumindest in Franken - etc.). Kommen wir zur Folge der Apfeldiät. Sie erkennen, was gut und böse ist! Da Adam und Eva dies vorher noch nicht unterscheiden konnten, kann man ihnen auch nicht zur Last legen, dass sie von der Frucht gegessen haben. Wie sollten sie es wissen? Wieder drängt sich der Vergleich von kleinen Kindern auf, die die Folgen ihres Tuns nicht abschätzen und auch nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Hervorragend passt die nächste Folge des Essens von der Frucht in das Bild: Sie schämen sich, dass sie nackt sind. Auch hier drängt sich das Bild von kleinen Kindern auf, die völlig selbstverständlich zusammen nackt in der Badewanne spielen.
Die Zeit der unbedarften Kindheit ist vorbei. Und sogleich wird dies durch die Beurteilung von Gott unterstrichen. Als ob Gott erschrecken würde über das, was seine beiden Kleinen angestellt haben, fragt er, ob sie etwa von dem Baum gegessen haben, der doch so gefährlich ist. Jetzt haben wir den Salat: Vorbei mit der Kindheit! Der Ernst des Lebens wird beginnen. Man muss für sein Überleben hart arbeiten, wilde Tiere und Schlangen bedrohen das Leben, und der Fortbestand der Menschheit kann nur durch risikoreiche und schmerzhafte Geburten von Kindern gelingen.
Aber Gott ist ein überaus fürsorgliches Wesen, das sich um seine Kinder sorgt. Er macht ihnen Kleider aus Fellen, nicht genug damit – er zieht sie ihnen sogar an. Welch schönes, fürsorgliches Bild für Gott, der seine beiden nun in die Ferne entlassen muss. Aber warum müssen die beiden denn überhaupt gehen? Auch das erklärt der Text: Sie sind jetzt fast wie "welche von uns" und wissen, was gut und böse ist. Aber sie sollen Menschen bleiben und nicht zu Göttern werden. Deshalb müssen sie hinaus aus dem Garten, weil ja dort noch der zweite Baum steht – der Baum des Lebens – und wenn sie von dem auch noch essen, werden sie unsterblich. Das darf nun wirklich nicht geschehen – deshalb steht der Cherubim mit dem flammenden Schwert als Wächter davor. Aber von einer Strafe ist nicht die Rede!
Ich sehe Gott direkt vor mir, wie er wehmütig den beiden nachschaut, wie eine Mutter, deren Kind das erste Mal alleine in den Kindergarten geht – oder das auszieht, in eine andere Stadt, um zu studieren.

Was für ein realistisches Bild von uns Menschen und unserem Leben wird hier gezeichnet. Was für ein faszinierendes Bild eines sorgenden Gottes zeigt die Geschichte.
Ach ja, wo bleibt der Sündenfall?
Tatsächlich wird von Sünde erst im nächsten Kapitel der Bibel gesprochen. Auch diese Geschichte ist bekannt: Kain und Abel! Als Kain voll Neid auf Abel und aus Scham darüber, dass sein Opfer nicht angenommen wird, zornig "ergrimmt", spricht Gott ermahnende Worte zu ihm: Die Sünde lauert vor der Tür, du sollst aber über die Sünde herrschen – und dich beherrschen. Der weise Ratschlag findet kein Gehör, und der Zorn Abels führt zum Brudermord. Aber trotzdem wird Gott wieder als sorgende Gestalt beschrieben. Kain muss in die Fremde, er hat die Konsequenzen seines Tuns zu tragen, aber Gott schützt ihn, den Brudermörder, mit einem Zeichen.

Ich erinnere an diese beiden Geschichten, weil sie jeder kennt und trotzdem oft so missgedeutet werden.
Sie beschreiben sehr treffend die Existenz von uns Menschen: Wir "haben vom Baum der Erkenntnis gegessen" – bedeutet, wir können unterscheiden zwischen Gut und Böse. Zumindest meistens. Wir sind erwachsen! (Auch wenn nicht selten der Eindruck entsteht, dass viele in der Pubertät stecken geblieben sind) Wir sind nicht im Zustand des nichtwissenden Kindes, das die Folgen seines Tuns nicht abschätzen kann. Und Gott traut uns durchaus zu, dass wir über die Sünde, die vor der Tür lauert, herrschen können. Buße verstehe ich so, dass wir uns Zeit und Raum nehmen zu bedenken, wo für uns die Sünde vor der Tür lauert. Z. B. Wo geht es mir wie Kain – fühle ich mich ungerecht behandelt (von Gott – oder vom Leben) oder wo nagt der Neid an mir?
Und über – oder hinter all dem Nachdenken steht ein wohlwollender Gott, der uns lehren will mit den Herausforderungen des Lebens so umzugehen, dass wir der Sünde nicht erliegen. Voll Verständnis für uns und unsere Schwächen, aber voll Leidenschaft und bestimmt auch oft mit einem Haareraufen und verzweifelten Kopfschütteln – aber trotzdem liebevoll.

Ulrich Jung
(Referat Förderschulen am RPZ)

Januar 2019

Jahreslosung 2019: Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34,15)

Die Friedensfrage

Das Wort Frieden
ist ein Hauptwort.
Das hatten wir schon
in der Schule.

Aber wie heißt nun,
zum Hauptwort Frieden,
das Tätigkeitswort?
WO LERNEN WIR DAS?

Was wäre, wenn ...
... wir einmal die äußerliche Fassade ablegten,
... wenn die tausend Masken, hinter denen wir uns verstecken, wir einmal fallen ließen,
... wenn wir die Rüstung, die uns unangreifbar machen soll, einmal beiseite legten?

Was wäre, wenn wir den Mut hätten, uns doch mal berührbar und verletzlich zu zeigen, wenn unsere Ungeschütztheit ihren Schrecken verlöre, und wir uns begegneten – so wie wir wirklich sind? Vielleicht wäre nicht gleich Friede möglich, aber es gäbe eine heilsame Nähe.
Nähe – nicht nur zu den anderen, sondern auch zu uns selbst. Womöglich würden Grenzen überwunden, die unverrückbar schienen, wären neue Begegnungen möglich – untereinander und auch mit uns selbst. Von Martin Buber, dem berühmten jüdischen Philosophen (1878-1965), ist ein Gedanke überliefert, der die Unverzichtbarkeit wahrer Begegnung verdeutlicht, gerade auch für die eigene Selbstwerdung:
»Ich werde am Du; Ich werdend spreche ich Du. Alles wirkliche Leben ist Begegnung.«

Ein neueres Kirchenlied stellt die Friedensfrage in einen ganz weiten, transzendenten Horizont:
Wo Menschen sich verbünden,
den Hass überwinden
und neu beginnen, ganz neu:
da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns.

Hören Sie doch einmal selbst in eine der Interpretationen dieses Liedes hinein: www.youtube.com

Ein gesegnetes friedvolles Jahr 2019 wünsche ich uns allen!

Vera Utzschneider
(Referat Gymnasium am RPZ)

Text- und Bildnachweise:
- »Die Friedensfrage« Text: Horst Glossner
- Martin Buber-Zitat: Aus Martin Buber, Ich und Du (1923). In: Das Dialogische Prinzip.Verlag Lambert Schneider, 4. Aufl. Heidelberg 1979, zit. nach: www.celtoslavica.de/sophia/Buber.html, abgelesen am 17.12.2018.
- Kirchenlied: »Wo Menschen…» Text: Thomas Laubach, zit. aus »Alive. Das ökumenische Jugendliederbuch für Schule und Gemeinde«, Claudius-Verlag München 2008, Lied Nr. 141 Strophe 3.
- Bild: Skulptur "Junge Frau mit Spiegel", Stephan Guber, 2018, Foto: Udo Fertig

Dezember 2018

Das Smartphone piept – Terminerinnerung. Ein Blick auf den Kalender – die nächsten Wochen sind durchgetaktet. Überhaupt verlangen diese Tage wieder einmal Organisationstalent, um alles unterzubekommen. Schließlich wollen neben den zahlreichen dienstlichen Terminen auch private Verabredungen und Verpflichtungen untergebracht werden. Diverse Weihnachtsfeiern stehen auf dem Programm, der Besuch auf ein paar Weihnachtsmärkten, Geschenke wollen gekauft werden, das Weihnachtsessen organisiert werden und den Skiurlaub muss ich auch endlich fix buchen. Geht schon alles – hat in den vergangenen Jahren auch immer geklappt. Aber wie…

Mir kommt eine Geschichte in den Sinn, die ich kürzlich erst irgendwo gelesen habe:

Ein Professor an einer Verwaltungshochschule wurde gebeten, einen Vortrag für Firmenchefs einiger großer Unternehmen zu halten. Sie wollten eine Vorlesung über sinnvolle Zeitnutzung von ihm hören und gaben ihm in ihrem Tagungsprogramm dafür eine Stunde Zeit.

Am Tag des Vortrags stand der Professor an seinem Rednerpult und betrachtete die gespannte Gruppe. Jeden Einzelnen. In aller Ruhe. Dann sagte er: "Wir werden ein Experiment machen." Er zog ein Goldfischglas unter seinem Pult hervor, dann holte er einige tischtennisballgroße Kieselsteine. Behutsam legte er sie in das Glas. Einen nach dem anderen. Bis das Aquarium randvoll war. Dann fragte er sein Publikum: "Ist das Glas voll?" – "Ja", lautete die Antwort aus der Gruppe.

Der Professor griff noch einmal unter sein Pult und holte einen Beutel mit feinem Schotter. Er verteilte die kleinen Steinchen zwischen die großen Steine, bewegte diese etwas, bis die kleinen Schottersteine zwischen den großen Kieselsteinen verteilt hatten. Wieder fragte er sein Publikum: "Ist das Glas voll?" – "Wahrscheinlich nicht", antwortete einer aus der Gruppe.

Wieder zog der Professor etwas unter seinem Pult hervor. Diesmal ein Säckchen voll Sand. Er füllte den Sand in das Glas und dieser verteilte sich darin, bis in die kleinsten Hohlräume. Schließlich griff der Professor nach einer Wasserkanne auf seinem Pult und goss auch das Wasser in das gläserne Gefäß, bis es randvoll war. Der Professor blickte ins Publikum: "Sie wollten, dass wir uns über den sinnvollen Umgang mit Zeit beschäftigen. Was können wir nun von diesem Experiment lernen?" – Es dauerte einen Augenblick, bis sich einer der Firmenchefs meldete und sagte: "Egal, wie voll unser Terminkalender ist, wir können immer noch den einen oder anderen Termin einschieben."

"Nein", antwortete der Professor. "Wir können aus diesem Experiment etwas anderes lernen: Wenn wir nicht zuerst die großen Kieselsteine in das Glas legen, werden sie später niemals alle hineinpassen. Macht euch zuerst Gedanken um die großen Kieselsteine in eurem Leben – vielleicht Familie, Freunde, vertraute Gespräche, Erholung, Träume... Wenn ihr zuerst auf die Kleinigkeiten achtet, den Schotter, den Sand, dann verbringt ihr euer Leben auch mit diesen Kleinigkeiten und habt nicht mehr genug Zeit für die wichtigen Dinge. Was sind die großen Kieselsteine in eurem Leben? Legt diese zuerst in den Krug."*

Sinnvoll genutzte Zeit beginnt nicht damit, den Terminkalender zu füllen. Sondern damit, das eigene Leben und den eigenen Lebensstil zu hinterfragen. Wir haben gerade den November hinter uns gebracht – den Ewigkeitssonntag begangen. Wir werden uns bewusst, dass unsere Zeit nicht unendlich ist. In diesem Bewusstsein und mit dem Blick auf das Leben und Hoffnung schenkende Weihnachtsfest können vielleicht auch die großen Kieselsteine des Lebens neu in den Vordergrund treten.

Patrick Grasser

(Referat Inklusion am RPZ)

*Erzählt nach einer unbekannten Quelle

November 2018

Wenn der Himmel die dunklen Wolken vertreibt

Manchmal kann einem dieses diesige und graue Herbstwetter ganz schön auf die Nerven gehen: Morgens bleibt es ewig lange noch duster und das nasskalte Wetter tagsüber lässt die Erinnerung an die vergangenen sonnendurchfluteten Tage und Abende nur noch umso schmerzhafter erscheinen:

Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende entgegen, wieder bin ich älter geworden, wieder sind ungenutzte Chancen unwiederbringlich vorbeigegangen... Manchmal scheint es, dass die trübe Jahreszeit auch die Sichtweise auf die dunklen Wolken unseres Lebenshimmels verstärkt. Eine unbestimmte Dunkelheit schlägt sich auf unsere Stimmungslage nieder. Man schätzt, dass bereits sogar bis zu 10% Prozent von Grundschülern davon betroffen sein können. Jeder von uns kennt solche Lebensphasen. Manchmal verstecken sich solche Gefühlslagen auch geschickt unter ganz anderen Symptomen. Ich denke an einen Schüler, dessen Aufsässigkeit und Unterrichtsstörungen mich regelmäßig zur Weißglut getrieben haben. Dass sich dahinter eine Depression und ein belastendes Familienleben mit einem alkoholkranken Vater verborgen hat, das wurde mir erst viel später bewusst.

Es kann eine Veranlagung, ein bestimmter Anlass oder die Verkettung unglücklicher Umstände sein, die eine Depression auslösen. Wenn dann Angehörige oder ein ganzes Lehrerkollegium darunter leiden, kann ein qualifiziertes Gespräch, ein entlastendes Netzwerk, hilfreich sein. Der Schulpsychologe und die Kontaktaufnahme mit den Eltern haben im geschilderten Fall sehr geholfen. Ja und manchmal gibt es auch diese Fügungen des Schicksals, die sogar die Wirkung von Antidepressiva und aufwendigen Therapiesitzungen noch toppen können:

Es läutet und der erwähnte aufsässige Schüler steht vor meiner Haustür. Er bittet mich, ihn und seine zukünftige Frau zu trauen. Ich war ganz erstaunt, wie freundlich, aufgeschlossen und sensibel dieser junge Mann zwischenzeitlich geworden ist. "Da muss im Himmel jemand an mich gedacht haben, dass ich dieser Frau begegnet bin" sagt er mir. Und dann erzählt er über die Verspätung der S-Bahn, dem überfüllten Zug und dem Blick zu dieser Frau, die ihn damals wie ein Blitz getroffen hat. "Mit ihr kann ich über alles reden, wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass wir füreinander geschaffen sind." Und ich denke mir: Vielleicht hat er trotz aller Störungen im Religionsunterricht doch mitbekommen, wie wichtig und heilsam es ist zu wissen, dass es jemanden gibt, der bedingungslos zu mir hält, egal ob im Himmel oder auf der Erde und auch: Dass es im Leben doch noch einen guten Ausgang nehmen kann. Auch wenn ich mir das gar nicht mehr vorstellen kann.

Tiefdruckgebiete des Lebens können sich tatsächlich manchmal ganz ohne Medikamente und Therapiesitzungen wieder auflösen. Es scheint, dass es da eine Art innere Heilung gibt, die uns ganz unbewusst zu Ärzten macht. Und wenn es mich einmal selber trifft, dann möchte auch ich damit rechnen: Der Himmel wird mir im rechten Moment ein Geschenk schicken und meine dunklen Wolken vertreiben.

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Offb. 21,2 (Monatsspruch November 2018)

Thomas Krüger
(Regionalstelle Niederbayern/Oberpfalz)

Foto: Ulrich Jung

Oktober 2018

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.
Ps 38,10 (E)

Wir saßen im Kollegium zusammen, haben uns Bibeltexte erschlossen, theologische Einsichten ausgetauscht und über gelingendes Leben und glückende Gemeinschaft diskutiert. Wir waren angeregt und gut gelaunt. Da legte ein Kollege Widerspruch ein: Wir sollten nicht vergessen, dass das Reden über gelingendes Leben auch seine Grenzen habe. Es gebe Menschen, die schwer traumatisiert seien, Menschen mit Depressionen, Menschen, denen das Leben übel mitgespielt habe.

Und nun lese ich Psalm 38, dem der Monatsspruch für den Oktober entnommen ist. Was für ein Klagelied! Was für ein Leben! "Meine Wunden stinken und eitern. ... Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig einher. Ich bin matt geworden und ganz erschlagen; ich schreie vor Unruhe meines Herzen." (38,6.7.9) Kann ich dazu "Inspirationen" schreiben?

Ich halte inne und lasse die Worte auf mich wirken. Na ja, ich kenne Tage, sogar Wochen, an denen ich krumm ging und ganz erschlagen war. Aber was ist das angesichts des Leids des Menschen aus Psalm 38. Ich werde dankbar und demütig. Mir wird klar, dass ich nicht immer von mir auf andere schließen kann. Viel zu oft bringe ich meine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse ins Spiel. Und ich vergesse, dass das Leben anderer und ihre Erfahrungen fern meiner Vorstellungen sein können. "Wir sollten nicht vergessen, dass das Reden über gelingendes Leben auch seine Grenzen hat." Danke, lieber Kollege, dass du mich daran erinnert hast.

Gerda Gertz
(Referat Mittelschule am RPZ)

Quellenangaben:
Monatsspruch: E = Einheitsübersetzung
Bibelverse im Text: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Foto: Oleg Astakhov

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