Buchtipps

Hier stellen wir Ihnen Bücher und Arbeitshilfen vor, die wir für den Unterricht sowie zur eigenen fachlichen Fortbildung empfehlen. Bei den Veröffentlichungen, die Themen des LehrplanPLUS Mittelschule aufgreifen, haben wir die entsprechenden Lernbereiche vermerkt.

Manche Bücher hätten wir in mehreren Rubriken einstellen können. Deshalb lohnt sich ein Blick in alle Abteilungen!

Neu vorgestellt

100 Experimente mit Gott - Von Abenteuer bis Zuversicht

Susanne Niemeyer, Verlag Herder GmbH, Freiburg 2018², 157 Seiten, DIN A 5, Paperback, 10,- €; ISBN: 978-3-451-03102-1

"Wenn Gott dir täglich einen Satz zuflüsterte – was sollte er sagen?" (S. 43), "Wo findet dich das Glück?" (S. 115), "Sollte es eine Hölle geben, wofür würdest du büßen?" (S. 85) - Vielfältige Impulse, Zeichnungen und kurze Texte zum Weiterdenken über sich selbst, das Leben und Gott sowie hin und wieder zum Weiterschreiben und -gestalten bietet Susanne Niemeyer in ihrem Buch an. Es macht Freude darin zu blättern und sich anregen zu lassen. Für Religions- und Ethiklehrkräfte ist die Sammlung eine Fundgrube zu diversen Lernbereichen der Sekundarstufe I. Einige Texte und Gedichte setzen eine gewisse sprachliche Gewandtheit voraus, andere Impulse können auch in unteren Jahrgangsstufen verwendet werden.

Pro Seite gibt es nur einen Gedankenanstoß, das macht das handliche und preisgünstige Büchlein übersichtlich. Die einzelnen Seiten bzw. Doppelseiten versieht die Autorin mit einem Stichwort als Überschrift. Das ist eigentlich unnötig, dient aber als Ordnungssystem, vor allem für das Inhaltsverzeichnis. Bei einigen Illustrationen wünscht man sich eine farbige Gestaltung, die könnte aber bei manchen Zeichnungen in Eigenregie nachgeholt werden.

Bei so vielen Impulsen und Anregungen ist es sehr bedauerlich, dass es keine Angebote und Impulse dafür gibt, Gott weiblich zu denken. Es wird z. B. in den kurzen Geschichten nur in der männlichen Sprachform von Gott erzählt. In dieser Hinsicht bleiben die "100 Experimente mit Gott" einseitig und lückenhaft.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 7.2 "Auf dem Weg zu gelingendem Leben – Scheitern und Neubeginn", Lernbereich 8.5 "Christlicher Glaube – vielfältig und konkret", Lernbereich 10.1 "Die Frage nach Gott", Lernbereich 10.4 "Weitergehen – was Hoffnung gibt" u. a.

Gerda Gertz, RPZ Heilsbronn, September 2019

Theologie / Bibel / Kirchengeschichte

Aller Anfang

Jürg Schubiger/Franz Hohler, mit Illustrationen von Jutta Bauer, Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel, 5. Aufl. 2013, 128 S., ISBN 978-3-407-79914-2

Menschen mit Humor und Lust an feinsinnigen Geschichten sei dieses Buch empfohlen. Es gehört eindeutig zu meinen Lieblingsbüchern.
"Wie die Welt angefangen hat! Zwei Dichter erzählen und mutmaßen in 34 Hin- und Hergeschichten von der Schöpfung…" (S. 9). Die kurzen Erzählungen über Gott und die Menschen, über die Schöpfung und den Anfang von allem sind heiter, ernst, wundersam und manchmal irritierend. Wie war es früher, als die Welt noch keinen Rand hatte und es keinen Boden und keine Zäune gab? (S. 60f) Oder in der Zeit, als alles noch Augen hatte? Überreste zeugen davon: Augen auf Pfauenfedern, Hühneraugen und die Fettaugen auf der Suppe. (S. 54f) Dann ist da die Sache mit der Kiste voller Erbsen, die Gott Kopfzerbrechen bereitet. (S. 22)
Die Illustrationen von Jutta Bauer sind wunderbar anzuschauen.
Der Verlag bewirbt das Buch in der Kategorie Kinderbuch. Ich lese die Geschichten gerne Jugendlichen und Erwachsenen vor. Mein absoluter Favorit ist "Die Göttin": Gott streifte durchs Nichts und stand plötzlich vor einer großen Baracke. Eine Göttin öffnete ihm. Und damit beginnt die Erzählung davon, wie alles auf die Erde gelangte und warum die Menschen nichts von der Göttin wussten.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 8.2„Biblische Schöpfungserzählungen – Bekenntnis und Auftrag

Gerda Gertz, Dezember 2016, aktualisiert Juni 2019

Altes Testament

Melanie Köhlmoos, UTB basics, A. Francke, Tübingen und Basel 2011, 332 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-8252-3460-7

Das vorliegende Buch ist als Lehr- und Arbeitsbuch für Theologiestudierende in Bachelor- und Lehramtsstudiengängen gedacht und konzipiert. Es bietet, meiner Meinung nach, aber auch eine sehr gute Möglichkeit für alle, die schon längere Zeit unterrichten oder in der Gemeindepädagogik arbeiten, ihr Wissen über das Alte Testament zu wiederholen bzw. aufzufrischen. Die Verfasserin, Frau Prof. Dr. Melanie Köhlmoos, ist Professorin für Altes Testament an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Sie versteht es in gut verständlicher und nachvollziehbarer Sprache wichtige Themen zum Alten Testament zu beschreiben und zu bearbeiten. So bietet das Buch nach den ersten beiden Kapiteln zur Kanongeschichte und zu Methoden der Exegese im 3. Kapitel eine Übersicht der Geschichte Israels in alttestamentlicher Zeit und im 4. Kapitel als literarhistorische Vertiefung die Entstehung des Alten Testaments. Besonders interessant war für mich aber das 5. Kapitel mit thematischen Querschnitten zur Frage: Was das Alte Testament glaubt, also zu den Theologien im Alten Testament. Die Ausführungen zur Bedeutung des Gesetzes und zur Prophetie waren für mich sehr erhellend und weiterführend. Irritiert hat mich allerdings, dass die Ausführungen zu zwei Querschnittsthemen, der Schöpfung und den Familiengeschichten: Abraham, Isaak und Jakob, nur online unter utb-mehr-wissen.de nachzulesen sind. In allen Kapiteln sind gute Zusammenfassungen oder Definitionen in übersichtlichen Kästen dargestellt und vielfältige Aufgaben und Arbeitsanweisungen bieten die Möglichkeit zum vertieften Arbeiten. Für mich ein sehr nützliches Arbeitsbuch, das Lust auf mehr Auseinandersetzung mit dem Alten Testament macht.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 5.2 „Die Bibel – ein Buch der Vielfalt“, Lernbereich 5.3 „Gott begleitet auf dem Lebensweg“

Ilse Strebel-Vogtmann, Diplom-Religionspädagogin, Februar 2015; aktualisiert Juni 2019, Gerda Gertz

Der erste Christ – Die Lebensgeschichte des Apostels Paulus

von Alois Prinz; Weinheim Basel, Beltz & Gelberg, 2007; 4. Auflage 2016, 256 Seiten
ISBN: 978-3-407-74216-2

Als Jugendbuch in der „Zeit“ 2007 vorgestellt entpuppt sich dieses handliche Buch als gut lesbare und anregende Lektüre für alle, die wie ich dem Thema „Paulus“ im Religionsunterricht gerne ausgewichen sind.
Dem Autor gelingt es, die politischen, sozialen und religiösen Zeitumstände lebendig werden zu lassen, sei es in Jerusalem, Tarsus oder Korinth. Damit ist das Buch auch eine Informationsquelle für Lehrplanthemen wie Lernbereich 6.2 „Zeit und Umwelt Jesu“. Besonders interessant finde ich seinen Vergleich von Situationsbeschreibungen und Erlebnissen des Paulus nach der lukanischen Apostelgeschichte und den Briefen des Paulus. Prinz nennt Ungereimtheiten und Lücken beim Namen, er lädt durch Bezüge zu unserer Zeit zum Nachdenken ein. Auch die Theologie des Paulus bettet er in ein in die philosophischen und religiösen Strömungen seiner Zeit. Die Auseinandersetzung mit den jüdischen und jüdisch-christlichen Gemeinden nimmt dabei viel Raum ein und ist durchaus mit kritischen Augen zu lesen. Eine Zeittafel, eine Bibliografie und ein ausführliches Quellenverzeichnis ergänzen die „Lebensgeschichte des Apostels Paulus“.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 6.2 „Zeit und Umwelt Jesu“, Lernbereich 7.3 „Kirche im Wandel – Entstehung und Entwicklung“

Gerda Gertz, November 2009, aktualisiert Juni 2019

Die hartnäckige Witwe – Ein Gleichnis von der Gerechtigkeit Gottes

Beate Wehn, Katholisches Bibelwerk e. V. Stuttgart, 2011, kartoniert, 63 Seiten, ISBN: 978-3-940743-67-1

Besonders interessant ist Kapitel I. Bibelauslegung: sozialgeschichtlich-feministisch-befreiungstheologisch. Darin erklärt die Autorin zunächst, warum sie den Begriff "Hebräische Bibel" statt "Altes Testament" verwendet. Die Erläuterungen zu "Recht und Gerechtigkeit" und zu "Reich Gottes" sind kurz und prägnant. In die Auslegung des Bibeltextes von Lukas 18,1-8 (23 Seiten) sind Hintergrundinformationen zur Situation der Witwen und zur Rechtsprechung in neutestamentlicher Zeit eingebaut. Eindrücklich ist die Darstellung der Hartnäckigkeit der Witwe, in Gegensatz dazu weckte die lange Zeit übliche Überschrift "die bittende Witwe" in der Lutherübersetzung ganz andere Assoziationen. Ein ausführlicher Exkurs zur frühchristlichen Thekla-Erzählung überrascht und fasziniert. Es folgen Gedanken und Anregungen zum Titelbild der Veröffentlichung (Misereor-Hungertuch 2004 "Brot und Rosen…") sowie praktische Vorschläge für die Erarbeitung des Bibeltextes, in denen die Autorin Bezug nimmt zu aktuellen Missständen und Ungerechtigkeitserfahrungen.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 6.2 „Zeit und Umwelt Jesu“, Lernbereich 6.3 „Leben, Wirken und Botschaft Jesu“, Lernbereich 9.1“Jesus Christus“ u. a.

Gerda Gertz, März 2017, aktualisiert Juni 2019

Die Töchter Zelofhads – Fordernde, Erbinnen, Vertrauende

Ulrike Bechmann, Katholisches Bibelwerk e. V. Stuttgart, 2003, kartoniert, 68 Seiten, ISBN: 978-3-932203-69-5

Nicht minder interessant ist die schon etwas ältere Veröffentlichung zu einem eher unbekannten Text aus Numeri 27,1-11 bzw. 36,1-12: Fünf Frauen fordern bei der Landverteilung Erbrecht ein. In diesem Heft von Ulrike Bechmann spricht vor allen die dreiteilige Gliederung an: I. Die Töchter Zelofhads in der erzählten Zeit, II. Die Töchter Zelofhads in der Erzählzeit der Tora-Entstehung, III. Die Töchter Zelofhads von Frauen heute gelesen. Exkurse z. B. zum Zelt der Offenbarung/Begegnung oder zur Landnahme-Tradition bieten ergänzende Informationen. Der Leser und die Leserin gewinnen Einblicke in die altorientalische, alttestamentliche Zeit und in die Entstehung des Pentateuch. Knapp 50 Seiten theologische und soziokulturelle Ausführungen machen neugierig und erweitern das eigene Wissen. Im letzten Kapitel gibt die Autorin vielfältige Anregungen für Bibelarbeiten mit dem Text.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 5.3 „Die Bibel – ein Buch der Vielfalt“, Lernbereich 5.3 „Gott begleitet auf dem Lebensweg“ u. a.

Gerda Gertz, März 2017, aktualisiert Juni 2019

Hier stehe ich, es war ganz anders - Irrtümer über Luther

Malessa, Andreas, Holzgerlingen, SCM-Verlag, 2015², 7. Auflage 2017, gebunden, 188 S., ISBN 978-3-7751-5610-3

„Ich habe mich auf der Straße, unter Schülern und Lehrern, … bei Freunden und Kollegen umgehört, was sie über Martin Luther und die Reformation wissen. Und bin auf Heldenlegenden, Horrorgeschichten, richtig falsche Zitate, vor allem aber auf viele kleine Halbwahrheiten und lustige Irrtümer gestoßen. Die hab ich mir notiert. Und mit denen – und ihrer Beantwortung – würde ich Sie gerne anspruchsvoll unterhalten und erheitern." (S. 7/8) Dieses Versprechen aus dem Vorwort löst Andreas Malessa, Theologe und Journalist, ein. In einem lockeren Schreibstil geht er allseits bekannten Zitaten und Behauptungen über Luther nach. Dass die Thesen nicht angenagelt wurden, hat sich herumgesprochen, aber wie war es stattdessen? Wie kam es, dass 1944 Pfarrer Karl Lotz aus Hessen Luther den Spruch vom Weltuntergang und Apfelbäumchen zuschrieb und dieses vermeintliche Zitat gerade im 20. Jahrhundert so berühmt wurde? Wie war das mit der Flucht der Nonnen im Heringsfass und mit den amtlich bestellten Zuschauern beim ersten ehelichen Geschlechtsverkehr von Martin und Katharina? Malessa gibt einen guten Einblick in die Zeitgeschichte und in die Gesellschaft vor 500 Jahren. Gelungen finde ich auch seine Bezüge auf unsere Zeit. Für sein Buch und die Überprüfung der Lutherzitate hat Malessa auf Sekundärliteratur zurückgegriffen. Das Buch unterhält, es informiert und macht Lust, das Thema Luther und Reformation im Religionsunterricht mit mehr Amüsement und weniger protestantischer Pflicht anzugehen. Ich habe schon Ideen: eine Erzählung über das Heiraten damals, ein szenisches Spiel zum Ringen um die richtigen Worte bei der Übersetzung der Bibel, ein Quiz zu "Von Luther oder wem? – Irrtum und Wahrheit". Und leider: Unser liebstes Lutherwort "Hier stehe ich, ich kann nicht anders." ist amtlich nie protokolliert worden.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 8.1 „Reformation und ihre Auswirkungen in die Gegenwart“

Gerda Gertz, September 2015, aktualisiert Juni 2019

Jesus und seine Zeit

Wolfgang Stegemann; Biblische Enzyklopädie Band 10; Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2010; 38,00 €; ISBN: 978-3-17-012339-7

Was zunächst wie eine Veröffentlichung für SpezialistInnen wirkt, entpuppt sich beim Blättern und Schmökern als gut lesbares, informatives und spannendes Werk über den aktuellen Stand der Jesusforschung. Von einem Kapitel „Das biblische Bild der Epoche“ mit Themen wie „Epiphanien und Machttaten Jesu als Sohn Gottes“ oder „Jünger Jesu und wichtigste Gegner“ über das Kapitel „Jesu Zugehörigkeit zum Judentum – ein Problem der christlichen Jesusforschung“ bis zu Erläuterungen wie „Jesus im Kontext der mediterranen Kultur“ reicht die Palette der angebotenen Themen. ReligionslehrerInnen kann das Fachbuch „Jesus und seine Zeit“ zum einen als Nachschlagewerk dienen, zum anderen als eine Art theologisches Update, der eigene Wissensschatz und –stand wird erheblich reaktiviert und erweitert. Das Buch motiviert dazu, die eigenen Kompetenzen auf den aktuellen Stand zu bringen und die Schülerinnen und Schüler daran teilhaben zu lassen.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 6.2 „Zeit und Umwelt Jesu“, Lernbereich 6.3 „Leben, Wirken und Botschaft Jesu“, Lernbereich 9.1 „Jesus Christus“ u. a.

Gerda Gertz, November 2011, aktualisiert Juni 2019

Jesus von Nazareth

Alois Prinz; Gabriel Verlag (Thienemann Verlag GmbH), Stuttgart/Wien, 2013; ISBN: 978-3-522-30324-8, E-Book inklusive

Es ist ein Buch, das sich leicht wie ein Roman liest, mit dokumentarischen Einwürfen, mit Zeitenwechseln zwischen damals und heute, mit Fragen, die aufgeworfen werden, und Verknüpfungen, die zum Nachdenken anregen. Einen guten Einblick in die politische Situation zur Zeit Jesu etwa vermittelt Kapitel 1 "Kaiser, Könige und die Liebe des Volkes". Stationen im Leben Jesu werden beleuchtet und nacherzählt. Seine Botschaft und sein Wirken werden exemplarisch hervorgehoben und in Zusammenhänge gestellt. Manchmal mutet das Buch wie ein Glaubensbekenntnis an, aber dem Autor gelingt es immer wieder, auf Distanz zu gehen und es der Leserin und dem Leser selbst zu überlassen, sich ein Bild von Jesus zu machen.
"Jesus von Nazareth" eignet sich mit seiner klaren, verständlichen Sprache sowohl zum Lesen/Vorlesen im Religionsunterricht als auch als Geschenk. Die Bezüge zu Werken von z. B. Fjodor Dostojewski, Ingeborg Bachmann oder Paul Tillich weisen darauf hin, dass das Buch nicht explizit für Jugendliche geschrieben wurde.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 6.2 „Zeit und Umwelt Jesu“, Lernbereich 6.3 „Leben, Wirken und Botschaft Jesu“, Lernbereich 9.1 „Jesus Christus“ u. a.

Gerda Gertz, Juni 2013, aktualisiert Juni 2019

Kirchengeschichten für Neugierige - Das kleine Handbuch großer Ereignisse

Fabian Vogt; Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 2013, 3. Auflage 2016, 18 Seiten, ISBN: 978-3-374-03154-2

So macht Kirchengeschichte Spaß: frech erzählt, angereichert mit theologischen Fragestellungen, hineingetragen in unsere Zeit. Eigentlich wollte ich erst mal nur in das Taschenbuch hineinblättern, und dann hab ich gelesen und gelesen.
Neugierig machen bereits die Überschriften zu den zehn ausgewählten Epochen wie "Flüsterpropaganda - Die Erfolgsgeschichte der Urgemeinde", "Eine Heidenarbeit - Die Geheimnisse der Germanenmission", "Glaub doch, was du willst - Der Schock der Aufklärung". Im einführenden Kapitel wird an Beispielen wie "Bewahren versus Erneuern" oder "Beten versus Handeln" erläutert, dass Kirchengeschichte aufregende dynamische Entwicklungen nimmt im ständigen Wechsel von Aktion und Reaktion und manche Diskussionen die Jahrhunderte überdauern. Geschrieben hat Fabian Vogt, der Theologie, Germanistik und Gesang studiert hat, das Buch für „all diejenigen, die Lust auf einen charmanten Überblick haben, der es ihnen ermöglicht, in Zukunft die wesentlichen geschichtlichen Entwicklungen besser einordnen zu können und die großen gesellschaftlichen Epochen mit ihren jeweiligen Grundfragen zu kennen." (S. 11/12) Und - so möchte ich ergänzen - für all diejenigen, die bisher nicht so recht wussten, ob und wie im Religionsunterricht Kirchengeschichte lebendig und relevant werden kann. Schade nur, dass wegen fehlender Quellenangaben und Literaturhinweise die Neugier auf mehr Informationen und weitere Werke des Autors nicht befriedigt wird. Ansonsten eine sehr kurzweilige, empfehlenswerte Lektüre.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 7.3 „Kirche im Wandel – Entstehung und Entwicklung“, Lernbereich 8.1 „Reformation und ihre Auswirkungen in die Gegenwart“

Gerda Gertz, September 2013, aktualisiert Juni 2019

Lydia und Berenike

Eva Ebel, Biblische Gestalten Band 20, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 2. korr. Auflage 2012, 3. korr. Auflage 2018, 208 Seiten, 16,80 €, ISBN: 978-3-374-02681-4

Ebenfalls aus der Reihe „Biblische Gestalten“ ist der Band über die Christin Lydia und die jüdische Königin Berenike. Beide Frauen kommen in der Apostelgeschichte des Lukas vor, beide sind Paulus begegnet. Die Autorin widmet ihnen große Aufmerksamkeit und beschreibt sie auf dem soziokulturellen, politischen und religiösen Hintergrund des ersten nachchristlichen Jahrhunderts anhand biblischer und historischer Texte und Zeugnisse. Dadurch entsteht ein Bild von der Lebenssituation der Frauen unterschiedlicher Schicht und Herkunft in der damaligen Zeit. Eva Ebel verknüpft dies mit der Fragestellung, für welche Frauen der neue Christusglaube besonders ansprechend war. Das Buch hat mein Wissen um die damalige Zeit, die Anfänge der Kirche und die Rolle der Frauen beträchtlich erweitert. Am Ende der Lektüre war ich neugierig auf all die anderen Frauen, die im Doppelwerk des Lukas (Evangelium und Apostelgeschichte) und in den Paulusbriefen meist nur namentlich erwähnt oder in kurzen Episoden sichtbar werden.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 6.2 „Zeit und Umwelt Jesu“, Lernbereich 7.3 „Kirche im Wandel – Entstehung und Entwicklung“

Gerda Gertz, März 2014, aktualisiert Juni 2019

Rut - Miteinander auf dem Weg

Jutta Hausmann, Biblische Gestalten Band 11, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2005; 162 Seiten, 14,80 €, ISBN: 978-3-374-02278-6

Sehr informativ und aufschlussreich ist das Taschenbuch über die Rut-Erzählung. Der Autorin gelingt es, Neugier für dieses biblische Buch und seine handelnden Personen zu wecken. Ob z. B. „Sprachliche Gestaltung der Rut-Erzählung“, „Rut – eine facettenreiche Frau“, „Rut in der christlichen Tradition“ oder „Rut in der jüdischen Tradition“, das Buch Ruth wird unter vielfältigen, auch soziokulturellen Aspekten erschlossen. Besonders interessant fand ich die immer wieder eingestreuten Vergleiche mit der biblischen Figur Abraham. Es gibt mehr Ähnlichkeiten, als ich auf den ersten Blick vermutet hätte. Das Layout des Buches ist einfach gehalten. Die in schwarz-weiß abgedruckten Abbildungen sind allerdings ein Ärgernis, gerade auch im Kapitel „Rut in der darstellenden Kunst“: viel zu klein und kontrastarm.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 5.2 „Die Bibel – ein Buch der Vielfalt“, Lernbereich 5.3 „Gott begleitet auf dem Lebensweg“

Gerda Gertz, März 2014, aktualisiert Juni 2019

Religionspädagogik / Gottesdienst / Spiritualität

Arbeit mit Bildern im Religionsunterricht

kreative, kompetenzorientierte und auf jedes Bild anwendbare Methoden mit passenden Kopiervorlagen, 5 – 10, Frank Troue, Auer Verlag, Augsburg 2015, 76 Seiten, DIN A4, ISBN 978-3-403-07728-2

Der Auer Verlag hat ein neues Heft herausgebracht, mit dessen Hilfe kreative, kompetenzorientierte und auf jedes Bild anwendbare Methoden zur Arbeit mit Bildern im Religionsunterricht gezeigt werden. Der Autor ist Lehrer für katholische Religionslehre und Kunsterziehung und in der Lehrerbildung tätig. 28 bekannte und neue Methoden ermöglichen Schüler/innen und Lehrer/innen unterschiedliche Wege der Bilderschließung. Tipps zur selbständigen Bilderarbeitung in wechselnden Sozialformen und Hinweise zur kreativen und produktorientierten Weiterarbeit runden den Band ab.
Passend zum neuen kompetenzorientierten Religionsunterricht bietet diese Arbeitshilfe vielfältige und motivierende Anregungen zum Medium Bild, das auch medienverwöhnten Jugendlichen Zugänge zu religiösen Kompetenzen ermöglicht.

Beate Meckler, Mittelschule Freystadt, Dezember 2015

Arbeitshilfe Religion inklusiv - Grundstufe und Sekundarstufe I

"Basisband: Einführung, Grundlagen und Methoden", Wolfhard Schweiker, Calwer Verlag Stuttgart 2012; 108 Seiten, broschiert, ISBN: 978-3-7668-4212-1

Die sehr empfehlenswerte Arbeitshilfe ist der Basisband einer Reihe zum inklusiven Religionsunterricht.
Im 1. Kapitel werden die grundlegenden Begriffe erklärt, empirische Befunde erläutert, im 2. Kapitel die Voraussetzungen für inklusives Lernen diskutiert. Es folgen Didaktikmodelle, religionspädagogische Konzepte und eine Methodensammlung. Dabei werden v.a. Konzepte benannt, die laut Autor "für das gemeinsame Lernen in heterogenen Gruppen besonders bedeutsam sind." (S. 45) wie die Symboldidaktik oder die Kirchenraumpädagogik. Die ausgewählten Methoden sollen das Miteinander und den gemeinsamen Lernprozess fördern. Viele der beschriebenen Ideen und Übungen sind bekannt, werden aber unter dem spezifischen Blickwinkel Inklusion auf ihre Einsatzmöglichkeiten und Wirkung hin überprüft, zugeordnet und beschrieben.
Die Mischung aus Theorie und Praxis macht die Arbeitshilfe für Lehrkräfte so wertvoll. Kritisch anzumerken ist, dass Kompetenzorientierung im Basisband kaum eine Rolle spielt (nur S. 21/22). Für die Praxisbände würde ich hier eine deutlichere Akzentsetzung erwarten.
Inzwischen (2019) sind mehrere Praxisbände erschienen.

Gerda Gertz, September 2012, aktualisiert Juni 2019

Bibel kreativ (Andachten und mehr – bewegen, erzählen, spielen)

Uwe Hausy (Hg), Reihe Materialbücher des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Buch 124, Frankfurt 2015, 256 Seiten, mit CD-ROM; https://www.zentrum-verkuendigung.de/online-shop/artikel/124-bibel-kreativ/spiel-und-theater/

"Um das kreative Potential einer Gruppe nutzen zu können, sollte sie möglichst heterogen zusammengesetzt sein." (S. 17) Diese Feststellung des Herausgebers ließ mich aufhorchen und schärfte meine Aufmerksamkeit für das Buch. Es ist in fünf Kapitel gegliedert: I Auf biblische Texte zugehen, II Biblische Texte spielen und erzählen, III Biblische Texte im Theater, IV Biblische Texte für einen Abend oder Tag, V Biblische Texte in Andachten, die bewegen.
Vorneweg gleich ein Hinweis für alle, die bei Stichworten wie "Theater" oder "Spielen" aufschrecken: Lesen Sie weiter, "Bibel kreativ" könnte auch für Sie interessant sein.
Die einzelnen Beiträge lieferten eine Vielzahl von Autorinnen und Autoren, von der Studentin bis zur Dozentin. Genauso heterogen ist der Inhalt des anregenden Buches: methodische Bausteine, komplette Gottesdienstentwürfe, knapp skizzierte und ausführlich beschriebene Andachten, Praxisberichte, Ideen und konkrete Tipps für die Arbeit mit biblischen Texten. Vielfältige, ganzheitliche Zugänge werden vorgestellt für unterschiedliche Anlässe und Zielgruppen. Vieles ist auch für den Religionsunterricht geeignet. Mich haben Methoden wie "Bisoziation" (S. 23f) und "Bibel-Blackstories" (S. 103ff) besonders fasziniert. Letztere sind Logicals bezogen auf biblische Geschichten. Ein Satz wird vorgegeben: "Ein alter Mann hält ein blutverschmiertes Kleidungsstück in den Händen und bricht weinend zusammen." (S. 105), das was vorher passiert ist, muss durch die Gruppe mit Hilfe von Ja-Nein-Fragen erforscht werden.
Anmerkungen zum Layout: Die Farbe Orange für die Überschriften ist einerseits ein Hingucker, erfordert allerdings gute Lichtverhältnisse beim Lesen. Beim Lektorat wurden bedauerlicherweise einige Tippfehler übersehen. Eine gute Ergänzung zum Buch ist die umfangreiche CD-ROM.
Für BerufsanfängerInnen ist "Bibel kreativ" eine Fundgrube mit zahlreichen methodischen und inhaltlichen Anregungen und Anleitungen. Erfahrene Pädagoginnen und Pädagogen erinnern sich durch die Lektüre an Schätze, die sie sich im Laufe des Berufslebens angeeignet haben, und an ihre eigenen Kompetenzen und Ressourcen. Das Buch macht Lust, wieder mehr Vielfalt zu wagen, der Gruppe Kreativität zuzutrauen und Heterogenität als Bereicherung zu sehen.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 5.2 „Die Bibel – ein Buch der Vielfalt“, Lernbereich 6.3 „Leben, Wirken und Botschaft Jesu“, Lernbereich 9.1“Jesus Christus“ u. a.

Gerda Gertz, Februar 2016, aktualisiert Juni 2019

Dialogorientierter Religionsunterricht in integrierten Schulsystemen

Unterrichtsplanungen und -materialien zu zentralen Themen der Sek I, Christine Lehmann/Martin Schmidt-Kortenbusch, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, 109 Seiten, DIN A4, kartoniert, mit E-Book-Code, 25,- €, ISBN: 978-3-525-77020-7

Der Titel dieser Arbeitshilfe irritiert zunächst, da er suggeriert, dass sie nur für Lehrkräfte interessant sei, die z. B. an Gesamtschulen oder Sekundarschulen arbeiten. In den "Leitgedanken" benennt das Autorenteam Hintergründe und Merkmale für dialogorientierten Religionsunterricht. Sie schreiben weiter: "Vielfalt pädagogisch sinnvoll zu gestalten, ist eine Herausforderung ... Viele Religionslehrer stellen sich dieser Herausforderung, merken aber tagtäglich, dass ihnen zu wenig Zeit bleibt, differenzierende Aufgabenstellungen und Materialien selbst zu erarbeiten. Dieser Band will ... praktische Anregungen zu zentralen Themen geben." (S.9) Die drei ausgearbeiteten Themen der Arbeitshilfe "Wer bin ich? – Nachdenken über Schöpfung und Mitwelt" (5./6. Jgst.), "Der Frieden – ein unerfüllter Wunschtraum?" (7./8. Jgst.), "Die Kirche hat doch immer mit den Mächtigen paktiert? – Die Kirchen im Nationalsozialismus" (9./10. Jgst.) finden sich auch im LehrplanPLUS Mittelschule, z. T. in anderen Jahrgangsstufen. Zunächst werden zu jedem Thema die didaktischen Überlegungen dargelegt, zum Kapitel "Frieden" besonders ausführlich und informativ. Die jeweilige Planungsstruktur gibt einen Überblick über die Lernwegetappen bzw. die Lernlandkarte ("Frieden"). Es schließen sich vielfältige Materialien an mit Texten, Aufgabenstellungen, Bildern. Letztere sind leider nur schwarz-weiß abgedruckt und nicht immer von guter Qualität. Bei "Widerstand gegen den Nationalsozialismus" werden nur Männer vorgestellt bzw. zitiert. Die Autorin und der Autor lösen hier ihre in den "Leitgedanken" betonte Vielfalt nicht ein.

Beim ersten Aufschlagen wirkt die Arbeitshilfe ein wenig fad, ihre Qualität habe ich beim genauen Lesen entdeckt. Folgende Anregungen in den Kapiteln sind mir besonders ins Auge gesprungen: Auf S. 15 wird die Methode "Kugellager" zur Lernreflexion verwendet, auf S. 23 werden interessante differenzierende Aufgabenstellungen zur Erschließung eines Gedichts vorgeschlagen. Auf S. 51 (Information für die Lehrkraft) und S. 60 (Informationsblatt für die Schülerinnen und Schüler mit Bewertungskriterien) wird eine Testersatzleistung zum Thema "Frieden" vorgestellt als Alternative zu einer schriftlichen Leistungserhebung. Mit einer typischen kompetenzorientierten Anforderungssituation (Gespräch zwischen zwei Freundinnen) wird der Einstieg in das dritte Thema gestaltet.

Wer (kompetenzorientierte) Anregungen zu Schöpfung, Frieden und Kirche im Nationalsozialismus sucht, ist mit dieser Arbeitshilfe gut bedient.

Bezug zum Lehrplan PLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 6.1 „Umgang mit Konflikten“, Lernbereich 8.2. „Biblische Schöpfungserzählungen – Bekenntnis und Auftrag“, Lernbereich 9.3 „Verantwortung übernehmen – für Gerechtigkeit und Frieden“, Lernbereich 10.3 „Christsein in der Gesellschaft“ u. a.

Gerda Gertz, RPZ Heilsbronn, September 2018

Die Bibel elementar

erzählt und erklärt von Michael Landgraf, Calwer Verlag, Stuttgart 2010; ISBN: 978-3-7668-4123-0; 22,95 €

"Die Bibel elementar" von Michael Landgraf, Leiter des Religionspädagogischen Zentrums der pfälzischen Landeskirche und Religionslehrer, möchte Schülerinnen und Schülern "einen Zugang zum 'Buch der Bücher' eröffnen". Sie besteht aus Nacherzählungen biblischer Geschichten, Zitaten aus der Lutherbibel, zahlreichen Erklärungen und Informationen. Das Layout ist ansprechend, Fotos und Zeichnungen lockern die Seiten auf und lassen die Erklärungen anschaulich werden. Eingefügt und grün hinterlegt sind Themenseiten z.B. zur Schöpfung, zu den jüdischen Festen oder Wundergeschichten. Die Geschichten und Erzählungen sind in einer dem Alter der Schülerinnen und Schüler angemessenen Sprache geschrieben, biblische Zitate (Lutherbibel) farbig hervorgehoben. „Die Bibel elementar" macht Lust weiter zu lesen und den soziokulturellen Hintergrund sowie Land und Leute der Bibel zu entdecken. Ein ausführlicher Anhang mit Informationen über die Bibel, mit einem Stichwortverzeichnis und Landkarten ergänzen das Werk. Lehrkräften bietet "Die Bibel elementar" in der Unterrichtsvorbereitung wertvolle Kurzinformationen zu biblischen Texten. Im Unterricht der Jahrgangsstufen 5-10 kann sie als Bibellexikon und Lesebuch eingesetzt werden, für den Lehrplan Hauptschule 2004 ist sie zugelassenes Lernmittel.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 5.2 „Die Bibel – ein Buch der Vielfalt“, Lernbereich 5.3 „Gott begleitet auf dem Lebensweg“, Lernbereich 6.2 „Zeit und Umwelt Jesu“, Lernbereich 6.3 „Leben, Wirken und Botschaft Jesu“ u. a.

Gerda Gertz, September 2011, aktualisiert Juni 2019

Echtzeit - Neue Gebete für junge Menschen

Stephan Sigg, Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck, 2015, 3. Auflage, DIN A6, broschiert, 96 Seiten, 7,95 €, ISBN: 978-3-7022-3171-2

Der ersten Verwirrung folgt die Erleuchtung: die seltsamen Zahlen bei den Gebeten sind Uhrzeiten und damit erschließt sich auch der Titel des Büchleins. "Echtzeit" - mit 05:10 "Mach mich wach!" beginnt der Tag, mit 00:20 "Danke, dass du heute bei mir warst" endet er. Diese etwas andere Einteilung der Gebete für Jugendliche und junge Erwachsene überzeugt. Alltagsfragen haben ebenso Platz in den Gebeten wie Gefühlsausbrüche oder die Katastrophen der Welt. Die Form ist ungewohnt, selten eine Anrede, kein Amen, der Text oft erst auf den zweiten Blick als Gebet erkennbar. Das Layout ist poppig, aber klar: Neonorange und grau, links ein Foto, rechts das Gebet, immer ein Satz fett hervorgehoben.
Wer ein Gebetsbuch sucht, das aus dem Rahmen fällt, dem sei "Echtzeit" empfohlen.

Gerda Gertz, RPZ Heilsbronn, März 2018

Freiräume 6 – Praxisfertige Materialien und Unterrichtshilfen für den evangelischen Religionsunterricht an Mittelschulen

Martina Steinkühler, Claudius Verlag, München 2018, DIN A4 Paperback, 144 Seiten,
ISBN: 978-3-532-71101-9, 24,00 €

Mit der vorliegenden Arbeitshilfe setzt der Claudius Verlag sein neues Konzept um: Statt des Religionsbuches "Freiräume" für den evangelischen Religionsunterricht in Bayern wird es künftig für jede Jahrgangsstufe in der Mittelschule "praxisfertige Materialien und Unterrichtshilfen" geben.
Der vorliegende Band für die 6. Jahrgangsstufe ist noch deutlich orientiert am ursprünglich geplanten Religionsbuch. Das ist für alle Nutzerinnen und Nutzer von großem Vorteil. Die Lernbereiche des LehrplanPLUS mit den Kompetenzerwartungen und zugeordneten Inhalten sind klar erkennbar, etliche Veränderungsvorschläge der Schulbuchgutachter/-innen wurden aufgegriffen. So kann die Arbeitshilfe durchaus als Lehrer*innenhandbuch definiert werden.

Die Struktur der Arbeitshilfe ist klar: Fünf Kapitel greifen die fünf Lernbereiche des Lehrplans auf, wenn auch in geänderter Reihenfolge, der 6. Abschnitt "Spezialschlüssel Jesus" bietet ergänzende Informationen und Anregungen. Jedes Kapitel beginnt mit einem Foto und der Aufforderung "Teste dein Vorwissen". Danach folgen Materialien zum Thema, diese sind als Arbeitsblätter für die Schülerinnen und Schüler konzipiert. Sie bieten Infotexte, Dialoge, Fallsituationen, Kurzerzählungen, Karikaturen, Fotos usw. und immer zwei bis vier "Aufgaben" als Anregungen zur Bearbeitung. "Ganzheitliche und kreative Impulse erlauben verschiedene Zugänge und heben so die Motivation der Schüler/innen."¹. Leider sind alle Fotos und Illustrationen nur in schwarz-weiß abgedruckt, hin und wieder auch sehr kleinformatig. Zu jeder Materialseite findet sich anschließend eine Seite "Lehrer*innen-Info" mit Bilderläuterungen, Informationen und Ideen für den Unterricht.
Die Kapitel schließen jeweils mit "Schlüsselwörtern" und mit einem Comic in der Rubrik "Lehrer*innen-Info" ab: "Speziell für dieses Buch wurden zielgruppengerechte, ansprechende Comics entwickelt, die die Lerninhalte auf den Punkt bringen."¹
Alle Arbeitsblätter stehen auf der Verlagswebsite als Download zur Verfügung. Den Zugangscode erhält man durch den Kauf der Arbeitshilfe. Im Downloadbereich können auch die meisten Fotos und Bilder in Farbe heruntergeladen werden. Im Fall der doppelseitigen Comics müssen dafür ärgerlicherweise jeweils zwei Fotos angeklickt und geöffnet werden.²

Für die Unterrichtsvorbereitung bieten die "Freiräume 6" eine Vielzahl an Ideen, zeitgemäßen Anregungen und Informationen. Welche der vorgestellten Materialien die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern anbieten wird, ist jeweils aus theologischer und pädagogischer Sicht gut abzuwägen. Das Bild "Stammbaum Jesu" von Sieger Köder (S. 94) ist durchaus kritisch zu hinterfragen, ebenso die Szenen "In Nazareth – Alltag bei Maria und Josef" (ab S. 87). Die Autorin schreibt dazu "Sie sind ‚wahr erfunden‘, das heißt, sie sind sozusagen narrative Realienkunde der damaligen Lebensverhältnisse (Wohnen, Essen, Berufe)." (S. 88).

Mit "Freiräume 6 – Praxisfertige Materialien und Unterrichtshilfen für den evangelischen Religionsunterricht an Mittelschulen" ist ein Buch auf dem Markt, das sich konsequent auf den neuen LehrplanPLUS bezieht und Religionslehrkräfte bei der Unterrichtsplanung und -durchführung unterstützt.

Bezug zum Lehrplan PLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 6.1 „Umgang mit Konflikten“, Lernbereich 6.2. „Zeit und Umwelt Jesu“, Lernbereich 6.3 „Leben, Wirken und Botschaft Jesu“, Lernbereich 6.4 „Gemeinsam feiern – christliche Feste“, Lernbereich 6.5 „Islam – muslimischer Glaube und muslimisches Leben“

Gerda Gertz, RPZ Heilsbronn, 15.03.2019

¹ Die Zitate wurden der Verlagshomepage entnommen.
² Der Verlag stellt inzwischen den Comic als Doppelseite im pdf-Format zur Verfügung.

55 Stundeneinstiege Religion einfach, kreativ, motivierend / Sekundarstufe I

Stephan Sigg, Auer Verlag Donauwörth, 2011, 64 Seiten, 17,90 €; ISBN: 978-3-403-06801-3

Pro Seite eine Idee, nach diesem Prinzip ist das Büchlein aufgebaut. Kurz, übersichtlich und verständlich werden Methoden für den thematischen Einstieg in einzelne Unterrichtsstunden und -sequenzen vorgestellt. "Immer schön der Reihe nach" ist eine Übung, in der die SchülerInnen schweigend und zunächst im Klassenzimmer stehend z.B. die Feste des Kirchenjahres in die richtige Reihenfolge bringen. "Die Mitte der Geschichte" lädt dazu ein, zu einem einzelnen Satz aus einer (biblischen) Erzählung, das Davor oder Danach zu fantasieren. Unter "Meditative Einstiege" hätte ich mir allerdings mehr erwartet, die meisten der acht Vorschläge sind einfach Methoden wie Bildbetrachtung oder Schreibgespräch. Insgesamt sind viele Methoden durchaus bekannt, in dieser Zusammenstellung aber ein Fundus, nicht nur für den Einstieg in den Unterricht.

Gerda Gertz, Februar 2012, aktualisiert Juni 2019

Für eine gerechte Welt - Prophetinnen, Propheten und wir

Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe 1, Jochen Bauer, Mara Sommerhoff unter der Mitarbeit von Rabeya Müller, Christian Pantenius, Oliver Petersen, Amin Rochdi, Reihe ID Interreligiös-dialogisches Lernen 5, Kösel-Schulbuch, München 2014, 141 Seiten, DIN A4, mit CD-ROM, ISBN 978-3-466-50833-4

Die Arbeitshilfe macht neugierig. Schon der Titel hat mich zum Buch greifen lassen "… Prophetinnen, Propheten und wir". Und dann das Inhaltsverzeichnis "Eine jüdische Sicht auf…, eine islamische Sicht auf…, eine christliche Sicht auf…". Ich habe die Arbeitshilfe durchgeblättert und beschlossen, auch das Vorwort und die einleitenden Kapitel "Zur Sache" und "Zur Didaktik" zu lesen, um die Anliegen und die Intention der Autorinnen und Autoren zu verstehen. Schon die ersten Worte sprachen mich an: "Auf den folgenden Seiten begegnen Ihnen faszinierende Gestalten: Propheten und Prophetinnen aus den Religionen. Sie klagen an, sie demonstrieren, sie fordern ein…." (S. 4). Der Begriff Prophet wird geklärt, Propheten und Prophetisches im Judentum, Christentum, Islam und Buddhismus beschrieben und der didaktische Fünfschritt "Sehen, klagen, träumen/warnen, prüfen, gehen" vorgestellt. Danach folgen 110 Seiten Unterrichtsmaterialien: "Zehn Wege in prophetische Landschaften" mit methodisch-didaktischen Erläuterungen, einer schematischen Übersicht und umfangreichen, konkreten Anregungen, Texten und Bildern. Ein Schwerpunkt liegt auf Weg 6, den "Propheten-Reportagen", hier rücken nun auch die Prophetinnen in den Blickpunkt: "Mirjam – eine jüdische Perspektive" und "Asiya – eine islamische Perspektive". "Ein großes Programm – zu groß, zu lebensfern, zu historisch für Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe?" (Vorwort S. 4) Den Autorinnen und Autoren gelingt der Transfer in die Lebenswelt der Jugendlichen und in unsere sozialen und gesellschaftlichen Lebensumstände. Die Arbeitshilfe bietet somit sowohl Informationen für die Lehrkraft als auch konkrete Unterrichtsvorschläge, ein Buch nicht nur für Religionslehrkräfte.
In der Reihe „ID Interreligiös-dialogisches Lernen“ gibt es weitere sehr empfehlenswerte Bände.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 6.5 „Islam – muslimischer Glaube und muslimisches Leben“, Lernbereich 7.5 „Jüdischer Glaube und jüdisches Leben“, 9.3 „Verantwortung übernehmen – für Gerechtigkeit und Frieden“ u. a.

Gerda Gertz, Mai 2016, aktualisiert Juni 2019

Gender, Religion, Bildung - Beiträge zu einer Religionspädagogik der Vielfalt

Annebelle Pithan / Silvia Arzt / Monika Jakobs / Thorsten Knauth (Hg), Gütersloher Verlagshaus, 2009, ISBN: 978-3-579-08093-2

Auf die Frage "Warum ein Buch zu Gender – Religion – Bildung?" antworten die HerausgeberInnen des Buches selbst im einleitenden Kapitel: "Der komplexe Zusammenhang von Gender und Religionspädagogik insbesondere angesichts der neuen Paradigmen von Heterogenität, Intersektionalität und Diversity stellt die Religionspädagogik vor große Herausforderungen. Diese Veröffentlichung will einen Beitrag zu einer genderreflektierten Religionspädagogik der Vielfalt leisten …"
Was nach viel abstrakter Theorie klingt, ist ein Grundlagenwerk zum Schmökern für alle, die über ihren eigenen Horizont hinausschauen möchten.
Zahlreiche Autorinnen und Autoren befassen sich in ihren informativen, anregenden und gut lesbaren Artikeln mit neuesten Forschungsergebnissen, mit grundlegenden religionspädagogischen Fragestellungen und mit Praxisberichten aus dem Elementarbereich, aus Schule, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung. Ob es um die "Arbeit mit den Gottesvorstellungen im Religionsunterricht" geht oder um "Geschlechterdifferenz im Religionsbuch", um "Frauen-, Männer-, und Geschlechterforschung – Neue Perspektiven für die Historiographie der Religionspädagogik" oder um "Jungen in der Religionspädagogik", alle Beiträge machen Lust, sich mit grundlegenden Erkenntnissen zu befassen, sich zu besinnen und das eigene religionspädagogische Handeln zu reflektieren.

Das Buch ist nur noch über das Comenius-Institut zu erhalten. Dort finden Sie auch das Gesamt-PDF zum kostenlosen Download.

Gerda Gertz, Juni 2010, aktualisiert Juni 2019

Inklusion im Religionsunterricht - Vielfalt leben

Patrick Grasser, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, 96 Seiten, ISBN 978-3-525-70207-9, ISBN 978-3-647-70207-0 (E-Book)

„Es gibt keine homogene Lerngruppe.“ (S. 41) – Mit diesem Satz gibt der Autor den roten Faden vor, der sich durch das verständlich geschriebene und leicht lesbare Taschenbuch zieht. „Jede Schulklasse ist und bleibt durch die Verschiedenheit ihrer Mitglieder geprägt. Heterogenität bzw. Diversität gehören zu ihren Wesensmerkmalen.“ (S. 41) Im ersten Kapitel „Was ist Inklusion?“ nimmt Patrick Grasser Begriffsklärungen und -abgrenzungen vor, die entscheidend für die folgenden Ausführungen sind. Überzeugt hat mich vor allem Abschnitt 1.4 Inklusion und Heterogenität. Hier wird der Blick geweitet hin auf die Vielfalt in unseren Schulklassen. Sie als Chance und Ressourcenpool zu sehen, auch und trotz schwieriger Arbeitsbedingungen, ist ein zentrales Anliegen des Autors. Immer wieder ermutigt er dazu, inklusive Schule und inklusives Lernen anzustreben und umzusetzen. Im letzten Kapitel „Bausteine für einen inklusiven Religionsunterricht“ veranschaulicht er die Möglichkeiten der Differenzierung an konkreten Beispielen.
Anregend sind die immer wieder eingefügten „Impulse zum Nachdenken“, als Leserin bin ich angesprochen, mir meine eigenen Gedanken zu machen und das Gelesene mit meiner Unterrichtserfahrung zu verknüpfen. Nicht alle Aussagen würde ich widerspruchslos hinnehmen, z. B. wenn es um die Schülerorientierung und entsprechende Unterrichtsplanung geht (Kapitel 4.2) oder in 4.4 um die „Grundformen des inklusiven Unterrichts“. Die Grafiken im Buch sind leider nur in schwarz-weiß abgedruckt, manchmal in sehr kleiner Beschriftung. Sie verlieren dadurch an Aussagekraft. Je nachdem, wie intensiv man sich bereits mit dem Thema befasst hat, kann das Buch als Einführung in die Fragestellungen, als Anregung zur schrittweisen Umsetzung oder als Diskussionsgrundlage dienen.

Gerda Gertz, September 2014, aktualisiert Juni 2019

Keep calm and pray – Schulgebete von Jugendlichen

Hg. Johanna Ankenbauer, Echter Verlag, Würzburg, 2015, 95 Seiten, 9,90 €, ISBN 978-3-429-03776-5

Die 131 Gebete des Büchleins wurden von Schülerinnen des Würzburger St.-Ursula-Gymnasiums geschrieben. Die Gebete in den Kapiteln 2 "Schulgebete" und 3 "Allgemeine Anliegen" sind meines Erachtens auch sehr gut für die Mittelschule geeignet. Sie sind kurz, aussagekräftig und in einfacher, verständlicher Sprache.
Die Gebete in Kapitel 1 "Das Kirchenjahr" dagegen wirken oft sehr liturgisch und formal, zudem sind sie meist recht lang. Für Sprachgenies bietet Kapitel 4 "Sprachenvielfalt" Gebete in Englisch, Französisch und Latein.
Das Gebetsbuch hat ein handliches, gebundenes Format mit Lesebändel, ist mit farbigen Fotos und Grafikelementen attraktiv gestaltet und für die Verwendung im Religionsunterricht gut geeignet.

Gerda Gertz, RPZ Heilsbronn, Dezember 2017

Weitere Empfehlungen: "Gebete für Kinder und Jugendliche" (pdf)

Neuland betreten - Bewegter Religionsunterricht im 7. bis 9. Schuljahr

mit CD-ROM; Elisabeth Buck; Deutscher Katecheten-Verein e.V., München 2011; ISBN: 978-3-88207-407-2

Mit „Neuland betreten“ bietet die Autorin ein Praxisbuch für die 7.-9. Jahrgangsstufen an. In sieben Kapiteln werden Themen wie „Leitbilder für das Leben“, „Jesus Christus“ oder „Tod und Sterben“ aufgegriffen und bearbeitet. Didaktische Hinweise führen in die Unterrichtsmodelle ein, die Anregungen reichen von der Raumgestaltung über Gesprächsimpulse bis zur Heftwerkstatt. Elisabeth Buck lädt in ihrer „Gebrauchsanweisung zu den Stundenbildern“ dazu ein, auszuwählen, umzuändern und auch mal etwas zu wagen. „Grundsätzliche Erwägungen zum Bewegten Religionsunterricht“ erläutern das Konzept und setzen sich mit den Bedingungen für Bewegten Religionsunterricht auseinander. Mich haben bei einer ersten Durchsicht vor allem die kreativen Ideen für die Gestaltung der Hefteinträge gerade im Blick auf die Mittelschule besonders angesprochen. Inhaltlich ist das Buch eine Fundgrube, die Aufmachung ist eher schlicht gehalten. Die beiliegende CD-ROM ist eine Ergänzung und enthält schwarz-weiß Abbildungen aus dem Buch und einfache, manchmal nicht unbedingt nötige Kopiervorlagen.

Gerda Gertz, November 2011, aktualisiert Juni 2019

Psalmen

5.-10. Schuljahr, Reihe "EinFach Religion - Interpretationen, Unterrichtsmodell", Folker Albrecht, Ingo Baldermann, Astrid Greve, Schöningh Verlag Paderborn 2012, 122 S., ISBN: 978-3-14-053606-6

Selten hat mich eine religionspädagogische Arbeitshilfe auch beim zweiten Lesen so gefesselt wie die "Psalmen" von Albrecht/Baldermann/Greve. Um es vorwegzunehmen: Das Buch ist meines Erachtens ein Gewinn für jede Religionslehrkraft und bietet eine wahre Entdeckungsreise durch die Psalmen aus theologischer und didaktischer Sicht, dabei begebe ich mich als Leserin unversehens auf meinen persönlichen Lernweg.

Das Inhaltsverzeichnis ist übersichtlich und ausführlich, die neun Bausteine zu Psalmworten werden mit "Themen", "Medien" (Arbeitsblätter), "Kompetenzen" und "Methoden" vorgestellt. So kann jede und jeder den eigenen Zugang finden.
Im Kapitel "Interpretationen" erläutert das Autorenteam die Genese und die Anliegen der Arbeitshilfe und stellt Verknüpfungen her zwischen der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler, ihren existentiellen Fragen, den Psalmen und den elementaren Fragen nach Gott. "Diese elementar-existentielle Bewegung der Psalmen setzt dabei keinerlei religiöse Sozialisation voraus…". (S. 12) Das Team verschweigt nicht, dass sein Ansatz in der universitären Religionspädagogik nicht unumstritten ist.
Die Bausteine werden ausführlich vorgestellt und im Blick auf die theologisch-exegetischen Grundlagen, die mögliche Relevanz für die Schülerinnen und Schüler und auf didaktisch-methodische Vorschläge erläutert. Viele der Lernwegetappen und Anregungen eignen sich besonders auch für jahrgangsübergreifende Religionsgruppen. In der Arbeitshilfe verzichten die Autorin und Autoren auf eine Festlegung von einzelnen Bausteinen auf Jahrgangsstufen oder Schularten. Durch differenzierte Vorschläge werden unterschiedliche Niveau- und Kompetenzstufen berücksichtigt.

Bezüge zum bayerischen LehrplanPLUS Mittelschule lassen sich – auch mit Hilfe der Kompetenzen aus dem Inhaltsverzeichnis der Arbeitshilfe – leicht finden. Im LehrplanPLUS werden im Lernbereich 5.4 "Glaube wird sichtbar" Psalmen als Ausdrucksform christlicher Spiritualität genannt. Kompetenzerwartungen aus Lernbereich 7.2 "Auf dem Weg zu gelingendem Leben – Scheitern und Neubeginn" lassen sich mit "Baustein 1: Ich bin wie ein zerbrochenes Gefäß – Klagepsalmen als Sprache für eigene Ängste" verknüpfen. Im Lernbereich 10.4 "Weitergehen – was Hoffnung gibt" "entdecken" die Schülerinnen und Schüler "in biblischen Texten … Impulse des christlichen Glaubens für Lebensfragen Jugendlicher", bei den Inhalten zu den Kompetenzen sind im LehrplanPLUS explizit die Psalmen genannt.

"Allein mit dem Wort 'LICHT IST DEIN KLEID, DAS DU ANHAST' lässt sich eine Stunde lang arbeiten und man wird staunen, was dabei zur Sprache kommt. Ausgangspunkt sind immer die Assoziationen der Schüler. Der Satz selbst ist der Impuls." (S. 99) Diese Idee zu Psalm 104,2 ist nur eine von vielen konkreten Anregungen, die dazu verlocken, mit dieser Arbeitshilfe Religionsunterricht zu gestalten.

Gerda Gertz, RPZ Heilsbronn, Dezember 2018

Religionsunterricht mit Schulgottesdiensten

Reihe "RU praktisch sekundar, Band 3"; hg: Heike Vierling-Ihrig/Mirjam Zimmermann; Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 2007; 142 Seiten; ISBN 978-3-525-61024-4

Eine Fundgrube für schulische Gottesdienste aller Art ist diese Arbeitshilfe. Gegliedert in drei Bereiche "Einführung - Was ist dran an der Sache des Schulgottesdienstes?", "Gottesdienstelemente - Gestaltungsmöglichkeiten" und "Schulgottesdienste - Ideen, Bausteine, Umsetzungen" stellen die AutorInnen Fragen nach der Verortung von Schulgottesdiensten heute, nach alternativen spirituellen Angeboten für besondere Anlässe, nach Predigt- und Vermittlungsformen. Die abgedruckten Gebete, Gestaltungsideen und kurzen Texte sind erfreulich anregend und machen Lust auf eigene kreative und geistreiche Vorbereitungsprozesse und religiöse Feiern mit Schülerinnen und Schülern.

Gerda Gertz, Juni 2011

Tod - ein Projektbuch; Hintergründe, Perspektiven, Denkanstöße

für Sek I, Sek II, für Ethik, Philosophie, praktische Philosophie, Projektunterricht; Peter Brokemper; Verlag an der Ruhr, Mülheim, Juni 2012; 112 Seiten, Paperback, vierfarbig, DIN A4; ISBN: 978-3-8346-0983-0

Das Projektbuch verlockt zum Lesen durch sein ansprechendes Layout und seine interessanten Themenbereiche. "Spiel mir das Lied vom Tod - Wie uns Tod im Leben entgegentritt" oder "Gesellschaftlicher Umgang mit dem Tod - Trauerfälle und ihre Abwicklung" sind nur zwei der sechs Kapitel. Kurze Geschichten, Bilder, Zitate, Informationen, die Bandbreite der Impulse und Anregungen zum Thema ist groß. Meist wird ein Themenaspekt wie "Was ist ein Hospiz?" oder "Suizid bei Jugendlichen" auf einer Seite konzentriert dargeboten, immer gibt es Frage- und Aufgabenstellungen für die Schülerinnen und Schüler dazu.
Bedauerlich bis ärgerlich ist die Tatsache, dass das Kapitel „Diesseits und Jenseits - Der Tod in Geschichte, Philosophie und Religion" zu knapp (nur 10 Seiten zu sonst mind. 18 Seiten), im Blick auf die Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam mit nur zwei Seiten abgehandelt wird, zudem letzteres noch sehr undifferenziert und unqualifiziert.
Wenn man als Religions- oder Ethiklehrkraft um die Mängel des Buches weiß, es aufmerksam und kritisch liest, dann lohnt sich eine Anschaffung durchaus. Die gut aufbereiteten Seiten und lesenswerten Anregungen überwiegen.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 9.2 Sterben, Tod und Auferstehung“

Gerda Gertz, November 2012, aktualisiert Juni 2019

Pädagogik / Psychologie

Binnendifferenzierung in der Sekundarstufe - Das Praxisbuch

Profi-Tipps und Materialien aus der Lehrerfortbildung, Karin Kress, unter Mitarbeit von Michaela Pappas, Auer Verlag, Donauwörth 2014, 150 S., DIN A4 kartoniert, mit CD, ISBN: 978-3-403-06840-2

Die Arbeitshilfe ist ausgesprochen praxisorientiert. Sie bietet Anregungen, Methoden und Beispiele rund um Fragen und Formen der Differenzierung im Unterricht. Die vier Differenzierungsvarianten "Leistungsdifferenzierung, Differenzierung nach Lerntempo, Neigungsdifferenzierung und Vielfalt an Zugangsweisen" werden ausführlich dargelegt. Auf S. 9 werden beispielsweise im konkreten Vergleich geschlossene und offene Aufgabenformate beschrieben, die jeweiligen Vor- und Nachteile benannt. In Informationsblöcken wie "So mache ich Aufgaben leicht und schwer" (S. 25 ff) werden einzelne Themen vertieft oder konkretisiert. "Tipps" und "So mache ich das" geben zusätzliche Anregungen. Die "Methodenkartei bietet einen besonderen Komfort für die Unterrichtsvorbereitung" (S. 7) und findet sich am Ende jeden Kapitels. Im Abschnitt "Würden wir ja gerne, wenn wir die Materialien hätten – Materialien nutzen, anpassen und selbst erstellen" finden sich 16 konkrete Tipps, wie ich mir als Lehrkraft einen Materialpool anlegen kann. Die Materialsammlung ab Seite 116 ist sehr umfangreich, interessant sind Vorlagen wie "Erwartungshorizont für die Schülermoderation: Nach folgenden Kriterien benote ich deine Leistungen in der Schülermoderation" oder die "Gestufte Hilfe zur Texterschließung".

Durch die vielen Einschübe und Hervorhebungen ist es anfangs nicht einfach, sich in die Arbeitshilfe einzulesen und darin zurechtzufinden. Wer sie aber als Sammlung von Informationen, Impulsen und Methoden versteht, wird von diesem Praxisbuch profitieren, auch als Mentorin oder Seminarleiter. Hinzuzufügen ist noch, dass das Buch nicht den Religionsunterricht im Fokus hat, viele Vorschläge und Ideen aber gut zu übertragen sind.

Gerda Gertz, RPZ Heilsbronn, September 2018

Differenzierung in heterogenen Lerngruppen - Praxisband für die Sekundarstufe I

Frank Müller, Debus Pädagogik Verlag, Schwalbach 2012, 198 Seiten, DIN A 4 Paperback, ISBN 978-3-95414000-8

Zuallererst: Das Buch ist ein Praxisband, der seinen Namen verdient. In den ersten beiden Kapiteln „Einleitung“ und „Differenzierungsmöglichkeiten in der Praxis“ erläutert der Autor klar und übersichtlich unterschiedliche Formen von und Umgangsweisen mit Differenzierung. Es folgen kurze pädagogisch-didaktische Kapitel. Die „Methodenübersicht“ umfasst die Seiten 23-196 und gliedert sich in die drei Untergruppen „Methoden und Arrangements für differenzierten Unterricht“, „Differenzierungsansätze in gängigen Lehr-Lern-Methoden“ sowie „Vielfältige Differenzierungsmöglichkeiten“. An konkreten Beispielen aus vielen Unterrichtsfächern werden Arrangements wie Lernspiralen oder Stationenarbeit anschaulich gemacht, Aufgabentypen erklärt und Möglichkeiten differenzierter Leistungsmessung vorgestellt. So wird Differenzierung greifbar. Die den Methoden zugeordneten Kopiervorlagen hätten allerdings auch platzsparender gestaltet werden können und nicht alle Musteraufgabenstellungen überzeugen inhaltlich. Wer eine praxisorientierte Arbeitshilfe zur Differenzierung sucht, ist mit diesem Buch sehr gut beraten.

Gerda Gertz, Juni 2014

Entwicklungspsychologie in der Religionspädagogik

Gerhard Büttner, Veit-Jakobus Dieterich, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, 2. aktualisierte Auflage 2016, 238 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-8252-3851-3

Mit ihrem Band stellen Gerhard Büttner und Veit-Jakobus Dieterich den neuesten Stand der entwicklungspsychologischen Forschungen (Piaget, Kohlberg, Folwer u. a.) dar, die sich seit den 80er Jahren sehr verändert haben.
Aufgrund neuerer empirischer Forschungen mit Kindern und Jugendlichen ergänzen, erweitern und korrigieren sie viele Erkenntnisse der entwicklungspsychologischen Klassiker.
Die Frage nach dem Wissen zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. „Ohne ein basales, mit den Jahren sich erweiterndes Grundwissen zu Jesus Christus werden Heranwachsenden schwerlich ‚christologisieren‘ können. … Denken und Wissen sollten daher niemals auseinandergerissen werden.“ (S. 205)
Am Ende jedes Kapitels folgen religionspädagogische Konkretisierungen, die gerne noch etwas ausführlicher hätten sein können. Insgesamt ist das Buch eine echte Fundgrube neuerer entwicklungspsychologischer Forschungen in Sachen Religion und war schon lange überfällig. Es gibt einen informativen und profunden Überblick über gegenwärtige Entwicklungen und Erkenntnisse, wie Kinder und Jugendliche mit Gott, Glaube und Religion zurechtkommen. Das Material ist ansprechend aufbereitet, teilweise mit Bildern und Schaubildern, immer auf einem hohen sprachlichen und wissenschaftlichen Niveau.

Volker Linhard, Diplom-Religionspädagoge, November 2014, aktualisiert Juni 2019, Gerda Gertz

No blame approach - Mobbing-Intervention in der Schule; Praxishandbuch

Heike Blum, Detlef Beck, fairaend Köln, 3. überarbeitete Auflage Juli 2012, 5. aktualisierte Auflage 2016, ISBN: 978-3-000277-55-9

In diesem Buch stellen die Autoren die Mobbing-Interventionsmethode des "No-Blame-Approaches" vor und liefern damit einen wichtigen Beitrag zu fundierter deutschsprachiger Literatur zum Umgang mit dem Phänomen Mobbing.
Der "No-Blame-Approach" ist ein Erfolg versprechender, überschaubarer und gut erlernbarer Ansatz zur Intervention bei Mobbing, der die lehrende Person in die Verantwortung nimmt. Wesentliches Kennzeichen ist es, dass ohne Schuldzuweisung und ausschließlich zukunftsorientiert gearbeitet wird.
Das vorliegende Buch stellt in übersichtlicher Form grundlegende theoretische Gedanken zum Mobbing, die Hintergründe und den Ablauf des No-Blame-Approaches und den Umgang mit möglichen Schwierigkeiten vor. Ergänzt wird dies durch Erfahrungsberichte und die Ergebnisse einer Evaluation.
Empfehlenswert, um sich weiter mit diesem Ansatz zu befassen: www.no-blame-approach.de oder auch die für alle Schularten im Religionspädagogischen Zentrum Heilsbronn angebotene Fortbildung "Umgang mit Mobbing in Schulklassen", in der neben weiteren theoretischen Aspekten und Präventionsmethoden auch der No-Blame-Approach vorgestellt und geübt wird.

Bezug zum LehrplanPLUS Mittelschule, Evangelische Religionslehre:
Lernbereich 5.1 „Ich und die anderen“, Lernbereich 6.1 „Umgang mit Konflikten“

Dr. Monika Schunk, Lehrerin und Kursleiterin, Februar 2013, aktualisiert von Gerda Gertz, Juni 2019

Systemisches Konsensieren – Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg

Georg Paulus u.a., Danke-Verlag Holzkirchen, 4. überarbeitete Auflage 2017, Paperback DIN A5, 134 Seiten, 9,90 €, ISBN 987-3-9808635-4-4

Wenn Entscheidungen per Mehrheitsbeschluss getroffen werden, gibt es Gewinner und Verlierer, nicht selten bleiben die Überstimmten unzufrieden zurück. In Systemen wie Schule oder Vereinen hapert es oft an der Umsetzung von Beschlüssen. Wie aber kommt man zu gemeinsam gefundenen und getragenen Entscheidungen und wie muss der Weg dahin aussehen? In "Systemisches Konsensieren" beschreiben die Autoren diese Methode, die nach dem Widerstandpotential der einzelnen Gruppenmitglieder fragt. Nicht die Zustimmung zu einem Projekt, einem Sachverhalt ist ausschlaggebend, sondern die Intensität des Zweifels und der Ablehnung. Alle bekommen die Möglichkeit mit Hilfe von Widerstandspunkten, ihre Meinung sichtbar zu machen. 0 Punkte bedeutet vollste Zustimmung, 10 Punkte starker Widerstand. Das Interesse konzentriert sich nun darauf, die Hintergründe für den Widerstand oder die Zurückhaltung zu erfahren und die zur Abstimmung stehenden Sachverhalte so zu überarbeiten, dass der Widerstand sinkt. Ziel ist es, durch einen transparenten und kommunikativen Prozess zu Entscheidungen zu kommen, die die Gruppe als gemeinsame Entscheidungen definiert und praktiziert.

Im Buch werden die Anliegen des Systemischen Konsensierens erläutert sowie die Methode ausführlich und anschaulich an konkreten Beispielen aus der Arbeitswelt, aus Familie und Schule beschrieben. Den Autoren spürt man ab, dass sie vom Nutzen und der Wirksamkeit des Systemischen Konsensierens überzeugt sind.

Die Lektüre weckt Neugier und macht Mut, dieses Abstimmungsinstrumentarium auszuprobieren und anzuwenden. Im RPZ-Lehrgang "Die Kunst des Zauderns und des Entscheidens – Entscheidungsprozesse reflektieren und einüben" im Mai haben wir damit überzeugende und positive Erfahrungen gemacht.

Gerda Gertz, RPZ Heilsbronn, Juni 2018

Türöffner und Stolpersteine - Elternarbeit mit türkischen Familien als Beitrag zur Gewaltprävention

Hg: Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V.; verantwortlich: Dr. Ahmet Toprak, München, 2004; aktualisierte Neuauflage 2012, ISBN-13: 978-398072509, 80 Seiten, 4,50 €; Bestelladresse: www.bayern.jugendschutz.de oder über den Buchhandel

Die leicht lesbare und praxisorientierte Broschüre führt im ersten Teil ein in Erziehungswerte, Erziehungsstile und typische Konflikte türkischer Migrantenfamilien, im zweiten Teil schließen sich Praxismodelle an. Die Autorinnen und Autoren haben meist selbst einen türkischen Migrationshintergrund und arbeiten als Erzieherinnen, Sozialpädagogen und Pädagogen in Bayern. Seinen Titel hat das Büchlein vom letzten Artikel "Türöffner und Stolpersteine - Worauf Sie in der interkulturellen Elternarbeit achten sollten". Wer die Broschüre gelesen hat, wird über so manchen Stolperstein hinweg steigen und Türen für ein konstruktives Miteinander öffnen können.

Gerda Gertz, März 2011, aktualisiert Juni 2019

Wie die Gruppe laufen lernt

Barbara Langmaack/Michael Braune-Krickau, Verlagsgruppe Beltz, 8., vollständig überarbeitete Auflage 2010, 246 Seiten, 29,95 €; ISBN: 978-3-621-27679-5

Auch eine Schulklasse ist eine Gruppe! Und deshalb ist dieser Klassiker mit "Anregungen zum Planen und Leiten von Gruppen" (Untertitel) tatsächlich "ein praktisches Lehrbuch" für Lehrkräfte ebenso wie für Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Gruppen aller Art zu tun haben. Klar und übersichtlich gegliedert, mit einem lesefreundlichen Layout, verlockt das Buch zum Schmökern. Es ist aber auch eine Art Nachschlagewerk zu Themen wie "Perspektiven des Lernens in Gruppen", "Entwicklungsphasen von Gruppen: ihre Bedeutung für die Vorbereitung, Planung und Leitung", "Feedback geben und nehmen", "Grundmuster menschlichen Verhaltens als Verstehenshilfe für Krisenprävention und -intervention". Auf der Grundlage der Themenzentrierten Interaktion (TZI) geschrieben, vermittelt das Buch Einblicke in die Struktur, die Kommunikation, die Arbeitsfähigkeit und die Leitung von Gruppen und regt dazu an, lebendiges Lernen und Leiten zu fördern. Ein lohnenswertes Standardwerk!

Gerda Gertz, Juni 2012

Kreativität / Spielpädagogik

Abenteuer City Bound – Spielideen für soziales Lernen in der Stadt

Tanja Klein, Christian Wustrau, Verlag Kallmayer in Verbindung mit Klett, Friedrich Verlag GmbH, 2014, 2. Auflage 2017, 164 Seiten, davon einige als Download-Material, ISBN: 978-3-7800-4801-1

Erlebnispädagogik in der Stadt, in der Fußgängerzone? Braucht man für kooperative Abenteuerspiele nicht Bäume und eine Wiese? Die Aktionen und Aufgaben, die in "Abenteuer City Bound" vorstellt werden, machen neugierig. "Bereite aus dem Puddingpulver einen fertigen Pudding zu. Wie du das machst, bleibt deiner Fantasie überlassen." (S. 76). Als Material gibt es nur ein Päckchen Puddingpulver pro TeilnehmerIn oder pro Gruppe.
"… das Potenzial von erlebnispädagogischen Aktionen im städtischen Raum ist immens. Die Förderung von Orientierung und Mobilität, von Kommunikationsfähigkeit wie auch Selbst- und Fremdwahrnehmung, die Stärkung von Konfliktlösungskompetenz sowie die Entwicklung von Selbstbewusstsein und Teamfähigkeit sind nur einige Schlagwörter, die die pädagogischen Ziele umreißen." (S. 11) In Kapitel 1 "City Bound – Erlebnispädagogik in der Stadt" liefern Tanja Klein und Christian Wustrau zunächst Grundinformationen, z. B. zu City-Bound-Aufgaben, zum Lernzonenmodell, zu Projekten und zu Anforderungen an die Leitung. Vorbereitungsschritte, Sicherheitsaspekte sowie 50 klassische und neue Spielideen werden in den Kapiteln 2 und 3 anschaulich und verständlich beschrieben. Es folgen 30 Reflexionsaufgaben, denn Reflexion und Transfer sind "das A und O von City-Bound-Programmen" (S. 6). Etliche dieser Übungen sind bekannte Auswertungsmethoden, im Buch sind sie alphabetisch geordnet und prägnant erklärt.
Die Vielfalt der vorgestellten City-Bound-Aufgaben ist so groß, dass sich für viele Gelegenheiten im schulischen Kontext Ideen finden lassen, ebenso für LeiterInnen mit mehr oder mit weniger Erfahrung im Umgang mit Erlebnispädagogik. Übrigens: Manche Aufgaben lassen sich auch gut in einer Kleinstadt oder einem größeren Dorf durchführen!
"Und nun – lassen auch Sie sich mitreißen von den ungewöhnlichen, kreativen, verrückten, spontanen und kuriosen Facetten von City Bound." (S. 10)
Mehr über City Bound und das Autorenteam: www.citybound.org

Gerda Gertz, September 2016, aktualisiert Juni 2019

Keiner muss verlieren - 55 Spiele, bei denen jeder gewinnt

Ute Rapsch, Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 2013; ISBN 978-3-7615-6004-4, Taschenbuch im Format DIN A6, 96 Seiten

Wer eine preiswerte Spielesammlung im Hosentaschenformat sucht, ist mit diesem Büchlein sehr gut bedient. In den drei Kapiteln "Kennenlern-Spiele", "Ruhige Spiele" und "Bewegungsspiele" finden sich alt bekannte, aufgepeppte und neue Spiele mit geringem Materialaufwand für größere und kleinere Gruppen. Die Beschreibungen sind knapp und präzise. Das Motto "Keiner muss verlieren - Jeder gewinnt" trifft zwar nicht auf alle Spiele zu, gilt jedoch auf alle Fälle für den Spaßfaktor. Außerdem liegt es in der pädagogischen Verantwortung der Spielleitung, nach welchen Kriterien Spiele ausgewählt, unter welchen Rahmenbedingungen und in welcher Atmosphäre sie durchgeführt werden.

Gerda Gertz, November 2013

Gesellschaft / Politik

Gegen den Hass

Carolin Emcke, S. Fischer Verlag Frankfurt am Main, 4. Auflage 2016, gebunden, 240 S., 20,00 €, ISBN 978-3-10-397231-3

Die Philosophin und Publizistin Carolin Emcke wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und hat 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandelns bekommen. Ihre Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche hat aufhorchen lassen. Das Buch "Gegen den Hass" ist im Oktober 2016 erschienen. Schon das Vorwort überraschte mich, es beginnt mit Versen aus Psalm 69 und springt mitten hinein in entscheidende Betrachtungen über den Hass und diejenigen, die hassen. "Manchmal frage ich mich, wie sie das können: so zu hassen. Wie sie so sicher sein können. … Gehasst wird aufwärts oder abwärts, in jedem Fall in einer vertikalen Blickachse. … Dem Hass begegnen lässt sich nur, indem man seine Einladung, sich ihm anzuverwandeln, ausschlägt. … Dem Hass begegnen lässt sich nur durch das, was dem Hassenden abgeht: genaues Beobachten, nicht nachlassendes Differenzieren und Selbstzweifel." (S. 11-18). In den drei folgenden Kapiteln (1. Sichtbar – unsichtbar, 2. Homogen – natürlich – rein, 3. Lob des Unreinen) breitet sie ihre Beobachtungen aus, wird konkret und stellt Fragen, die zum Innehalten und Nachdenken anregen. Sie bezieht Position für eine plurale Gesellschaft und führt Begriffe wie Wahrsprechen ein. Mich hat das Buch sehr bewegt, beeindruckt und ermutigt. Außerdem habe ich beim Lesen die sprachliche Gewandtheit genossen.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre!

Gerda Gertz, RPZ Heilsbronn, Juni 2017

Mehr Kopf als Tuch - Muslimische Frauen am Wort

Amani Abuzahra (Hg.), Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck, 2017, 2. Auflage 2018, Paperback, 142 Seiten, 14,95 €, ISBN: 978-3-7022-3637-3 (gedrucktes Buch), 978-3-7022-3651-9 (E-Book)

"In diesem Buch schreiben junge Musliminnen aus Deutschland und Österreich über verschiedene Themen, die sie beschäftigen: von Heimat und Karriere, Spiritualität, Feminismus und Kunst, Rassismus und Diskriminierung im Alltag bis hin zu den Grenzen der Vielfalt und Integration." (Klappentext)
Die Texte sind so unterschiedlich wie die Frauen, die sie schreiben. Leyla Derman beschreibt eine Woche ihres Berufs- und Familienalltags, um dem Bild der ungebildeten, vom Mann unterdrückten Muslima ihre Realität entgegenzusetzen. Anja Hilscher beginnt ihre Ausführungen unter dem Titel "Zurück in die Zukunft: emanzipierte Öko-Punk-Musliminnen" mit der humorvollen Schilderung einer Parkplatzszenerie. Kübra Gümüsay setzt sich intensiv und persönlich mit ihrer Spiritualität auseinander. Sie öffnet den Leserinnen und Lesern die Augen dafür, dass eine kopftuchtragende Muslima nicht gleichzeitig fromm sein muss.
Die Beiträge im Buch regen dazu an, die eigenen Stereotypen zu überprüfen, die Wirkung der alltäglichen verdeckten und offenen Diskriminierungen zu bedenken und die Vielfalt des gelebten Islam wahrzunehmen. Die Sammlung "… gibt die kritischen weiblichen Töne der muslimischen Community wieder, die in den Medien wenig berücksichtigt werden." (Klappentext) Es ist deshalb gerade auch für Lehrerinnen und Lehrer eine empfehlenswerte Lektüre.

Gerda Gertz, RPZ Heilsbronn, März 2018

" />